Home
http://www.faz.net/-gpf-13t6b
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Münchner S-Bahn-Mord Es tötet

In München wurde ein Mann von Schlägern getötet - doch weder Kanzlerin Merkel noch Herausforderer Steinmeier äußerten sich im Fernsehduell dazu. Warum nicht? Was nützt es, wenn die Polizeipräsenz erhöht wird, sobald ein obskures islamistisches Drohvideo die Runde macht, die Freiräume der Bürger in unseren Städten aber schrumpfen?

Man musste sich vergangenen Sonntag nicht anstrengen, um dem Fernsehduell zwischen Kanzlerin und Vizekanzler nichts abzugewinnen. Man musste sich aber auch nicht anstrengen, um besagtes Duell als skandalös zu empfinden. Am Tag vor dem Duell war nämlich Dominik Brunner von zwei jugendlichen Gewalttätern mit 22 Tritten und Schlägen am helllichten Tag getötet worden, weil er sich schützend vor Kinder gestellt hatte, die von seinen späteren Mördern um 15 Euro abgezockt werden sollten.

Richard Wagner Folgen:  

Den beiden Bewerbern um die Kanzlerschaft hätte es ein Bedürfnis sein sollen, noch bevor die eitlen Frager ihre üblichen Fragen abzuspulen begannen, dazu Stellung zu nehmen. Denn es war nicht bloß ein gewöhnliches Gewaltverbrechen. Dominik Brunner hat nicht nur die Kinder gegen ihre Peiniger in Schutz genommen, was für sich genommen schon aller Ehren wert ist; er hat auch den öffentlichen Raum, also den Ort unserer bürgerlichen Freiheit, gegen die gnadenlosen Machtansprüche der Gewalttäter verteidigt.

Mehr zum Thema

Warum sich weder Angela Merkel noch Frank-Walter Steinmeier dazu geäußert haben, die doch beide nach der Wahl die Eidesformel des Bundeskanzlers sprechen wollen, mit der sie geloben, Schaden vom deutschen Volk zu wenden, bleibt ihr Geheimnis. Was nützt es, wenn unsere Sicherheit am Hindukusch verteidigt und die Polizeipräsenz im Land erhöht wird, sobald ein obskures islamistisches Drohvideo die Runde macht, die Freiräume der Bürger in unseren Städten aber schrumpfen?

Generelle Zunahme der Gewaltbereitschaft

Kürzlich hat man sich an neuen Zahlen erfreuen dürfen, die einen Rückgang der Kriminalität im Lande zeigten. Das Bild ist komplexer. Während die Rate insgesamt sinkt, so ist doch eine generelle Zunahme der Gewaltbereitschaft zu beobachten. Die betrifft vor allem Übergriffe auf der Straße. Fast 73.000 Fälle gefährlicher und schwerer Körperverletzung wurden im vergangenen Jahr registriert, ein Zuwachs von annähernd zehn Prozent. Zugenommen haben auch die Angriffe gegen Polizeibeamte. Dass in Berlin seit langem schon regelmäßig Autos in Flammen aufgehen und ein radikaler Mob regelmäßig am 1. Mai Teile der Stadt in Schutt und Asche legt und es längst Stadtviertel gibt, in die sich die Polizei nicht mehr hineintraut – dies alles zusammengenommen sollte ausreichen für eine Offensive zur Rückeroberung des öffentlichen Raumes. Und niemand sollte sich mehr irremachen lassen von den überspannten Mahnern, die in ihrer Staatsunfreundlichkeit stets den Überwachungsstaat wittern.

Dominik Brunner hat Zivilicourage gezeigt, die mehr war als die Kerzenanzünderei der Allzuanständigen, die gefahrlos gegen einen rechtsradikalen Popanz auf die Straße gehen, während unsere Gesellschaft von kriminellen Gegenmächten ausgehöhlt wird. Dominik Brunner hat wie der 2007 in der Münchener U-Bahn zusammengeschlagene Rentner darauf bestanden, dass gesellschaftliche Übereinkünfte sowie ein friedlicher und respektvoller Umgang im öffentlichen Raum unteilbar sind. Eine Gesellschaft, in der einen das das Leben kosten kann, muss sich ändern.

Quelle: F.A.S.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.09.2009, 17:45 Uhr

Gabriels Stunde

Von Klaus-Dieter Frankenberger

Der Wirtschaftsminister kämpft im Bundestag mit Leidenschaft für ein Freihandelsabkommen. Gut so. Die Weltwirtschaft ist kein deutsches Wunschkonzert. Ein Kommentar. Mehr 11

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden