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Münster Alte Heimat Hindenburg

In Münster entscheiden die Bürger darüber, ob der größte Platz der Stadt wieder nach jenem Mann heißen soll, der einst Hitler zum Reichskanzler ernannte.

© AP Vergrößern Paul von Hindenburg und Adolf Hitler bei einem Autokorso zum „Tag der Arbeit“ am 1. Mai 1933.

Man sieht Christoph Sluka nicht an, dass er bis spät in die Nacht Plakate geklebt hat. Sein Seitenscheitel ist tadellos. Sein Hemd frisch gebügelt. Auch frühmorgens muss der 26 Jahre alte Jurastudent und stellvertretende Vorsitzende der Jungen Union Münster in diesen Tagen hellwach sein. Denn es ist Wahlkampf. Der junge Herr Sluka führt die Kampagne für einen ziemlich alten Herrn an: Paul von Hindenburg. Am kommenden Sonntag sollen die Münsteraner darüber befinden, ob der Schlossplatz wieder Hindenburgplatz heißen soll. Dafür kämpft Sluka zusammen mit seinen Freunden von der Initiative „Pro Hindenburgplatz“ seit Wochen. Sie finden, dass Hindenburg ganz viel mit Heimat zu tun hat. Jedenfalls steht das auf einem der Plakate, die Sluka mitgebracht hat: „Hindenburgplatz. Ein vertrautes Stück Münster. Hier sind wir zuhause“.

Sluka nimmt einen Schluck aus seiner Kaffeetasse, bevor er zu erklären versucht, worum es ihm und seinen Freunden geht. Man dürfe Hindenburgs Lebensleistung nicht nur an seinen allerletzten Jahren bemessen, sagt er. Hindenburg sei 1925 das erste vom Volk gewählte deutsche Staatsoberhaupt gewesen, habe lange als letztes Bollwerk gegen Hitler gegolten. Historische Personen könnten nicht ausschließlich nach heutigen Vorstellungen von Demokratie beurteilt werden. Vor allem aber sei die Sache sowieso nur ein Testballon.

Es „denen da oben“ mal zeigen

Sluka glaubt, dass die linke Seite längst plant, viele weitere Straßen umzubenennen, deren Namen an Militärs und die ehemaligen Ostgebiete erinnern. „Diesen Testballon müssen wir zum Platzen bringen, schon allein deshalb, weil der Bürgerwille nicht zur Geltung gekommen ist“, sagt er. Tatsächlich hat sich in der Vergangenheit auch bei Umfragen der Stadt stets die Mehrheit der Bürger gegen eine Umbenennung ausgesprochen. 1998 waren es sogar 75 Prozent. Deshalb wähnt sich Sluka nun nicht nur in einem großen Straßenkampf zwischen links und rechts. Er und seine Mitstreiter sehen die Sache auch als Chance, es „denen da oben“ mal zu zeigen.

“Die da oben“, die Stadträte, haben die riesige, ziemlich staubige Fläche vor dem fürstbischöflichen Schloss, die seit 1927 Hindenburgplatz hieß, am 21. März mit der überwältigenden Mehrheit von 53 zu 23 Stimmen in „Schlossplatz“ umbenannt. Eine jahrzehntelange Debatte schien damit zu Ende gegangen zu sein. Schon 1946 hatte das nordrhein-westfälische Innenministerium angeordnet, den Namen des „bekannten Militaristen“ aus dem Straßenbild zu entfernen. „Eine Umsetzung dieser Vorgabe erfolgte in Münster aus nicht nachvollziehbaren Gründen nicht“, heißt es in einem Ratsdokument. 1958, 1974 und 1987 scheiterten Initiativen; 1998 stimmten auch SPD und Grüne der damaligen sozialdemokratischen Oberbürgermeisterin zu, es bei dem alten Namen zu belassen. 2005 und 2007 gab es erfolglose Bürgeranträge, 2008 startete die SPD im Rat einen neuen Versuch.

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