22.05.2005 · Nach der Ankündigung Bundeskanzler Schröders, die Bundestagswahl vorziehen zu wollen, wird die Union mit Wucht von der „K-Frage“ getroffen. Sie muß nun schnelll klären, wer den Kanzler im Herbst herausfordern wird.
Die überraschende Ankündigung der SPD-Bundesspitze, die Bundestagswahl auf diesen Herbst vorziehen zu wollen, hat der Union mit Wucht die Diskussion über die „K-Frage“ aufgedrängt.
Der CSU-Vorsitzende Edmund Stoiber will nun schnell den Kanzlerkandidaten der Union benennen. Personelle Fragen würden CDU und CSU rasch klären, sagte Stoiber am Sonntag abend in München. „Das werden wir in großer Harmonie tun.“ Auch inhaltliche Fragen werde die Union schnell beantworten.
Koch: CDU wird am Montag entscheiden
Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) hat für Montag eine Entscheidung seiner Partei über die Kanzlerkandidatur angekündigt. Er habe immer gesagt, daß die CDU dazu binnen 24 Stunden in der Lage sei: „Und das wird sie morgen früh beweisen“, sagte Koch am Sonntag.
Der Wahlausgang in Nordrhein-Westfalen sei ein „unmißverständliches Signal, daß die Menschen den politischen Wechsel in Deutschland wollen“, sagte Koch. (Siehe auch: Die CDU wird stärkste Partei)
Entscheidung erst am 30. Mai?
Der CSU-Landesgruppenchef im Bundestag Michael Glos sagte: „Wir werden rasch und zeitnah entscheiden.“ Er wandte sich allerdings gegen ein übereiltes Vorgehen bei der Festlegung der Kanzlerkandidatur.
Die Deutsche Presse-Agentur berichtete, auch die Mitglieder des Unions-Präsidiums hätten sich in einer Schaltkonferenz am Sonntag darauf verständigt, keine übereilten Entscheidungen zu treffen. Ein Sprecher der CDU sagte der dpa, CDU und CSU würden in der Sitzung am 30. Mai die inhaltlichen und personellen Entscheidungen fällen, die sich aus dem Wahlsonntag ergeben.
„Ein Erfolg für Angela Merkel“
Der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff erwartet nach dem Wahlsieg der CDU in Nordrhein-Westfalen Rückenwind für die Parteivorsitzende Angela Merkel auf ihrem Weg zur Kanzlerkandidatur der Union. „Das ist auch ein Erfolg für Angela Merkel, die gestärkt aus diesem Sonntag hervorgeht“, sagte der stellvertretende Parteivorsitzende Wulff der Nachrichtenagentur Reuters auf die Frage nach Merkels Anspruch auf die Kandidatur nach dem klaren CDU-Sieg in Nordrhein-Westfalen.
„Alle weiteren Fragen zur Bundesebene liegen jetzt bei Angela Merkel und (dem CSU-Vorsitzenden) Edmund Stoiber“, sagte Wulff. „Jetzt gehen wir gemeinsam mit der CSU in die Klärung der Sach- und Personalfragen, um gemeinsam den Wechsel im Bund zu schaffen.“
Wulff, der aus Umfragen als beliebtester Politiker in Deutschland hervorgeht, und der auch als innerparteilicher Konkurrent Merkels um die Unions-Kanzlerkandidatur für 2006 galt, sagte, nach dem Wahlsieg würden 70 Millionen Deutsche von Unions-Ministerpräsidenten regiert.