10.07.2010 · Maßgebliche Kräfte in der katholischen Kirche haben noch immer nicht begriffen, dass ihre Form der „Aufklärung“ Zweifel an der Integrität der Institution und der sie repräsentierenden Personen Vorschub leistet.
Von Daniel DeckersJetzt haben wir es gewissermaßen amtlich: Was immer in der Benediktinerabtei Ettal vor einigen Jahren zwischen einem Pater und einem Schüler vorgefallen ist, war nie von der Art, dass es dem Missbrauchsbeauftragten des Erzbistums München hätte zu Ohren gebracht werden müssen.
Das kann man glauben, muss es aber nicht. Denn jedes andere Ergebnis der Apostolischen Visitation hätte die Verteidigungslinie der Abtei und des aus Deutschland stammenden Abtprimas Wolf zusammenbrechen lassen.
Weitaus schwerer wiegt, dass niemand nachprüfen kann, auf welche Weise die Visitatoren - ausgerechnet Mitglieder desselben Ordens - zu ihren Schlussfolgerungen gelangt sind.
Unabhängig voneinander sprechen beide Indizien dafür, dass maßgebliche Kräfte in der katholischen Kirche noch immer nicht begriffen haben, dass ihre Form der „Aufklärung“ jedem auch noch so absurden Zweifel an der Integrität der Institution und der sie repräsentierenden Personen Vorschub leistet. Die Moralinstanz Kirche als Hort der Krähenmoral - eine widerwärtige Vorstellung.
Daniel Deckers Jahrgang 1960, in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.
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