04.11.2004 · In seiner ersten Rede nach dem Wahlsieg zeigt sich Präsident George W. Bush bemüht, die Spaltung des Landes zu überwinden. Er wolle sich die Unterstützung der Wähler seines Herausforderers erarbeiten. Zuvor hatte John Kerry die Niederlage öffentlich eingestanden.
In seiner ersten Rede nach dem Wahlsieg zeigte sich Präsident George W. Bush versöhnlich und bemüht, die Spaltung des Landes zu überwinden. An die Wähler seines Herausforderers John Kerry gewandt, sagte Bush: „Ich brauche Ihre Unterstützung, und ich werde arbeiten, um sie zu gewinnen“. Eine neue Amtszeit sei eine neue Gelegenheit, die ganze Nation einzubeziehen. „Wir haben ein Land, eine Verfassung und eine Zukunft, die uns verpflichtet. Und wenn wir zusammenarbeiten, gibt es für die Größe Amerikas keine Grenzen.“
Bush sagte vor Anhängern in Washington, er sei „demütig“ angesichts des Vertrauens und der Treue, die seine Mitbürger ihm in der Wahl entgegengebracht hätten. „Amerika hat gesprochen“, sagte Bush, und es habe ihm einen „historischen Sieg“ beschert. Auch Vizepräsident Dick Cheney hatte den Wahlsieg zuvor als historisch bezeichnet und gesagt, Präsident Bush habe zusammengenommen mehr Stimmen erhalten als jeder andere Präsident in der amerikanischen Geschichte.
„Mit Stärke und Vertrauen voran“
Bush sagte, in seiner zweiten Amtszeit werde Amerika „mit Stärke und Vertrauen“ weitergehen. Man werde Afghanistan und den Irak demokratisieren und den „Krieg gegen den Terror mit jeder Ressource des Landes führen“. Europa und die transatlantischen Beziehungen erwähnte Bush nicht.
In der Innenpolitik will Bush das Steuerrecht vereinfachen, die Sozialversicherung und das öffentliche Schulsystem verbessern. Der Präsident will die begonnene Reform der Geheimdienste fortführen und sich dafür einsetzen, gleichgeschlechtliche Ehen durch eine Verfassungsänderung zu verbieten.
Kerry: „Wir können diese Wahl nicht gewinnen“
Der demokratische Herausforderer Präsident Bushs, John Kerry, hatte zuvor seine Niederlage bei der Präsidentenwahl öffentlich eingestanden. „Wir können diese Wahl nicht gewinnen“, sagte Kerry am Mittwoch nachmittag vor Anhängern in Boston, Massachusetts. Die Wahl solle von den Wählern entschieden werden, nicht durch Klagen und Prozesse.
Zugleich appellierte Kerry an den Wahlsieger Bush, die Spaltung des Landes zu überwinden. Er, Kerry, habe seinen Teil dazu beigetragen. „Wir müssen nun alle zusammenstehen, in Irak erfolgreich sein und den Krieg gegen den Terror gewinnen“, sagte Kerry.
Mit den Tränen gerungen
Kerry bedankte sich bei seinen Unterstützern im Wahlkampf. „Verliert nicht den Mut“, sagte er. „Die Wahl wird kommen, wenn Eure Arbeit und Eure Stimmen die Welt verändern werden“. Kerry rang sichtbar mit den Tränen, als er seinen Anhängern „aus der Tiefe meines Herzens“ dankte. „In einer amerikanischen Wahl gibt es keine Verlierer“, sagte Kerry weiter. „Wenn wir morgen aufwachen, sind wir alle Amerikaner.“
Vor seinem öffentlichen Auftritt hatte Kerry dem amtierenden Präsidenten Bush telefonisch zu dessen Wahlsieg gratuliert und mit ihm über die Spaltung des Landes gesprochen, die ihm Sorge bereite. „Wir hatten ein gutes Gespräch“, sagte Kerry. „Ich hoffe, daß wir heute mit der Heilung beginnen können“.
Auch Bush bezeichnete das Telefongespräch mit Kerry als gut. „Er war sehr gütig“, sagte Bush über Kerry. „Er und seine Unterstützer können stolz auf ihre Anstrengungen sein.“
Kerry chancenlos in Ohio
Explizit hatte Kerry seine Niederlage im Bundesstaat Ohio eingestanden. Dort hatten sich die Demokraten bis zum Ende Hoffnungen gemacht, durch sogenannte provisorische Stimmzettel das Ergebnis zu ihren Gunsten wenden zu können. Nun sagte Kerry: „Es gibt nicht genug ausstehende Stimmen, mit denen wir gewinnen könnten.“
Mit der Anerkennung der Niederlage in Ohio gehen alle 20 Wahlmännerstimmen des Staates an Bush, der somit insgesamt 274 Wahlmännerstimmen auf sich vereinigen kann. 270 Stimmen sind erforderlich, um im Dezember vom Wahlmännergremium (electoral college) offiziell als Präsident wiedergewählt zu werden. Somit steht einer zweiten Amtszeit Bushs nichts mehr im Wege. Amerika: Bush bleibt Präsident