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Nach Manipulationsvorwürfen Organspenden erreichen „dramatischen Tiefstand“

 ·  Die Zahl der Organspenden in Deutschland ist 2012 nach Manipulationsvorwürfen gegen mehrere Transplantationszentren stark gesunken. Das belegen neue Zahlen der Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO).

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Nach den Manipulationsvorwürfen gegen mehrere Transplantationszentren in Deutschland sind 2012 die postmortalen Organspenden massiv zurückgegangen. Nach den vorläufigen Zahlen der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) vom Montag war der Rückgang im zweiten Halbjahr nach Bekanntwerden der Transplantationsskandale besonders groß. Im Vergleich zum Vorjahr sank die Zahl der Organspenden um 12,8 Prozent. Im vergangenen Jahr wurden 1046 Spendern nach ihrem Tod 3508 Organe entnommen. 2011 waren es noch 1200 Spender und 3917 Organe. Mit 12,8 Spendern auf eine Million Einwohner habe die Organspende „einen dramatischen Tiefstand“ erreicht, teilte die DSO mit. Damit liegen die Zahlen etwa auf dem Niveau von vor zehn Jahren. Sie waren bis 2007 auf 16 Organspender je eine Million Einwohner gestiegen, danach aber wieder gesunken.

Im Mai hatte der Bundestag daraufhin mit großer Mehrheit das Transplantationsgesetz novelliert. Die Gesetzesänderung sieht unter anderem vor, dass jeder Krankenversicherte über 16Jahre per Brief dazu aufgerufen wird, sich zu entscheiden, ob er Organe spenden möchte oder nicht. Das Gesetz trat allerdings erst im November in Kraft und war von den Skandalen aus dem Sommer bereits überschattet.

Bahr verteidigt bestehende Praxis

Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) verteidigte am Montag die deutsche Organspende-Praxis. „Deutschland hat die strengsten Regeln, so dass Organe ausschließlich nach medizinischen Kriterien vergeben werden dürfen“, sagte Bahr der „Bild“-Zeitung. Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hatte schon vergangene Woche geäußert, dass es eine Wende zum Besseren gebe. Die neuen Kontrollmechanismen griffen. Mit Beginn der Kontrollen hätten die Manipulationen schlagartig aufgehört.

Der Medizinische Vorstand der DSO, Günter Kirste, forderte hingegen eindeutige Konsequenzen. Mit großer Sorge sehe er, dass das Vertrauen in die postmortale Organspende massiv erschüttert sei und die nachlassende Spendebereitschaft das eigentliche Grundproblem, den Organmangel, weiter verschärfe. In Deutschland warten rund 12000 Menschen dringend auf ein Spenderorgan. Wie die neuen Zahlen der DSO für 2012 zeigen, ist die Zahl der Organspender in sechs von sieben DSO-Regionen zurückgegangen.

Gegen den Trend stieg sie nur in der Großregion Baden-Württemberg: von 10,7 auf elf Organspender pro eine Million Einwohner. Allerdings war das Bundesland auch seit einigen Jahren Schlusslicht unter den Regionen. Nach den Daten der DSO sank die Zahl der Organspender 2012 im Vergleich zum Vorjahr in der Region Nord (Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein) von 14,6 auf 12,7 je eine Million Einwohner, in der Region Nord-Ost (Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern) von 16,9 auf 14,8, in der Region Ost (Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen) von 19,1 auf 13,8, in Bayern von 15 auf 12,3, in der Region Mitte (Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland) von 14,9 auf 12,7 und in der Region Nordrhein-Westfalen von 13,6 auf 13.

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08.01.2013, 08:32 Uhr

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