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Nach Minarett-Referendum „Muslime sollen Geld aus der Schweiz abziehen“

02.12.2009 ·  Aus Protest gegen den Schweizer Volksentscheid für ein Bauverbot für Minarette, hat der türkische Europaminister Bagis wohlhabende Muslime in aller Welt aufgerufen, ihr Vermögen von dort abzuziehen und ihr Geld in der Türkei anzulegen. Auch Syrien ruft zu einer Kampagne gegen die Alpenrepublik auf.

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Nach dem Minarett-Referendum in der Schweiz hat der türkische Europaminister wohlhabende Muslime in aller Welt aufgerufen, ihr Vermögen von dort abzuziehen und ihr Geld in der Türkei anzulegen. Schließlich habe der türkische Bankensektor der jüngsten Finanzkrise unbeschadet widerstanden, sagte Minister Egemen Bagis am Mittwoch. Der türkische Bankensektor sei für Geldanlagen offen, zitierten türkische Zeitungen Bagis. „Ich bin sicher, dass unsere muslimischen Brüder, die Geld auf Schweizer Banken haben, ihre Entscheidung überdenken werden.“

Zugleich rief Bagis die Schweizer auf, die „fehlerhafte Entscheidung“ des Referendums zu korrigieren. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hatte das Referendum als Zeichen wachsender Islamophobie in Europa gewertet. Auch die Opposition in Ankara kritisierte den Ausgang des Referendums. Das Ergebnis zeige, dass westliche Werte lediglich im Rahmen des Christentums verstanden würden, sagte der Chef der nationalistischen Partei MHP, Devlet Bacheli.

Syrien ruft zum Boykott Schweizer Waren auf

Auch die Führung der syrischen Republik, die ebenso wie die Türkei ein säkularer Staat ist, rief zu einer Kampagne gegen die Schweiz auf. Samira al-Masalme, die Chefredakteurin der regierungsnahen syrischen Tageszeitung „Teshreen“, forderte einen arabischen Boykott Schweizer Waren. Die Schweizer Industrie exportiere viel in islamische und arabische Länder, „ein Boykott hätte daher spürbare Auswirkungen“, erklärte sie.

Schweizer Volksabstimmung: Deutsche Reaktionen zu Minarett-Verbot

Die ägyptische Menschenrechtsvereinigung hatte das Bauverbot am Dienstag mit „großer Besorgnis“ zur Kenntnis genommen. Aus dem islamischen Königreich Saudi-Arabien, das keine Religionsfreiheit kennt und Ausländern den Bau von Kirchen auf seinem Staatsgebiet verbietet, kam dagegen keine Kritik.

Gül: Ein Zeichen für die Feindseligkeit

Die Türkei hatte das Bauverbot, das in der Schweiz am vergangenen am Sonntag durch eine Volksabstimmung beschlossen wurde, bereits zuvor scharf kritisiert. Staatspräsident Abdullah Gül sprach von einer Schande für die Schweiz und Beispiel für für zunehmende Islamophobie Feindseligkeit gegenüber Muslimen in der westlichen Welt. Die arabischen Staaten reagierten wegen der mehrtägigen Ferien zum islamischen Opferfest erst etwas später auf die Abstimmung.

Das türkische Außenministerium äußerte: „Diese Entwicklung ist bedauerlich und verletzt Menschenrechte und grundlegende Freiheiten.“ In der Schweiz leben mehr als hunderttausend Türken.

Ekmeleddin Ihsanoglu, der Generalsekretär der „Organisation der Islamischen Konferenz“ (OIC) in Saudi-Arabien, sagte, das Verbot, Minarette zu bauen, sei ein „Beispiel für die zunehmende anti-islamische Aufwiegelung in Europa durch extremistische, gegen Einwanderer gerichtete, fremdenfeindliche und rassistische ultrarechte Politiker“. In Kairo teilte der Obermufti Ali Guma mit, das Verbot sei eine Beleidigung der Gefühle der Muslime in- und außerhalb der Schweiz. Es werde nur den Hass gegen die Muslime verstärken und zu einer größeren Diskriminierung der Muslime führen.

Zurückhaltend fiel die Stellungnahme des einflussreichen Theologen und populären Predigers Yusuf al Qaradawi aus. Ein Schweizer Muslim könne ja weiter in Moscheen ohne Minarette beten, sagte der in Qatar lebende ägyptische Theologe. Wisse er aber, dass der Bau von Minaretten verboten und dass dies aus Feindseligkeit gegenüber ihm geschehen sei, habe dies zur Folge, dass er sich in dem Land unerwünscht vorkomme, und das habe negative Auswirkungen auf die Loyalität zu diesen Land, erklärte der Vorsitzende der „Internationalen Vereinigung Muslimischer Rechtsgelehrter“.

Der Dekan der theologischen Fakultät an der Universität Kuweit, Bassam al Shatti, forderte die Muslime und die muslimischen Diplomaten in der Schweiz auf, den Volksentscheid vor Schweizer Gerichten anzufechten. Die Schweiz habe stets den Respekt vor den Menschenrechten und den religiösen Pluralismus gefördert. Der schiitische libanesische Theologe Hussein Fadlallah brachte den Volksentscheid mit dem negativen Bild in Verbindung, das die westlichen Medien von den Muslimen zeichneten. Er forderte den Westen auf, mehr zu tun, um den Islam zu verstehen.

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Von Günther Nonnenmacher

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