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Milchpreis Die Topographie der Butter

31.07.2007 ·  Die Butter wird teurer. Und die europäischen Bauern produzieren weniger, als sie könnten. Das verhindert die EU nach wie vor mit ihrem Quotensystem. Hier zeigt sich der ganze Irrsinn dieser Planwirtschaft. Berthold Kohler kommentiert.

Von Berthold Kohler
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Unerhörtes geschieht in Deutschland: Die Butter wird teurer. Selbst in Bayern, wo die Milch früher so reichlich floss und so billig wurde, dass zornige Bauern sie Politikern vor die Füße schütteten, wird sie (und alles, was man aus ihr macht) knapp. Doch nicht nur in deutschen Landen, in der ganzen EU schwindet die unter Einsatz von riesigen Subventionen geschaffene Topographie der Milchseen und Butterberge dahin.

Die Tanks und Kühlhäuser leeren sich schon seit einiger Zeit, weil auf dem Weltmarkt die Nachfrage nach Milch und Milchprodukten aus Europa gewachsen ist und die europäischen Bauern weniger produzieren, als sie könnten. Das verhindert die EU nach wie vor mit ihrem Quotensystem, das - hier zeigt sich schon der ganze Irrsinn dieser Planwirtschaft - der Überproduktion von subventionierter Milch Einhalt gebieten sollte.

Die Milchquote war nicht das einzige zweischneidige Instrument der europäischen Agrarpolitik, das Deutschlands Bauern seit der Geburt der EWG zu spüren bekamen. Der Dirigismus der europäischen Landwirtschaftspolitik hat eine lange, an Kehrtwenden reiche Geschichte. Aufstockungssubventionen in der Viehhaltung folgten Abschlachtungsprämien und Flächenstilllegungsprogramme. Den von der Globalisierung herbeigeführten Strukturwandel in der Landwirtschaft, der viele tüchtige Bauern zum Aufgeben zwang, konnten die Milliarden aus Brüssel dennoch nicht abwenden, nur abmildern.

Die Milchquote soll fallen - aber erst 2015

Die überlebenden Bauernhöfe haben sich dem verschärften Wettbewerb angepasst. Der Anbau von Nutzpflanzen für Biogas- und Biokraftstoffanlagen bietet neue Chancen. Bei den gegenwärtigen Weltmarktpreisen können auch die deutschen Milchbauern ihr Erzeugnis ohne Zuschüsse absetzen und damit einen weiteren Schritt aus der Abhängigkeit von Subventionszahlungen tun.

Die Mehrheit der deutschen Landwirte ist für die Abschaffung der Milchquote, die bis 2015 fallen soll. Die Butter könnte danach billiger, je nach Lage des (globalen) Marktes aber auch teurer werden, wie jetzt schon. Vielleicht verhilft diese ungewohnte Erfahrung - seit dem Krieg wurden Grundnahrungsmittel in Deutschland immer billiger - den Verbrauchern zu der Erkenntnis, dass die zuverlässige Versorgung mit so vielkonsumierten und dennoch so wenig geschätzten Produkten wie Milch und Butter ihren Preis hat.

Quelle: F.A.Z., 31.07.2007, Nr. 175 / Seite 1
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