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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Museum Die DDR zum Anfassen

 ·  So macht Diktatur Spaß: Im DDR-Museum in Berlin erwarten den Besucher statt geschichtlicher Informationen allerhand hinterweltlerisch anmutende Bedarfsartikel, die auch noch angefaßt werden dürfen.

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Eine Ausstellung direkt an der Bootsanlegestelle gegenüber vom Berliner Dom füllt seit Samstag eine in den vergangenen Jahren immer schmerzlicher empfundene Marktlücke in der ehemals geteilten Stadt Berlin. Touristen wollen in Berlin die Mauer sehen, die Teilung erleben, den Hauch des Kalten Kriegs spüren. Da aber die meisten Berliner 1989 heilfroh waren, daß der Spuk endlich vorüber war und weil ihnen seither viele andere Dinge dringlicher vorkamen, vernachlässigten sie die Präsentation dieses Teils der Geschichte der Stadt.

Während noch Berlin und der Bund über ein bündiges Konzept für das Mauergedenken verhandeln, errichtete ein findiger Unternehmer aus Freiburg ein „DDR-Museum“. Besucher, die sich nicht für Geschichte interessieren, können sich dort über die hinterweltlerisch anmutenden Bedarfsartikel („Tempobohnen“) der DDR lustig machen, über deren unschicke Verpackungen und die plumpe Reklame „Besuchen Sie die UdSSR“ herzlich lachen, und sich im spießigen Wohnzimmer niederlassen, in dem jedoch die Stasi mithören kann. Ein Leben jenseits der Stasi habe es in der DDR gegeben, sagte der Schriftsteller Lutz Rathenow, ein Leben ohne Stasi jedoch nicht.

Schwunghafter Relikte-Handel

In der Abteilung Sport - „Jedermann an jedem Ort mehrmals in der Woche Sport“ - hat das Thema Doping eine Schublade, in der eine „echte“ Schachtel Oral-Turinabol 5 mg liegt. In der Abteilung Bildung, die nach Wochentagen gegliedert ist, findet man unter Freitag die Universität; in dieser Schublade stecken „echte“ Bücher. „Zum Anfassen“ heißt das Museumskonzept. Den Schrank darf man öffnen, die FDJ-Bluse befingern.

Wer Objekte für das Haus spendete, erhielt eine lebenslang gültige Eintrittskarte. Das schien offenbar vielen wie ein gutes Angebot. Dabei ist der Handel mit DDR-Relikten offenbar leb- und schwunghafter, als man bei einem ausgestorbenen Staat vermuten könnte. Kuriositätenkabinette und ernsthafte Anstrengungen, die DDR begreifbar zu machen, werden an erstaunlich vielen Orten aufgebaut. Die Berliner Schau konzentriert sich der Einfachheit halber auf die siebziger und achtziger Jahre.

Niemand wird überfordert

„Guck mal, das ist ja scharf!“ riefen sich die ersten Besucher der großen bunten Ostzonenschau zu: So macht Diktatur Spaß. Wenn sie vorbei ist, können die, die sie überlebt haben, herzlich lachen; die, die sie gar nicht erlebt haben, fühlen sich in ihrer Verachtung bestärkt. Ein Guckkasten zur Maueranlage wirkt in einer solchen Ausstellung wie Spielverderberei. Weil daneben ein „echter“ Trabi steht, in den man sich sogar hineinsetzen darf, braucht sich niemand überfordert oder auch nur gefordert zu fühlen.

Die Öffnungszeiten sind liberal (täglich zehn bis zwanzig Uhr), die Eintrittspreise moderat (fünf Euro); diese Geschäftsidee wird wohl rasch Früchte tragen. Diejenigen, die kürzlich eine Kommission lauthals bezichtigten, die SED-Diktatur zu verharmlosen, weil sie eine Ausstellung über den Alltag in einer „durchherrschten Gesellschaft“ vorgeschlagen hatte, machten sich kurioserweise zu Reklameschreiern dieses „Museums“, ohne es auch nur gesehen zu haben.

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