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Militärreform : China zentralisiert Kommandostruktur

  • -Aktualisiert am

Eine Gefahr sieht Peking vor allem an den Seegrenzen - Chinas erster Flugzeugträger Bild: dpa

Die chinesische Führung plant eine umfangreiche Reform der Streitkräfte. Armee, Marine, Luftwaffe und Raketeneinheiten sollen von gemeinsamen Kommandozentren geführt werden. Das weckt Sorgen in Japan.

          In die anhaltenden Spannungen zwischen China und Japan tönt neues Säbelgerassel - dieses Mal aus Peking. Das chinesische Militär hat angekündigt, dass es sein Kommandosystem umbauen will, damit die Streitkräfte besser koordiniert werden können und in die Lage versetzt werden, wirkungsvoll auf eine Krise zu reagieren. Die Umorganisation richte sich nicht gegen ein bestimmtes Land, beeilte sich das chinesische Verteidigungsministerium am Freitag zu versichern.

          Es waren ausgerechnet japanische Zeitungen, die als erste von der bevorstehenden Umstrukturierung der chinesischen Volksbefreiungsarmee erfahren hatten. Die japanische „Yomiuri Shimbun“ hatte am Mittwoch berichtet, dass China seine sieben Militärregionen auf fünf reduzieren wolle. Jede der fünf neuen Regionen solle gemeinsame Kommandozentren für Armee, Marine, Luftwaffe und Raketeneinheiten haben. Ziel sei es, das Militär von einer Ausrichtung von Verteidigung zu Land besser auf mobile und integrierte Einsatzformen hinzuführen.

          China sieht Hauptgefahr an den Seegrenzen

          Die Einführung einer neuen Kommandostruktur entspricht den Anforderungen des Informationszeitalters und werde demnächst ausgeführt, bestätigte das chinesische Verteidigungsministerium gegenüber der „China Daily“. Durch die Reform sollten kombinierte Kommandosysteme sowie die Ausbildung und Logistik für kombinierte Kampfeinsätze verbessert werden. Nach Einschätzung von Beobachtern soll durch die Reform auch die traditionell schlechte Zusammenarbeit zwischen einzelnen Abteilungen und Kommandos der chinesischen Volksbefreiungsarmee verbessert werden.

          Nachdem China im November eine neue Luftverteidigungszone, die sich mit der japanischen überlappt, eingerichtet hat, verstärken die Umorganisationspläne die Besorgnis in Japan. Die neue Struktur werde Japan und die Vereinigten Staaten bedrohen, schrieb die „Yomiuri Shimbun“. Ein effizienteres chinesisches Militär werde nicht unbedingt aggressiver sein, sagte dagegen Zhao Xiaozhuo von der Verteidigungsakademie. China habe seine friedlichen Absichten klar gemacht.

          Die Modernisierung des chinesischen Militärs ist seit Jahren Programm der Regierung und wird durch hohe Zuwachsraten im Militärbudget finanziert. Sie wird jetzt durch den Konflikt mit Japan um die Senkaku-/Diaoyu-Inseln noch beflügelt. Das ZK-Plenum im vergangenen November hatte auch die beschleunigte Modernisierung der chinesischen Streitkräfte angekündigt. Sie sei notwendig, weil China nicht nur mehr technologische Fähigkeiten entwickelt habe, sondern es sich auch neuen Sicherheitsgefahren ausgesetzt sieht. Diese sieht China hauptsächlich an seinen Seegrenzen.

          Einen Krieg führen - und gewinnen

          Mit Japan liegt China im Streit über die Senkaku/Diaoyu-Inseln, mit den südostasiatischen Nachbarn streitet es über Gebietsansprüche im Südchinesischen Meer. Um in diesen Konflikten die chinesischen Interessen zu sichern, gewinnen Marine und Luftwaffe an Bedeutung. Vor Kurzem hat Chinas erster Flugzeugträger mit Begleitzug einen ersten Übungseinsatz im Südchinesischen Meer beendet. Um die Senkaku-/Diaoyu-Inseln sind seit einem Jahr chinesische Patrouillenboote unterwegs. Nach dem Bericht der „Yomiuri Shimbun“ sollen bis zum Jahr 2020 zwei weitere Flugzeugträger in Betrieb genommen werden.

          Schon im Programm für den 18. Parteitag der Kommunistischen Partei hatten die Parteiführer erklärt, dass China zu einer Seemacht werden solle. Der Entwicklung der Marine wird daher größte Aufmerksamkeit geschenkt. Chinas Parteichef Xi Jinping hat sich seit seinem Amtsantritt vor einem Jahr besonders um die Militärs bemüht. Die Aufgabe der Volksbefreiungsarmee wird jetzt nicht mehr nur mit der Landesverteidigung, sondern auch mit der Sicherung wirtschaftlicher Interessen beschrieben. Xi Jinping hat der Volksbefreiungsarmee als neue Doktrin aufgegeben, sie müsse einen Krieg führen und gewinnen können. Eine vollständige Fassung des Reformplans für die Volksbefreiungsarmee wurde noch nicht veröffentlicht.

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