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Nach dem Geiseldrama „Wilde Katze und scheues Reh“

 ·  Noch krasser hätte Susanne Osthoff ihre Zugehörigkeit nicht zur Schau stellen können, als mit der totalen Verschleierung für ein Interview mit einem deutschen Fernsehsender. Das Gespräch warf weitere Fragen über den Hergang ihrer Verschleppung auf.

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Noch krasser hätte Susanne Osthoff ihre Zugehörigkeit nicht zur Schau stellen können, als mit der totalen Verschleierung für ein Interview mit einem deutschen Fernsehsender. Damit wies sie endgültig Erwartungen zurück, sie werde zu ihrer Familie nach Oberbayern oder überhaupt nach Deutschland zurückkehren.

Schon lange vor ihrer Entführung hatte sie von dem gestörten Verhältnis gesprochen, das sie zu Deutschland habe, daß sie dort nicht verstanden werde und auch keiner sich Mühe gebe, sie zu verstehen. Und trotzdem nutzte sie deutsche Quellen, um ihre Projekte im Irak verwirklichen zu können, gab sich bewußt als Deutsche zu erkennen, um den Vorteil nutzen zu können, aus einem land zu kommen, das nicht in den Krieg verwickelt ist. Für den arabischen Sender Al Dschazira dagegen kleidete sie sich, abgesehen von dem einige Haarsträhnen frei gebenden Schal, westlich.

„Details sind uninteressant“

Die dreiwöchige Geiselhaft scheint diese Kluft noch verstärkt zu haben. „Wilde Katze und scheues Reh in fliegendem Wechsel“ - so beschreiben Bekannte die seelische Verfassung Susanne Osthoffs. Trauma-Experten und Psychologen haben dafür andere Worte: Dramatische Situationen der unmittelbaren Vergangenheit vermischten sich mit Erlebnissen, die lange zurückliegen.

Noch immer ist unklar, wer Susanne Osthoff entführt hat, warum sie entführt wurde, unter welchen Umständen sie verschleppt wurde und ob den Entführern Zusagen, in welcher Form auch immer, gemacht wurden, die zu ihrer Freilassung führten. Das Gespräch, das das ZDF vor Tagen mit der verschleierten Frau Osthoff in Qatar führte und im Internet in vollem Wortlaut veröffentlichte, gibt kaum Aufschluß über den Hergang der Verschleppung. „Diese Details sind uninteressant“, sagt Frau Osthoff. Mehrere Details sind allerdings dennoch sehr interessant.

„Komische Terror-Experten“

Zwei Mal weist Frau Osthoff darauf hin, daß sie von Anhängern des Terrorführers Abu Mussab al Zarqawi entführt worden sei. „Ich wurde ganz korrekt informiert, um wen es sich handelt.“ Sie widerspricht damit Darstellungen aus Bagdad und Berlin, es habe sich bei den Entführern nicht um politisch motivierte, sondern um Kriminelle gehandelt, die wohl Verbindungen zu sunnitischen Aufständischen haben, denen es aber um die Zahlung von Lösegeld gegangen sei. Das war unter anderem aus dem Video, das wenige Tage nach der Entführung veröffentlicht wurde, geschlossen worden, weil es nicht die für islamistische Terroristen typische Symbolik enthielt. Das bezeichnet Frau Osthoff als die Ansicht von „komischen Terror-Experten“.

Im Irak hätten sich „innerhalb kürzester Zeit vielleicht dreißig oder vierzig neue Gruppierungen“ um Zarqawi gebildet. „Denen ist es egal, ob der Videoclip gerade sauber ist oder nicht.“ Ihr sei „von Anfang an klargemacht worden“, in wessen Hand sie sich befinde, „und da werde ich nicht mehr so blöd sein, dann zu überlegen, haben die mich vielleicht jetzt angelogen oder wollen die jetzt bloß mit mir irgendwie Tee trinken“.

