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Nach der Stippvisite Der Revisor: Vernor Muñoz Villalobos

22.02.2006 ·  Zehn Tage lang hat Vernor Muñoz untersucht, wie es hierzulande um das Menschenrecht auf Bildung bestellt ist. Wie denn nun? Nicht uns, sondern die UN-Kommission wolle er aufklären, sagte der Professor aus Costa Rica zum Abschied.

Von Regina Mönch
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Ein Revisor will der zurückhaltende Professor aus Costa Rica nicht sein, erst recht kein Schulinspektor. Das gibt er am Dienstag in Berlin nach anderthalb Stunden unbewegt den Journalisten zu verstehen, die von ihm letztgültige Ratschläge zur Linderung diffuser Ungleichheiten erwarten. Er hatte zuvor durchaus den Eindruck erweckt, sich sehr genau mit dem Schulsystem befaßt zu haben, dessen Menschenrechtsverträglichkeit zu überprüfen sein Auftrag war. Es war zuvor gerätselt worden, was die UN-Menschenrechtskommission veranlaßt haben könnte, ihn nach Deutschland zu schicken.

Herr Muñoz hielt sich auch diesbezüglich bedeckt, das Recht auf Bildung sei ein fundamentales Menschenrecht, und der Bericht, den er demnächst abzuliefern habe, müsse halt auch ein gewisses geographisches Gleichgewicht widerspiegeln, gab er freundlich zu bedenken.

Menschenrechtlich gesehen

Dies blieb nicht die einzige verrätselte Mitteilung. Die Übersetzung machte alles nicht besser, eher noch nebulöser, und Nachfragen wurden rasch gebremst, wenn sie nach Meinung der Moderatorin in eine „Fachdiskussion“ zu münden drohten. Es wurde keine, und über die Verquickung von Menschenrechten und deutschem Schulalltag darf weiter spekuliert werden. Herr Muñoz schien sich nicht gern in die Rolle zu fügen, die ihm das öffentliche Interesse an seinem Besuch hierzulande auferlegt hat. Nicht uns, so die Botschaft, wolle er aufklären, sondern seine Kommission.

Soll diese nun erfahren, daß es hierzulande „Muttersprachenverbote“ auf Pausenhöfen gibt? Es sieht so aus, wobei der Revisor mildernde Umstände zubilligt, da sich die Schüler im erregt diskutierten Fall für die deutsche Sprache freiwillig entschieden hatten. Menschenrechtlich gesehen, würden Kinder in Deutschland aber zu früh auseinanderdividiert. Herr Muñoz überraschte mit der Schlußfolgerung, daß Sprache nicht die einzige Voraussetzung für Bildung sei. Das wurmte den Berliner Schulsenator Böger zu seiner Rechten dann doch, und er bestand tapfer darauf, daß Bildung, welcher Art auch immer, nur über Sprache zu vermitteln sei. Nein, sagt der Revisor, noch sei nichts bewiesen. Was aber genau zu beweisen wäre, auch das blieb im dunkeln, aus dem nur Muñoz' Mahnung herausleuchtete, die kulturelle Identität der anderen, wahrscheinlich der Kinder aus Migrantenfamilien, müsse gewahrt werden.

Empfehlungen perlten in den Saal

Er versprach einen Bericht, genau und ausführlich werde der ausgearbeitet, so etwas schüttelt man nicht aus der Hand. Und so perlten in den Saal der Bundespressekonferenz Empfehlungen wie die, den Kinderrechten doch mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Auch sei ihm aufgefallen, daß deutsche Lehrer zwar ein großes Fachwissen haben, doch ihr pädagogisches Geschick zu wünschen übriglasse, vielleicht eine Frage der Lehrerausbildung.

Wer weiß, an fehlenden Pädagogiklehrstühlen kann es allerdings nicht liegen, denn davon hat das Land mehr als genug. Wer immer Herrn Muñoz in diesen zehn Tagen durch deutsche Schulen begleitet haben mag, er behielt auch dieses Geheimnis für sich. Eben doch ein Revisor.

Quelle: F.A.Z., 22.02.2006, Nr. 45 / Seite 46
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Jahrgang 1953, Feuilletonkorrespondentin in Berlin.

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