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Missbrauch Odenwaldschule: Weiterer Pädagoge beschuldigt

10.04.2010 ·  Der Missbrauchsskandal an der Odenwaldschule weitet sich immer mehr aus: Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ beschuldigen ehemalige Schüler einen weiteren früheren Lehrer, sie sexuell missbraucht zu haben. Dies bezeugen sie in eidesstattlichen Versicherungen.

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Ein weiterer früherer Lehrer der Odenwaldschule wird von mehreren Altschülern beschuldigt, sie als Kind sexuell missbraucht zu haben. Der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ liegen eidesstattliche Versicherungen von fünf ehemaligen OSO-Schulkindern vor, die darüber berichten, wie sie von J.K., einem mittlerweile 78 Jahre alten Pensionär, in den siebziger und achtziger Jahren bedrängt und an den Genitalien manipuliert wurden. J.K. bestreitet, solche Handlungen begangen zu haben. Die Schilderungen der Altschüler bekräftigen dennoch den in den letzten Wochen entstandenen Eindruck, dass sexueller Missbrauch von Schülern unter der damaligen Leitung des Reformpädagogen Gerold Becker sich an der Odenwaldschule nicht etwa auf Einzelfälle beschränkte, sondern geradezu gewohnheitsmäßig geschah und nachhaltig vertuscht wurde.

Mehr als die Hälfte des damals beschäftigen männlichen Lehrpersonals wird inzwischen, in unterschiedlichen Abstufungen und unterschiedlicher Intensität, von Altschülern beschuldigt. Becker, Freund und Lebenspartner des Doyens der deutschen Pädagogik, Hartmut von Hentig, hat bei seinen Opfern vor gut drei Wochen um Entschuldigung gebeten. Hentig, der ihn gleichwohl weiter in Schutz nahm, ist dem Vernehmen nach von seinem Freund und Bewunderer Richard von Weizsäcker zu dessen bevorstehenden Geburtstagsfeierlichkeiten - der ehemalige Bundespräsident wird neunzig Jahre alt - nunmehr diskret ausgeladen worden. Weizsäckers vor zwei Jahren verstorbener Sohn Andreas gehörte zu den Kindern der Becker-„Familie“ in der Odenwaldschule.

Einstweilige Verfügung gegen Lehrer

Unterdessen hat das Landgericht Darmstadt nach F.A.S.-Informationen eine einstweilige Verfügung gegen einen Lehrer der Odenwaldschule, Reimund Bommes, erlassen. Ihm wird verboten, „die Inhalte von vertraulichen Schreiben so wie sonstige über E-Mail, Datenleitung, Faxe, Telefonanrufe u.ä. … an die Direktorin der Odenwaldschule, Frau Margarita Kaufmann, übermittelte Nachrichte und Informationen an Dritte weiterzugeben oder anderweitig zu verbreiten“. Bommes hatte Vorwürfe einer Altschülerin gegen J.K., über die in der F.A.S. berichtet wird, aus einer Mail im Trash-Ordner des Schulaccounts heimlich an den Beschuldigten selbst weitergegeben. Dafür hat er bei der Altschülerin ebenfalls Abbitte geleistet. Die Form, in der das geschah, stiftet dem Gericht zufolge gleichwohl die Besorgnis einer „baldigen weiteren Einwirkung auf den Beschuldigten J.K.“ mithilfe vertraulicher Informationen. Bommes weist das zurück, hat zugleich aber abgelehnt, die geforderte Unterlassungserklärung gegenüber der Betroffenen abzugeben.

Die Odenwaldschule teilte am Samstagabend mit, „aufgrund der Weitergabe vertraulicher Informationen aus dem Büro der Schulleitung an Dritte“ habe sie den für die EDV-Verwaltung zuständigen Mitarbeiter der Schule seiner Funktion enthoben. Als Grund nannte die Schule, dieser habe seine „Vertrauensstellung“ missbraucht und „mindestens einmal Inhalte von vertraulichen Nachrichten an die Schulleitung“ an eine „vor mehr als einem Jahrzehnt ausgeschiedene, ehemalige Lehrkraft weitergegeben“. Diese stehe unter dem Verdacht, sich des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen schuldig gemacht zu haben.

Schulleitung: Strafanzeige bei der Polizei erstattet

Weiter heißt es, die Leiterin der Odenwaldschule, Margarita Kaufmann, habe umgehend Strafanzeige bei der Polizei erstattet, als am 15. März der Verdacht im Bürod er Schulleitung deutlich geworden sei. Auch habe man fortan die IT-Betreuung und das Web-Hosting an eine externe Firma vergeben, um „absolute Datensicherheit“ zu gewährleisten. Bis zu diesem Zeitpunkt seien diese Aufgaben von einer Firma erledigt worden, in der der Bruder des nun seines Amts enthobenen Mitarbeiters arbeite.

Nach Angaben der Schulleitung sind die Gremien der Odenwaldschule zwischenzeitlich über die Geschehnisse informiert worden. Da der betreffende Mitarbeiter die Schulkonferenz im Trägerverein der Odenwaldschule repräsentiere, müssten die Gremien nun über seinen dortigen Verbleib entscheiden.

Mehr lesen Sie am Sonntag, 11. April, in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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