Immer wieder geht es um Geld

Auf Berichte, sie sei in der Hand von Angehörigen des sunnitischen Duleimi-Stammes gewesen, zu dem sie schon vor der Entführung Kontakte pflegte, geht sie nicht ein. Sie spricht nur davon, daß es sich bei der Entführung um einen „Verkauf“ gehandelt habe, daß sie von ihren Entführern „schon länger beobachtet“ und daß sie offenbar für einen „jüdischen Geheimdienstoffizier“ gehalten worden sei.

Von Beginn an geht es in dem Gespräch um etwas anderes, um Geld - Geld, über deren Quittierung sie sich mit Botschaftsmitarbeitern offenbar heftig gestritten hatte; Geld, mit dem sie vierzig Familien ernähren wollte, die bei den Arbeiten zur Renovierung einer Karawanserei in Mossul halfen; Geld, das ihr aus Deutschland für ein Kulturzentrum in Arbil zugesagt worden sein soll; schließlich Geld, das ihr für die Miete einer Wohnung in Glonn, ihrer deutschen Heimatstadt, fehlte.

Kontakt mit BND-Mitarbeiter

Frau Osthoff bestreitet in dem Gespräch zunächst, daß sie am Tag der Entführung, am 25. November, in Bagdad noch Geld zur Bank gebracht habe, das für ein Projekt in Mossul von Deutschland zur Verfügung gestellt worden war (insgesamt ein Zuschuß von etwa 40 000 Euro). „Nicht daß irgendwelche Journalisten wieder auf Ideen kommen, ich hätte da Geld transferiert.“ Sie bestätigt aber ein anderes Detail: Vor ihrer Abfahrt aus Bagdad nach Arbil, wo sich Frau Osthoff um eine Wohnung und um die Karawanserei im nahegelegenen Mossul kümmern wollte, gab sie einem Mitarbeiter des BND - sie spricht von einem „Mitarbeiter der Botschaft“ - einen Zettel (mit dem Namen ihres Fahrers und der Autonummer).

Mehrere Male geht Frau Osthoff außerdem auf Geld ein, das sie für den Aufbau eines Kulturzentrums in Arbil erbeten hatte, aber - so die Darstellung des Auswärtigen Amts - von der deutschen Botschaft in Bagdad nicht erhielt. Sie wehrt sich gegen den Vorwurf, sich bereichert zu haben, ein Vorwurf allerdings, der bislang öffentlich von niemandem erhoben wurde. Mehrmals beklagt sie sich über den „Geiz“ Deutschlands, über die „Blamage“, die es für Deutschland bedeute, daß ihr nicht großzügiger geholfen worden sei.

Offene Fragen

Was sie eigentlich genau gemacht habe im Irak, könnten ein „paar Leute“ beantworten, von denen Frau Osthoff dann sagt: „Sie haben, ohne mich zu fragen, mich da irgendwie plötzlich wieder benutzt und sonst, ich sage nichts mehr dazu, ich wäre schon öfter wegen den Deutschen gestorben, weil die mich sitzen ließen im Krieg. Erst mich vorschicken, ich habe alles abgeliefert und später, warum hat mich denn mein Vermieter rausgeschmissen, weil meine Miete wurde nicht weiter bezahlt, während ich als einziger Durchführender nicht mal mehr rausgeholt wurde.“ Wer sind diese „paar Leute“, warum wurde Frau Osthoff „benutzt“ und „vorgeschickt“, was hat sie „abgeliefert“, warum wurde sie während des Irakkrieg „sitzengelassen“?

„Komplette Lüge“

Wird Frau Osthoff in den Irak zurückkehren? Im dem Interview mit dem Zweiten Deutschen Fernsehen bestritt sie das. Als „komplette Lüge“ und „privaten Pipifax“ bezeichnet es Frau Osthoff, daß sie in den Irak zurückkehren wolle: „Ich habe davon noch nie etwas behauptet“.

Entsprechende Meldungen waren nach einem Interview Frau Osthoffs mit dem arabischen Sender Al Dschazira verbreitet worden. Dort hatte sie Verständnis für die Frage geäußert, ohne eine eindeutige Antwort zu geben. Am Ende des deutschen Interviews bedankt sich Susanne Osthoff für den Appell Gerhard Schröders an ihre Entführer, will aber den Einsatz ihrer Schwester für ihre Freilassung „mal beiseite lassen“.

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