02.01.2009 · Die Ursache für den tragischen Skiunfall des thüringischen Ministerpräsidenten Dieter Althaus ist ungeklärt: Zeugen gibt es offenbar nicht, und wer Vorfahrt hatte, ist nicht eindeutig - beim Skifahren gibt es keine Rechts-vor-links-Regelung. Helfen kann nur ein Helm - und Achtsamkeit.
Von Elisabeth SchlammerlDie Behörden in Österreich versuchen, den schweren Unfall von Dieter Althaus zu klären - und stoßen dabei auf viele offene Fragen. Die Staatsanwaltschaft in Leoben hat inzwischen die Ermittlungen zur Unfallursache aufgenommen.
Die beiden Skifahrer waren gegen 14.45 Uhr auf einer Kreuzung zusammengestoßen; Althaus fuhr auf einer rotmarkierten, also mittelschweren Piste, die Slowakin war auf einer blauen und damit leichten Strecke unterwegs. Die Kreuzung ist durch Warnhinweise gesichert und war nach den Worten von Erwin Petz, Geschäftsführer der Riesneralm Bergbahn GmbH, erst vor dieser Skisaison verbreitert worden. „Es ist so, wie wenn es auf einem großen Parkplatz, wo nur zehn Autos stehen, zu einer Kollision zwischen zwei Fahrzeugen kommt“, sagt Petz.
Wer in dieser Situation Vorfahrt hatte, ist nicht eindeutig, weil es beim Skifahren keine Rechts-vor-links-Regelung gibt wie im Straßenverkehr. Der Internationale Skiverband hat zwar Pistenregeln aufgestellt, diese aber sehr vage formuliert. Jeder Skifahrer müsse sich so verhalten, dass er keinen anderen gefährdet oder schädigt, und die Geschwindigkeit seinem Können sowie den Bedingungen anpassen, heißt es lediglich.
Männer stoßen öfter zusammen
Sowohl Althaus als auch seine Unfallgegnerin galten als gute und erfahrene Skifahrer. Ein Moment der Unaufmerksamkeit oder ein Fahrfehler könnte die Ursache für die Kollision gewesen sein, sagt der Leiter der Alpinpolizei Liezen, Siegmund Schnabl.
Die Piste war nach Angabe eines Polizeisprechers bei einer Pressekonferenz am Freitag in Liezen in gutem Zustand. Es waren an der Unfallstelle weder Bodenwellen noch Schläge oder Vereisungen festgestellt worden. Nach Angaben von Schnabl war die Slowakin mit Wohnsitz in den Vereinigten Staaten gemeinsam mit ihrem Ehemann unterwegs. Sie war nach einem kurzen Stopp oberhalb der Unfallstelle alleine in die Kreuzung eingefahren.
Bei Zusammenstößen auf Skipisten sind Männer nach Erkenntnissen des Deutschen Skiverbands (DSV) weitaus häufiger als Frauen beteiligt. In der Skisaison 2006/2007 seien zu 70 Prozent männliche Skifahrer in einen Zusammenstoß verwickelt gewesen, sagt der DSV-Sicherheitsfachmann Michael Berner unter Berufung auf eine Skiunfall-Auswertung des DSV und der Versicherung ARAG.
Ein paar Tage vor der folgenschweren Unfall auf der Riesneralm hatte sich in Tirol ein ähnlich schweres Unglück ereignet. Ein 57 Jahre alter Thüringer war nach einer Kollision mit einem jungen Mann aus München auf einer Piste in Mittersil verstorben. Diese Häufung von Unglücksfällen entspricht nach Auskunft des DSV aber nicht dem allgemeinen Trend. Der DSV erstellt jährlich einen Bericht über Unfälle und Verletzungen im Skisport. Demnach sind die Unfallzahlen seit den Achtziger Jahren rückläufig, und Zusammenstöße mit tödlichem Ausgang die Ausnahme.
Der Helm hat ihm das Leben gerettet
Das erstaunt ein wenig, weil das Tempo auf den Pisten in den vergangenen zehn Jahren, seit der Erfindung der Carvingski, deutlich höher geworden ist. Die taillierten Ski erleichtern das Kurvenfahren und bescheren Anfängern schnelle Erfolgserlebnisse. Auch ungeübte Skifahrer sehen sich in der Lage, über die Pisten zu sausen - in einem für ihr Können zu hohem Tempo.
Dass dennoch weniger schwere Unfälle passieren als vor Einführung des neuen Materials, ist auf entsprechenden Schutz zurückzuführen. Immer mehr Skifahrer tragen freiwillig einen Helm, ebenso einen Rückenprotektor, der die Wirbelsäule vor Verletzungen schützt. Auch Althaus trug am Donnerstag einen Helm. Der, sagen die behandelnden Ärzte, habe ihm womöglich das Leben geredet. Die Frau war ohne Helm gefahren.
Die meisten Alpenländer setzen auf die Eigenverantwortlichkeit der Skifahrer. In Italien haben die Carabinieri die Vollmacht, Pistenrowdies zu bestrafen, in den Vereinigten Staaten sorgt eine Art Pistenpolizei für die Einhaltung von Vorschriften. In Deutschland oder Österreich hingegen gibt es keine Ordnungsinstanz auf den Skipisten.