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Minister Rech in der Kritik Es sollte ein schneller Ermittlungserfolg sein

13.03.2009 ·  Am Donnerstag präsentierte der Stuttgarter Innenminister Rech eine vermeintliche Ankündigung des Amoklaufs im Internet – vermutlich eine Fälschung. Nun muss sich Rech rechtfertigen. Sollte der schnelle Erfolg der Ermittler auch ein Erfolg für die Politik sein?

Von Rüdiger Soldt, Waiblingen
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Als Innenminister Heribert Rech (CDU) am Donnerstagmittag im Waiblinger Polizeipräsidium vor die versammelte Presse trat, rutschten einige Mikrofone vom Pult. Der Erwartungsdruck der internationalen Öffentlichkeit war groß, Rech wollte offenbar eine Antwort auf die Frage geben, wer dieser Mann aus Weiler zum Stein im Remstal eigentlich war, der am Mittwoch 15 Menschen und dann sich selbst getötet hatte.

Rech ließ deshalb einen Text an die Wand projizieren, einen Chatbeitrag, der etwas zur Erklärung der Motive des 17 Jahre alten Jungens aus Weiler zum Stein beitragen sollte. Am Mittwochabend habe sich ein Vater aus Bayern gemeldet, der von einer Ankündigung des Amoklaufs im Chatroom „krautchan.net“ berichtet habe.

Staunen über den schnellen Erfolg

Der zuständige Stuttgarter Oberstaatsanwalt und der baden-württembergische Polizeipräsident Erwin Hetger vernahmen die Worte des Innenministers zustimmend, Hetger buchstabierte den Namen des angeblichen „Spassforums“ sogar mehrmals für die Journalisten. „Ich werde morgen früh an meine frühere Schule gehen und so mal richtig gepflegt grillen“, zitierte Rech aus dem Chatbeitrag.

Video: Motiv des Amokläufers weiter unbekannt

Alle Anwesenden staunten über den schnellen Erfolg der Ermittler, der natürlich auch ein Erfolg für die Politik sein sollte. Es sollte aber nicht länger als fünf Stunden dauern, bis die vermeintlichen Ermittlungsergebnisse ebenso ins Wanken geraten sollten wie zuvor die Mikrofone vor Rechs Pult. Am Nachmittag gab es im Internet erste Zweifel an der Echtheit des Chatbeitrages und des „Screenshots“. Computerfachleute sagen, schon der Name des Forums hätte die Ermittler nachdenklich machen müssen, weil es Ziel solcher Foren sei, Bilder und Nachrichten zu fälschen.

Es sollte aber noch einige Stunden dauern, bis die Zweifel an diesem voreiligen Ermittlungsergebnis so groß waren, dass es erste Anfragen der Journalisten nach der Echtheit des Chatbeitrages gab. Wenige Minuten vor 19 Uhr teilte eine Sprecherin des baden-württembergischen Innenministeriums auf Anfrage der Frankfurter Allgemeinen Zeitung noch mit, ja, es gebe Zweifel, Staatsanwaltschaft und Polizei würden aber ihre Aussagen grundsätzlich nicht zurücknehmen.

Wenig diskreter Umgang mit Ermittlungsergebnissen

Einige Zeitungen mit Schlagzeilen wie „Amokläufer kündigte Tat im Internet an“ waren zu diesem Zeitpunkt schon gedruckt. Kurz vor 21 Uhr hieß es dann in einer Mitteilung der Polizeidirektion Waiblingen, „im Laufe des heutigen Nachmittags sind Zweifel an der Echtheit des Eintrags im Internet-Chat aufgetaucht“, man werde jedem Hinweis „offensiv nachgehen“. Ein Rechtshilfeersuchen an die amerikanischen Behörden sei gestellt worden.

Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft und das Innenministerium glaubten offenbar, sie könnten nach dem furchtbaren Amoklauf in Winnenden und Wendlingen mit Informationen aus einem laufenden Ermittlungsverfahren weniger diskret umgehen als sonst üblich.

„Falschmeldung eines Verrückten“

Gegen 22 Uhr erfährt auch Ministerpräsident Oettinger aus den Nachrichtenagenturen, dass man auf dem Computer des Täters zumindest keine Spuren gefunden hat, die eine Beteiligung Tim K’s. an dem Chat beweisen könnten. Wenige Minuten später wird Rech in den Agenturen mit dem Satz zitiert: „Irgendein Verrückter hat wohl eine schlimme Falschmeldung in die Welt gesetzt.“

Der Minister rechtfertigt sein Vorgehen, er habe immer darauf hingewiesen, dass es sich um ein vorläufiges Ermittlungsergebnis gehandelt habe. Am Freitag sprechen das Innenministerium und die Staatsanwaltschaft immer noch von „Zweifeln“ an der Echtheit des Chatbeitrags. Dass es sich um eine komplette Fälschung handeln könnte, wollen sie nicht bestätigen.

Zwei Zeugen in Nordrhein-Westfalen und zwei Zeugen in Bayern sollen abermals verhört werden, nach weiteren Computern von Tim K. wird gesucht. Außerdem, sagte ein Sprecher der Polizei in Waiblingen, müsse ein Chat auf dem Computer des Nutzers nicht unbedingt eine Spur hinterlassen.

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Jahrgang 1966, politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

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