10.04.2007 · Die führenden islamischen Verbände in Deutschland haben einen gemeinsamen Dachverband gegründet. Der „Koordinierungsrat der Muslime“ soll die Interessen aller in Deutschland lebenden Muslime vertreten und alleiniger Ansprechpartner für die Politik sein.
Von Christoph EhrhardtDie führenden islamischen Verbände in Deutschland haben die Gründung eines gemeinsamen Dachverbandes bekanntgegeben. Nach den Worten des Dialogbeauftragten der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), Bekir Alboga, haben sich die Ditib, die mit dem türkischen Amt für Religion zusammenhängt, der Zentralrat der Muslime in Deutschland, der Islamrat für die Bundesrepublik Deutschland und der Verband der islamischen Kulturzentren zum „Koordinierungsrat der Muslime“ (KRM) zusammengeschlossen. Dieser Dachverband soll nach den Worten Albogas die Interessen aller Muslime in Deutschland vertreten und alleiniger Ansprechpartner für die Politik sein.
Die Verbände nahmen eine gemeinsam ausgerichtete Feier mit Tausenden Teilnehmern zum Geburtstag des Propheten Mohammed in der Köln-Arena zum Anlass, die Gründung zu verkünden. Die Einigung sei aber schon Ende März zustande gekommen, hieß es. „Bundeskanzlerin Merkel und Innenminister Schäuble haben die historische Gelegenheit, die Integrationspolitik für die kommenden Jahre mit den Muslimen abzustimmen und zu verbindlichen Vereinbarungen zu kommen“, sagte Alboga der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Über Strukturen werde noch gesprochen. Bislang sei lediglich eine Geschäftsordnung unterzeichnet worden.
Was ist mit Milli Görus?
Nach den Worten Albogas sollen Kontaktbüros auf Länderebene eingerichtet werden. Der Vorsitz soll alle sechs Monate wechseln. Den Anfang macht der Zentralrat der Muslime, nach einem halben Jahr soll die Ditib übernehmen. Einzelne Moscheegemeinden oder Zusammenschlüsse von Moscheegemeinden haben demnach die Möglichkeit, dem KRM beizutreten. „Die Tür steht für alle Muslime offen“, bekräftigte Alboga. Die Verbände hoffen, mit dem neuen Dachverband wirkungsvoller integrationspolitische Entscheidungen wie etwa zum islamischen Religionsunterricht beeinflussen zu können.
Bundesinnenminister Schäuble (CDU) hatte sich vor der von ihm im September 2006 gegründeten Islam-Konferenz für eine übergreifende Struktur der muslimischen Verbände ausgesprochen. Der Staat brauche einen Ansprech- und Verhandlungspartner, um Fragen wie etwa den islamischen Religionsunterricht entscheiden zu können.
Die Organisation Milli Görüs, die über lange Zeit vom Verfassungsschutz beobachtet worden ist und für viele Muslime in Deutschland spricht, ist nicht Gründungsmitglied des KRM. Auf die Frage, ob der Koordinierungsrat auch mit Milli Görüs zusammenarbeite, sagte Alboga: „Wir arbeiten mit dem Islamrat zusammen.“ Milli Görus ist Mitglied des Islamrats.
Soll das gut sein?
Sven Ganzenmüller (GanzMue)
- 11.04.2007, 00:22 Uhr
Na super
Christof Schaffelder (Schaffelder)
- 11.04.2007, 02:11 Uhr