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Minarette Kampf der Symbole

Sind Minarette rein funktionale Bestandteile einer Moschee oder doch die steinerne Verkörperung eines aggressiven islamischen Herrschaftsdrangs? Es kommt auch hier auf den Blickwinkel an.

© REUTERS Vergrößern Das missfällt den Schweizern

Die Frage, ob ein Minarett die Verkörperung aggressiven islamischen Herrschaftsdrangs oder nur das harmlose Symbol einer friedlichen Religion sei, hätte Sultan Mehmed II. vermutlich nicht einmal verstanden. Selbstverständlich ließ der Osmanenherrscher nach der Eroberung Konstantinopels im Jahr 1453 die Hagia Sophia, schon damals ein jahrhundertealtes Zentrum der Christenheit, umgehend in eine Moschee umwandeln. Zu den ersten Befehlen des Sultans nach der Einnahme der Stadt gehörte deshalb die Anordnung, der Hagia Sophia als unübersehbares Zeichen der neuen Herrschaft ein Minarett aus Holz hinzuzufügen. Bald wurde die hölzerne Übergangslösung durch vier Minarette aus Stein ersetzt, die noch heute das Aussehen des weltberühmten Bauwerks prägen.

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Bei dem mittelalterlichen Siegeszug der Osmanen über die orthodoxen Staaten des Balkans, also über Bulgarien und Serbien, aber auch später über die katholischen Ungarn war es nicht anders. Die Errichtung von Minaretten an früheren Kirchen gehörte zu den ersten Manifestationen einer Herrschaft, die zumindest in den südlichen Gebieten des Balkans bis 1912 dauern sollte. Dass die aufständischen Balkanvölker in ihren Kämpfen gegen die Türken dann bevorzugt Moscheen und Minarette zerstörten, war die Kehrseite davon.

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Sinnloses Wüten gegen Kirchen und Klöster

Jahrhunderte früher, bei der spanischen Reconquista, war es ähnlich gewesen - die siegreichen Spanier wandelten die Minarette der Araber in Glockentürme um. Unter neuen Umständen flammte der Kampf gegen die Symbole aus Stein sogar in den neunziger Jahren noch einmal auf, nämlich in Bosnien und im Kosovo, wo die serbische Soldateska bevorzugt Minarette als die weithin sichtbaren Zeichen der „Türkenherrschaft“ zerstörte. Auf dem Amselfeld revanchierten sich die Albaner nach dem Abzug der serbischen Truppen durch ebenso sinnloses Wüten gegen Kirchen und Klöster, und in Belgrad muss die einzige noch genutzte Moschee aus osmanischen Zeiten in politischen unruhigen Wochen, zuletzt etwa bei der Unabhängigkeitserklärung des Kosovos, von Polizisten vor Angriffen radikaler Nationalisten geschützt werden. Zuletzt brannte sie, als Racheakt für Übergriffe gegen Serben im Kosovo, im März 2004 nieder.

© reuters Vergrößern Schweizer Volksabstimmung: Deutsche Reaktionen zu Minarett-Verbot

Deshalb ist es wohlfeil, Minarette als neutrale oder rein funktionale Bestandteile einer Moschee anzusehen, wie sie womöglich von vielen Muslimen durchaus gesehen werden. Sie können es aber zumindest überall da nicht sein, wo allzu viele sie nicht so sehen wollen – und von ihnen gibt es sowohl unter Muslimen wie unter Christen genug. In der Türkei, wo das Schweizer Referendum schon vor Bekanntwerden des Ergebnisses großer Kritik ausgesetzt war, weiß das nicht zuletzt Ministerpräsident Erdogan bestens, denn er saß im Gefängnis, weil er einmal aus einem Gedicht des türkischen Schriftstellers Ziya Gökalp zitiert hatte, in dem es heißt: „Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ Im Jahre 1998 wurde er, den die religionsferne alte Elite längst als Gefahr für ihren Machterhalt erkannt hatte, vermeintlich ob dieses Zitats zu zehn Monaten Haft verurteilt.

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