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Moskau 16 Tote bei Terroranschlag auf Rockfestival

05.07.2003 ·  Bei einem Terroranschlag auf ein Rockfestival in Moskau sind am Samstag nach vorläufigen Angaben 16 Menschen getötet und 46 weitere zum Teil schwer verletzt worden.

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Bei einem Terroranschlag auf ein Rockfestival in Moskau haben zwei Selbstmord-Attentäterinnen am Samstag nach vorläufigen Angaben 16 Menschen getötet und 46 weitere zum Teil schwer verletzt worden. Nach Angaben von Innenminister Boris Grislow kamen bei den Anschlägen 14 Konzertbesucher sowie die beiden Terroristinnen ums Leben. Unter den Toten sei auch ein Jugendlicher, der im Krankenhaus starb. Ärzte und Polizei hatten zunächst von 20 Toten gesprochen.

Grislow sagte, der Verdacht richte sich auf tschetschenische Rebellen. Die Tat stehe möglicherweise in Zusammenhang mit der Ankündigung des Kremls vom Freitag, wonach am 5. Oktober in Tschetschenien ein Präsident gewählt wird. Ein Sprecher des tschetschenischen Präsidenten Aslan Maschadow wies eine Beteiligung der tschetschenischen Führung an der Tat zurück.

Tschetschenischen Paß gefunden

Sicherheitskräfte hatten zwei verdächtig wirkende Frauen am Eingang zu dem Festival angehalten. Daraufhin hätten die beiden ihre Sprengstoffgürtel gezündet. Nach Polizeiangaben wollten sich die Täterinnen ursprünglich im Publikum in die Luft sprengen. Die Polizei fand nach eigenen Angaben am Tatort einen Paß, der eine der Täterinnen als 20-jährige Tschetschenin auswies.

Über den Ort der anderen beiden Explosionen zehn beziehungsweise weitere 20 Minuten später gab es unterschiedliche Berichte. Eine weitere Explosion habe sich an einem nahe gelegenen Markt ereignet, meldete die Nachrichtenagentur RIA Nowosti unter Berufung auf den russischen Inlandsgeheimdienst FSB. Nähere Angaben wurden nicht gemacht. Jede der Detonationen soll eine Sprengkraft von rund 500 Gramm TNT gehabt haben. Ob auch die dritte Explosion von einem Selbstmordattentäter verübt oder ferngezündet wurde, war zunächst nicht bekannt. Itar-Tass zufolge wurde ein weiterer Sprengsatz in der Nähe des Eingangs entdeckt und entschärft.

Berichte über eine vierte Explosion im Süden der Stadt erwiesen sich als falsch, wie RIA Nowosti unter Berufung auf die Polizei meldete. Anwohner hatten den bei einem Baustellenunfall verursachten Lärm demnach für eine Detonation gehalten. Die Agentur hatte knapp zwei Stunden nach den beiden Anschlägen von der angeblichen Explosion berichtet.

Eine Attentäterin überlebte schwer verletzt

Der Moskauer Bürgermeister Juri Lujkow begab sich an den Tatort und berichtete, daß der Sprengstoffgürtel einer der beiden Frauen nicht wie offenbar geplant funktioniert habe und in ihrem Umkreis nur drei Menschen verletzt worden seien. Alle anderen Opfer gingen demnach auf das Konto der zweiten Attentäterin.

Die meisten Opfer sollen zwischen 16 und 25 Jahre alt sein, auch einige Kinder seien unter den Toten. Etwa 30 Menschen wurden mit zum Teil schwersten Verletzungen in Krankenhäuser gebracht. Ärzte berichteten von abgerissenen Körperteilen am Tatort. Nach Augenzeugenberichten brach aber unter den Zuschauern keine Panik aus. „Wir sahen 15 Menschen am Boden liegen. Ein verletztes Mädchen rannte umher und weinte“, berichteten zwei junge Männer dem Fernsehsender ORT.

Populäres Freiluft-Konzert

Zu dem Rockkonzert auf dem Flugfeld im Nordwesten Moskaus waren 50.000 Menschen erwartet worden. Präsident Wladimir Putin wurde über den Anschlag informiert. Das Rockfestival „Krylja“ (Flügel) zählt zu den populärsten Freiluft-Festivals in Russland. Auf dem Festival sollten mehrere der bekanntesten Bands des Landes spielen. Das Festival dauerte nach der ersten Explosion zunächst an, zwei Stunden später begann die Polizei aber mit der Evakuierung des weiträumig abgesperrten Geländes.

Die Mehrzahl der verbliebenen 15.000 Besucher sei auch vier Stunden nach den zwei Sprengstoff-Explosionen am Rande des Geländes ahnungslos, berichtete die Agentur Interfax. Die Organisatoren wollten um jeden Preis eine Panik vermeiden, vermuteten Zuschauer. „Von der Bühne aus wird der Terrorakt mit keinem Wort erwähnt. Alles sei ruhig, heißt es“, berichtete ein Konzertbesucher. Nach Medienberichten sollen auf dem Flugfeld Tuschino im Nordwesten Moskaus die Mobiltelefone nicht mehr funktionieren.

Noch keine Verantwortung übernommen

Bislang hat niemand die Verantwortung für den Anschlag übernommen, doch haben tschetschenische Separatisten in der Vergangenheit mehrfach Selbstmordattentäter auch in Moskau eingesetzt. Tschetschenische Rebellen kämpfen seit Jahren für die Unabhängigkeit der Kaukasusrepublik von Russland. Nach zwei blutigen Kriegen beherrscht die russische Armee zwar weite Teile des Landes, zur Ruhe kommt Tschetschenien aber nicht. Fast täglich kommt es zu Angriffen von Rebellen auf die russischen Streitkräfte und die von ihnen unterstützte Verwaltung.

Erste Ermittlungen deuteten auf eine Verbindung zu tschetschenischen Separatisten, sagte der stellvertretende Innenminister Raschid Nurgalijew. Die verwendeten Sprengsätze seien denen ähnlich, die ein tschetschenisches Kommando bei einer Geiselnahme in einem Moskauer Musical-Theater im Oktober verwendet habe. Die von Russland 1999 entmachtete tschetschenische Regierung erklärte, sie habe mit den Anschlägen nichts zu tun. Die tschetschenische Führung betrachte solche Taten als inakzeptabel, sagte ein Sprecher der Exil-Regierung.

Im Oktober vergangenen Jahres hatten tschetschenische Terroristen das Moskauer Musical-Theater „Nord-Ost“ überfallen und über 800 Besucher als Geiseln genommen. Bei der gewaltsamen Befreiungsaktion starben 129 Geiseln durch das von der Polizei eingesetzte Gas, die 41 Terroristen wurden erschossen. Im vergangenen halben Jahr haben tschetschenische Terroristen bei Selbstmordanschlägen im Nordkaukasus mehr als 100 Menschen getötet.

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