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Missbrauchsfälle in Kirche Verein: Mehr Opfer als angenommen

02.03.2010 ·  Seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche melden sich täglich Opfer bei dem Verein ehemaliger Heimkinder. Im sächsischen Kloster Wechselburg wurden nun zwei Mönche suspendiert. Einer von ihnen hatte zuvor im Ettaler Internat gearbeitet.

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Der Verein ehemaliger Heimkinder (VEH) geht davon aus, dass viel mehr Kinder und Jugendliche in katholischen Einrichtungen sexuell missbraucht worden sind als bislang angenommen. Rund 70 Prozent der 450 Mitglieder wurden nach Einschätzung der Vereinsvorsitzenden Monika Tschapek-Güntner in der Kindheit und Jugend in Heimen missbraucht. Tschapek-Güntner bestätigte damit am Dienstag einen Bericht der „Berliner Zeitung“. Der Missbrauch reiche bis zur Vergewaltigung. Der Großteil ihrer Vereinsmitglieder - rund 80 Prozent - sei in katholischen Heimen aufgewachsen. Seit Bekanntwerden der Missbrauchsfälle an Jesuitenschulen meldeten sich jeden Tag zahlreiche Opfer bei ihr. „Leute rufen an und sagen: ´Mir ist das auch passiert´“, sagte Tschapek-Güntner. „Die Menschen halten es nicht mehr aus und müssen reden.“

Nach dem Missbrauchsskandal am Benediktinerkloster Ettal in Bayern wurden nach einem Medienbericht unterdessen zwei Mönche des Klosters Wechselburg in Sachsen suspendiert. Zwei Pater seiner Einrichtung seien von ihren seelsorgerischen Aufgaben freigestellt worden, sagte der Verwaltungschef des Klosters, Pater Angelus. Die „Freie Presse“ in Chemnitz hatte von der Suspendierung berichtet. Einer der freigestellten Pater sei laut dem Zeitungsbericht Sprecher und Finanzverwalter des Klosters gewesen. Vor seiner Arbeit in Wechselburg habe der 39 Jahre alte Pater bis 2005 als Erzieher im Ettaler Internat gearbeitet.

„Da wird die Decke der Verschwiegenheit ausgebreitet“

Tschapek-Güntner warf der Katholischen Kirche „Falschheit“ vor. Zwar wolle die Kirche den Eindruck erwecken, die Missbrauchsfälle aufklären zu wollen, jahrelang habe sie Opfer aber unter Druck gesetzt oder mit Geld zum Schweigen gebracht. „Da wird die Decke der Verschwiegenheit ausgebreitet. Das ist grausam und das halten wir kaum aus.“

Der Verein mit Sitz im hessischen Rodgau kümmert sich vor allem um Menschen, die als Kinder in Heimen Opfer von Gewalt oder sexuellem Missbrauch geworden sind. Für diese fordert der VEH seit Jahren eine Entschädigung. Die nach Vereinsschätzungen deutschlandweit rund 500.000 Betroffenen sollen eine Entschädigung von jeweils 50.000 Euro erhalten - insgesamt 25 Milliarden Euro.

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