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Missbrauch Viel zu tun

07.03.2010 ·  Die nun zutage tretenden Fälle von Kindesmisshandlung sind kein spezifisches Problem der katholischen Kirche. Dass es dazu kam, lag an mangelnder Aufsicht, Desinteresse und Verrohung. Ein Runder Tisch hätte deshalb viel zu tun.

Von Jasper von Altenbockum
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Es war schon zu einfach, die Fälle von Kindesmisshandlung und sexueller Übergriffe als ein spezifisches Problem der katholischen Kirche zu begreifen. Es wäre nun auch zu einfach, in diesen Verbrechen an Schutzbefohlenen ein spezifisches Dekadenzsyndrom von Internaten, klosterähnlichen Gemeinschaften oder als Konstruktionsfehler bestimmter pädagogischer Konzepte zu sehen. Der Fall der Odenwaldschule zeigt indessen, dass diejenigen, die auf allgemeine gesellschaftspolitische Irrwege hingewiesen haben, um die Missbrauchsfälle der katholischen Kirche zu erklären, so falsch nicht lagen. Nur ein Beispiel: Sollte sich eine Gesellschaft über sich wundern, deren Politiker es nicht einmal fertigbringen, Kinderpornographie im Internet auszumerzen?

Der runde Tisch, den die Bundesministerinnen Leutheusser-Schnarrenberger und Schröder ins Spiel gebracht haben, um Ursachen und Konsequenzen zu untersuchen, hätte jedenfalls sehr viel zu tun. Dass es töricht wäre, ihn nur auf die katholische Kirche zuzuschneiden, wie Frau Leutheusser-Schnarrenberger es will, dürfte jedem klar sein, der nicht auf der Suche nach einem Sündenbock ist. Die Aufarbeitung von Sadismus, Pädophilie und sexueller Gewalt müsste vielmehr in einer Richtung geschehen, in die schon der runde Tisch über die Misshandlung von Heimkindern zeigte. Dort ging es um staatliche, private und kirchliche Einrichtungen, in denen Kinder in den fünfziger und sechziger Jahren misshandelt worden waren. Dass es dazu kam, war nicht die Schuld einer Institution, sondern lag an mangelnder Aufsicht, Desinteresse, Verrohung und an denjenigen, die sich, wo auch immer sie Verantwortung trugen, nichts dabei dachten.

Im Falle der Heimkinder wird eine Entschädigung in Höhe von 25 Milliarden Euro gefordert. Ein runder Tisch, auch der für die Heimkinder, stößt angesichts solcher nicht unbedingt berechtigter, aber verständlicher Entschädigungsforderungen an seine Grenzen. Die jetzt bekannt gewordenen Fälle liegen zudem komplizierter und es dürfte nicht damit getan sein, dass sich die Kultusministerkonferenz, wie Bildungsministerin Schavan es anregt, einmal damit beschäftigt. Die Länder, die dafür zuständig sind, und der Bund haben im übrigen schon die passenden runden Tische. Es sind die Parlamente, in denen vor Jahr und Tag auch die Beschlüsse gefasst wurden, die vielleicht dazu führten, dass zu viele zu oft sich nichts dabei dachten.

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