25.08.2004 · An der Mißhandlung von Gefangenen im Irak waren nach einem Bericht amerikanischer Generäle mehr Mitarbeiter des militärischen Geheimdienstes und privater Sicherheitsfirmen beteiligt als angenommen.
An der Mißhandlung von Gefangenen im Irak waren nach Angaben aus amerikanischen Armeekreisen mehr Mitarbeiter des militärischen Geheimdienstes und privater Sicherheitsfirmen beteiligt als bislang bekannt. In einem Untersuchungsericht des Militärs wird davon berichtet, 27 Mitarbeiter dieser Sicherheitsdienste seien in 44 Fällen an der Mißhandlung Gefangener beteiligt gewesen und könnten dafür angeklagt werden, hieß es in Kreisen der Armee am Mittwoch. Weitere acht Mitglieder der für Abu Ghraib verantwortlichen Geheimdiensteinheit hätten von Mißhandlungen gewußt und nicht darüber berichtet, sagte der Leiter der Untersuchung, General Paul Kern, in einer Pressekonferenz im amerikanischen Verteidigungsministerium.
„Wir haben schweres Fehlverhalten und einen Verlust moralischer Werte entdeckt“, sagte Kern bei der Vorstellung des Berichts von Generalmajor George Fay. Einigen Soldaten sei allerdings nicht klar gewesen, welche Techniken sie bei Verhören anwenden durften und welche nicht, heißt es in dem Papier. Dafür werden auch Vertreter „anderer Regierungsbehörden“ verantwortlich gemacht, eine Umschreibung, die das Verteidigungsministerium häufig für den Auslandsgeheimdienst CIA verwendet. „Es ist klar, daß die Verhörpraktiken anderer Regierungsbehörden in Abu Ghraib zu einem Verlust von Verantwortlichkeit führten“, heißt es wörtlich.
„Größere Freiheit“ bei Vernehmungstechniken
Zur Begründung führt der Bericht an, die zivilen Verhörspezialisten besagter anderer Regierungsbehörden hätten größere Freiheiten bei der Auswahl von Vernehmungstechniken gehabt und damit den Militärgeheimdienst beeinflußt. Zudem hätten sie auch „Geisterhäftlinge“ festgehalten - Gefangene, die dem Internationalen Komitee vom Roten Kreuz nicht gemeldet worden seien.
Im Fay-Bericht geht es ausschließlich um Mißhandlungen bei Vernehmungen von Gefangenen, nicht um die Quälereien und Erniedrigungen auf den Fotos, die im April um die Welt gingen. Für diese Mißhandlungen werden sieben Militärpolizisten verantwortlich gemacht, der Fay-Bericht beleuchtet dagegen die Rolle der 205. Brigade des Militärgeheimdiensts unter Oberst Thomas Pappas. Wie bereits der am Dienstag vorgestellte Bericht des früheren amerikanischen Verteidigungsministers James Schlesinger kommt aber auch das neue Dokument zu dem Schluß, die militärische Führung im Irak habe in dem Folterskandal versagt.
Fotos von den Mißhandlungen im Abu-Ghraib-Gefängnis bei Bagdad hatten den Folter-Skandal bekannt gemacht und weltweit Empörung ausgelöst. Von den bislang beschuldigten sieben Reservisten der amerikanischen Militärpolizei hatte der ranghöchste von ihnen bei einer Anhörung vor einem Militärtribunal in Mannheim ein Teilgeständnis abgelegt und sich damit nach Angaben seines Anwalts eine mildere Strafe gesichert. Im Mai hatte sich ein erster Beschuldigter schuldig bekannt und war dafür zu einem Jahr Haft verurteilt worden.