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Möllemann-Beerdigung Trauerredner kritisieren FDP-Führung

13.06.2003 ·  Möllemanns persönlicher Freund und FDP-Fraktionsvorsitzender in Kiel, Wolfgang Kubicki, richtete als Trauerredner unter Tränen Vorwürfe gegen die Parteispitze.

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Der frühere FDP-Spitzenpolitiker Jürgen Möllemann ist am Freitag auf dem Zentralfriedhof seiner Heimatstadt Münster beerdigt worden. Bei der im Familien- und Freundeskreis abgehaltenen Trauerfeier kritisierten Redner den Umgang der FDP mit Möllemann. Er war am Donnerstag vergangener Woche bei einem Fallschirmabsturz unter noch ungeklärten Umständen ums Leben gekommen. Möllemann wurde 57 Jahre alt.

Er war im Streit mit der FDP-Führung im März aus der Partei ausgetreten. FDP-Vorsitzender Guido Westerwelle war wie andere hochrangige Parteifunktionäre auf Wunsch der Hinterbliebenen den Feierlichkeiten ferngeblieben. Von Möllemanns früherer Partei, der er mehr als 30 Jahre angehört hatte, nahm Ehrenvorsitzender Hans-Dietrich Genscher an der Trauerfeier teil. Der frühere Bundesaußenminister gilt als politischer Ziehvater Möllemanns. Genscher äußerte sich auf dem Friedhof jedoch nicht.

„Möllemann leistete mehr als seine Kritiker“

Möllemanns persönlicher Freund und FDP-Fraktionsvorsitzender im Kieler Landtag, Wolfgang Kubicki, richtete als Trauerredner unter Tränen Vorwürfe gegen die Parteispitze: „Ich möchte deutlich machen, daß Jürgen Möllemann mehr für das Gemeinwesen und die FDP geleistet hat, als jene, die heute seine persönliche Integrität in Zweifel ziehen.“

Um den Verstorbenen rankt sich unter anderem der Verdacht des unlauteren Umgangs mit Parteispenden. Er war zum Austritt aus der Partei gedrängt worden, nachdem ein von ihm verantwortetes Wahlkampf-Flugblatt mit kritischen Äußerungen zur Regierungspolitik Israels für Aufsehen gesorgt hatte.

„Menschen und politisches Lebenswerk zerstört“

Auch Gerd Rehberg, Präsident des Bundesligisten Schalke 04, dessen Aufsichtsrat Möllemann von 1984 an angehört hatte, kritisierte den Umgang mit dem Politiker. Er und Schalke-Manager Rudi Assauer hatte eine Vereinsfahne zum Sarg des Fußball-Fans mitgebracht. Möllemann-Freund Uwe Tönningsen sagte: „Er war ein Freund, ein Mensch. Wir kannten ihn, wie man ihn nicht kannte.“ Ferner sprach der Vorsitzende von Möllemanns Fallschirmspringer-Verein der Familie sein Mitgefühl aus.

120 geladene Gäste aus dem Freundes- und Familienkreis gaben Möllemann auf dem Münsteraner Zentralfriedhof das letzte Geleit. Auf dem Weg von der Kapelle zum Grab mußte die Witwe des Politikers, Carola Möllemann-Appelhoff, von ihren Töchtern Maike und Esther gestützt werden. Auch sie hatte nach dem Todessturz ihres Gatten am vergangenen Donnerstag scharfe Vorwürfe indirekt gegen die FDP-Spitze gerichtet. Unter anderem hatte sie nach Rechenschaft von denen gefragt, „die auf niederträchtige Weise versucht haben, sowohl den Menschen Jürgen W. Möllemann wie auch sein politisches Lebenswerk zu zerstören, für das er mehr als 30 Jahre leidenschaftlich mit Herz und Seele gekämpft hat“.

Rund 2000 Menschen nahmen Abschied

Münsters Oberbürgermeister Berthold Tillmann (CDU) sagte: „Möllemann war eine wichtige Facette im öffentlichen Leben der Stadt.“ Er sprach der Witwe sein Beileid aus. Die Trauerfeier wurde zwar von dem katholischen Geistlichen Michael Scharf begleitet, war aber nicht von christlichen Zeremonien geprägt. Möllemann war vor Jahren aus der Kirche ausgetreten.

Vor den Feierlichkeiten hatte die Bevölkerung Gelegenheit, am aufgebahrten Sarg von Möllemann Abschied zu nehmen. Rund 2000 Menschen trugen sich auf dem Friedhof in Kondolenzbücher ein, viele legten Blumen und Kränze nieder, darunter auch Vertreter verschiedener politischer Parteien. Zeitweise hatten sich lange Warteschlangen gebildet.

Der mit Rosen und Lavendel geschmückte helle Holzsarg war gesäumt von Trauergebinden des Bundespräsidenten, der Bundesregierung und des Bundestagspräsidenten. Möllemann war Mitglied des Bundestags und des nordrhein-westfälischen Landtags. Bis 1993 gehörte er der Bundesregierung an, zuletzt als Wirtschaftsminister und Vizekanzler.

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