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Nach der Flutkatastrophe Sorgt die Flutwelle für Frieden?

14.01.2005 ·  Der indonesische Vizepräsident Kalla hat den Rebellen in Aceh eine umfassende Friedenslösung angeboten. Unterdessen ist die Zahl der im südasiatischen Katastrophengebiet vermißten Deutschen auf 639 gesunken.

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Die Zahl der in den zerstörten Küstenregionen am Indischen Ozean vermißten Deutschen ist nach Angaben des Auswärtigen Amtes neuerlich auf jetzt noch 639 Personen gesunken.

Ein Sprecher sagte am Freitag, manche als vermißt gemeldete Rückkehrer meldeten ihre Ankunft erst verspätet der Polizei, auch gebe es Fälle, in denen jetzt noch Personen in den Katastrophengebieten entdeckt würden. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen Unicef teilte am Freitag mit, es seien von den Folgen der Flutkatastrophe mehr als 1,5 Millionen Kinder betroffen. In Indonesien lebten in Notaufnahmelagern etwa 1000 Kinder, die Vater und Mutter verloren hätten, weitere 3200 hätten bei der Flut einen Elternteil verloren.

Rebellen in Aceh wird Friedenslösung angeboten

Der indonesische Vizepräsident Kalla hat unterdessen am Freitag den Rebellen in der von der Flutkatastrophe besonders betroffenen Provinz Aceh eine umfassende Friedenslösung angeboten. Ein Waffenstillstand sei nicht ausreichend.

Waffenruhe bedeute nur, daß man vorhabe, den Kampf bei nächster Gelegenheit fortzusetzen. Das habe Indonesien nicht vor. „Es liegt jetzt an ihnen“, sagte Kalla. Damit reagierte er auf eine Erklärung der Rebellenbewegung Gam vom Vortag. Daran hatten die Aufständischen die Armee aufgefordert, sich dem von ihnen am Tag der Katastrophe erklärten Waffenstillstand anzuschließen. Rebellenführer Malik Mahmud hatte ebenfalls davon gesprochen, die Gelegenheit für eine umfassende politische Lösung sei jetzt günstig. Somit hat die Flutwelle zumindest verbal eine Friedensdynamik in Gang gesetzt, von der zuvor in Aceh nicht im entferntesten die Rede gewesen war.

Hilfskonvois nur mit militärischer Bewachung

Trotz des Friedensangebotes der Regierung bekräftigte Vizepräsident Kalla, Hilfskonvois dürften sich in Aceh nur mit militärischer Bewachung bewegen. Begründet wird das mit der Gefahr von Überfällen durch Rebellen. In den vergangenen Tagen hatte es Berichte über eine Zersplitterung der Rebellenbewegung gegeben. Als Ursache war ebenfalls die Flut genannt worden. Dadurch könnten Organisationsstrukturen der Gam zerstört worden sein. Ein zentrales Kommando existiere womöglich nicht mehr.

Der Aufenthalt ausländischer Soldaten in Aceh soll nach dem Willen der indonesischen Regierung nach drei Monaten enden. Diese Haltung bleibe unverändert, sagte Kalla. Zivile Helfer dürften hingegen länger bleiben. Neben australischen und amerikanischen Soldaten sind auch Angehörige der Bundeswehr in der Provinz aktiv. Am Freitag trafen auch erste französische Militärangehörige ein.

Bombendrohung in Jakarta

In Jakarta blieben am Freitag die Botschaften Großbritanniens und Thailands aus Sicherheitsgründen geschlossen. Nach einer Meldung der offiziellen indonesischen Nachrichtenagentur Antara hatten die Behörden per SMS eine Warnung erhalten, die Bombenanschläge auf die diplomatischen Vertretungen ankündigte. Die Polizei habe die Suche nach dem Absender der Mitteilung aufgenommen, hieß es in Jakarta.

Quelle: pes./Lt. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14 Januar 2005, S. 1
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