13.05.2004 · Fotos, die eine vorgebliche Mißhandlung eines irakischen Gefangen durch britische Soldaten zeigen, sind nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums gefälscht oder zumindest „nachgestellt“ worden.
Die Fotos, die eine vorgebliche Mißhandlung eines irakischen Gefangen durch britische Soldaten zeigen, sind „nicht im Irak gemacht worden“. Das hat Adam Ingram, der Staatsminister im britischen Verteidigungsministerium, am Donnerstag im Unterhaus mitgeteilt. Dieser Befund sei durch eine unabhängige Untersuchung bestätigt worden.
Der Argwohn, die Fotos im Boulevardblatt „Mirror“ seien gefälscht oder zumindest „nachgestellt“ gewesen, war schon früher lautgeworden, da technische Details nicht korrekt schienen. Ingram hat jetzt zum erstenmal öffentlich bestätigt, daß der Lastwagen, in dem die Szene fotografiert worden war, während der fraglichen Zeit nicht im Kriegsgebiet gewesen sei. Die Untersuchungen der Sonderabteilung der Militärpolizei seien aber noch nicht abgeschlossen. Auch aus juristischen Gründen könne er jetzt nicht mehr sagen.
In früheren Berichten hatte es geheißen, das Fahrzeug sei während der ganzen Zeit in einer Kaserne in Preston stationiert gewesen, und die Aufnahmen seien möglicherweise von Mitgliedern der Territorial-Reserve gemacht worden. Im „Mirror“ hatte in den letzten Tagen geheißen, selbst wenn die Fotos nicht akkurat sein sollten, stimmten doch die Berichte, die sie illustrieren sollten.
Mißhandlungen in Afghanistan?
Die Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ hat am Donnerstag in London mitgeteilt, ihr seien zahlreiche Fälle von Mißhandlungen afghanischer Häftlinge durch amerikanische Soldaten bekannt. Dabei handele es sich nicht um vereinzelte Vorfälle, sondern um ein System. Die Mißhandlungen seien ähnlich wie im Irak: Schlafentzug, Häftlinge würden schutzlos der Kälte ausgesetzt, schwer geschlagen oder nackt photographiert.
Ein Sprecher der Organisation sagte: „Afghanen haben uns länger als ein Jahr von solchen Mißhandlungen erzählt. Wir haben amerikanische Behörden in den Jahren 2003 und 2004 mehrmals warnend darauf aufmerksam gemacht. Jetzt ist es Zeit, daß Washington die Ergebnisse der amerikanischen Untersuchungen veröffentlicht, die Verantwortlichen bestraft und unabhängigen Beobachtern Zugang gewährt.“ Insbesondere vermißt die Organisation eine „befriedigende Erklärung“ des Todes dreier Häftlinge in amerikanischem Gewahrsam. Zwei Todesfälle im Luftwaffenstützpunkt Bagram waren von amerikanischen Militärärzten als Morde bezeichnet worden.