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Mira Markovic Milosevics einflußreiche Frau

17.03.2006 ·  Kommt Mira Markovic zur Beerdigung des ehemaligen Diktators? Mehr als fünf Jahre nach seinem Sturz wird die Rolle seiner Ehefrau in seinem Herrschaftssystem immer deutlicher.

Von Michael Martens
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Keine Frau in der Geschichte Serbiens habe je einen so gewaltigen Einfluß auf staatliche Angelegenheiten gehabt wie Mira Markovic, schreibt ihr Biograph Slavoljub Djukic. Im Moment beherrscht Slobodan Milosevics Witwe die Schlagzeilen in Serbien: Wird sie zur Beisetzung ihres verstorbenen Mannes anreisen, obwohl sie in Serbien gesucht ist? Immerhin hat ein Gericht den Haftbefehl unter bestimmten Auflagen eigens „ausgesetzt“.

Mehr als fünf Jahre nach Milosevics Sturz am 5. Oktober 2000 wird die Rolle der Ehefrau des Machthabers in dessen Herrschaftssystem immer deutlicher. Ihr einstiger Einfluß gründete offenbar in starkem Maße darauf, daß sie und ihr Mann tatsächlich Seelenverwandte waren. Das Herrscherehepaar scheint eine glückliche Ehe geführt zu haben.

Wie ihr Mann stammt Mira Markovic aus Pozarevac, einer kaum eine Autostunde südöstlich von Belgrad gelegenen Kleinstadt, in die sich die Eheleute auch auf dem Höhepunkt ihrer Macht oft für die Wochenenden zurückzogen - und in der Milosevic an diesem Samstag beigesetzt werden soll. Geboren im Kriegsjahr 1942, war sie Sproß einer erzkommunistischen Familie, ein „Partisanenkind“.

Professorin für Marxismus

Ihr Vater wurde später zum Nationalhelden erklärt, ihre 1946 an Tuberkulose gestorbene Tante Davorjanka Paunovic war Geliebte und Vertraute Titos im Untergrundkrieg - die große Liebe seines Lebens, sagen einige, eine verzweifelt prestigesüchtige Frau, schreibt Titos Mitkämpfer und späterer Gegner Milovan Djilas. Die Mutter von Mira Markovic war ebenfalls eine Partisanin. Sie geriet in Gefangenschaft und wurde kurz vor dem Abzug der Deutschen aus Serbien im Oktober 1944 ermordet. In Titos Jugoslawien hieß es später, sie habe zuvor kommunistische Mitkämpfer ans Messer geliefert. Daran wollte die Tochter nie glauben.

Mira Markovic studierte Soziologie und Marxismus an der Universität Belgrad und wurde dort Professorin für Marxismus, was man ihrer Argumentationsweise in späteren Jahren anhörte. Landesweit bekannt - und bei ihren Landsleuten verhaßt - wurde sie, als ihr Mann Ende der achtziger Jahre zu Serbiens zunächst unumstrittenen Führer aufstieg. Nun sahen die Serben immer häufiger die oft schwarz gekleidete, stark lispelnde und meist leise sprechende Frau an seiner Seite, von der viele Ohrenzeugen berichten, daß sie sich intern auch sehr derb und unflätig über politische Gegner ausdrücken konnte.

Nachdem sie sich zunächst im Hintergrund gehalten hatte, drängte Frau Markovic ab Mitte der neunziger Jahre immer stärker ins Belgrader Rampenlicht. Sie schrieb Kolumnen in den staatlichen Hetzmedien, veröffentlichte ihr Tagebuch und setzte sich an die Spitze einer oft als „neokommunistisch“ bezeichneten Sammelbewegung namens Jugoslawische Linke (JUL), die im Listenbündnis mit der Sozialistischen Partei Serbiens (SPS) ihres Mannes fortan an der Macht im Lande beteiligt war. JUL war eine Postenverteilungsmaschine für loyale Diener des Regimes; bis heute profitieren in Belgrad manche Geschäftsleute von den Privilegien, die sie damals erhielten. Zudem gab sich JUL als eine Art radikaler Flügel der Partei Milosevics.

Mit ihrer Macht war es schnell vorbei

Da Frau Markovic anders als ihr Mann jedoch nie populär war, war es mit ihrer Macht nach dessen Sturz schnell vorbei. Sie hat diese Gefahr wohl geahnt. Wäre es nach ihr gegangen, so behaupten einige Führer des alten Regimes heute, hätte Milosevic im Herbst 2000 Schießbefehl gegen die Demonstranten in Belgrad gegeben. Im Dezember 2000, bei den ersten Parlamentswahlen nach dem Sturz, trat die SPS allein und ohne die alte Medienmacht im Rücken an, erhielt aber immerhin noch 13,5 Prozent der Stimmen. Für JUL stimmten 0,38 Prozent der Wähler.

Dennoch blieb Frau Markovic auch nach der Auslieferung ihres Mannes an das Haager Tribunal zunächst in Belgrad. Nach dem Mord an dem Ministerpräsidenten und energischen Reformer Zoran Djindjic im März 2003 erwies sich Serbien aber endgültig nicht länger als geeigneter Platz für sie. Bei der Fahndung nach den Mördern Djindjics wurde der Leichnam des früheren serbischen Präsidenten und späteren Milosevic-Gegners Ivan Stambolic gefunden, und der Verdacht kam auf, Frau Markovic sei in diesen Mordfall ebenso verwickelt wie in ein fehlgeschlagenes Attentat auf den Oppositionsführer Vuk Draskovic.

Nach Rußland abgesetzt

Der damalige serbische Innenminister Mihajlovic kündigte an, sowohl Milosevic als auch dessen Frau zum Fall Stambolic befragen zu lassen. Doch da war Mira Markovic längst nicht mehr im Lande - sie hatte sich nach Rußland abgesetzt, wo sie seither lebt.

Der von Serbien beantragte, zwischenzeitlich aufgehobene und im November vergangenen Jahres erneuerte Interpol-Haftbefehl basiert allerdings auf Beschuldigungen, die, verglichen mit diesen Vorwürfen, nebensächlich erscheinen müssen: Frau Markovic soll ihr Amt mißbraucht haben, um Günstlingen Immobilien zu verschaffen, berichtete die Zeitung „Vecernje Novosti“.

Der Haftbefehl wurde am Dienstag dieser Woche aufgehoben. Die Regierung von Ministerpräsident Kostunica, im Parlament von der SPS geduldet, hat dafür gesorgt. Daß Mira Markovic zur Beerdigung ihres Gatten nach Pozarevac anreist, scheint dennoch wenig wahrscheinlich.

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Jahrgang 1973, politischer Korrespondent für südosteuropäische Länder mit Sitz in Istanbul.

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