Die Zahl der in Deutschland gestellten Asylanträge ist im vergangenen Jahr erneut deutlich zurückgegangen. Im europäischen Vergleich wurde Deutschland von Großbritannien als Hauptzielland für Asylbewerber abgelöst. Dies teilte der Hohe Flüchlingskommissar der Vereinten Nationen (UNHCR) am Mittwoch mit. Bezogen auf die jeweilige Einwohnerzahl haben in Europa jedoch vor allem die kleinen Staaten überproportional viele Asylsuchende aufgenommen.
In Deutschland wurden nach Darstellung des UNHCR im vergangenen Jahr 78.760 Asylanträge registriert (1999: 95.110). Großbritannien legte dagegen noch einmal leicht zu auf 97.860 Asylanträge (1999: 91.080). In ganz Europa wurden im Jahr 2000 vier Prozent weniger Asylanträge gestellt als im Jahr zuvor, in der EU war die Zahl etwa stabil. In 25 europäischen Staaten wurden 452.350 Asylbewerber gezählt (1999: 471.010).
„Historischer Tiefstand“ in Deutschland
Der deutsche Anteil an den Asylanträgen in der EU verringerte sich nach Angaben des UNHCR auf einen „historischen Tiefstand“. Noch 1996 habe der deutsche Anteil bei etwa 50 Prozent aller Asylanträge in der EU gelegen. Im Vergleich zu 1999 (24,6 Prozent) habe sich der deutsche Anteil abermals auf nun rund 20 Prozent aller Asylanträge in der EU verringert. Das Asylrecht in Deutschland war 1993 grundlegend geändert worden. Damals war der Paragraf 16 des Grundgesetzes „Politisch Verfolgte genießen Asylrecht“ eingeschränkt worden.
Kleine Staaten besonders betroffen
Interessant ist der Hinweis des UNHCR auf den im Vergleich zur Gesamtbevölkerung überproportional hohen Anteil von Asylanträgen in den kleinern europäischen Staaten. Nach dieser Statistik liegt Deutschland im europäischen Vergleich erst an zwölfter Stelle.
Mehr als vier Asylanträge pro 1.000 Einwohner wurden zum Beispiel in Slowenien (4,65) und Belgien (4,20) gestellt.Es folgen Irland, die Niederlande, die Schweiz, Norwegen und Österreich, wo jeweils mehr als zwei Asylanträge pro 1.000 Einwohner registriert wurden. In Deutschland sind es 0,96 Asylanträge pro 1.000 Einwohner. Dieser Wert liegt noch unter dem EU-Durchschnitt von 1,04.
Starker Anstieg aus Iran
Mehr als die Hälfte aller Asylsuchenden in Europa stammen der Statistik des UNHCR zufolge aus zehn Staaten. Hauptherkunftsland von Asylsuchenden blieb auch im vergangenen Jahr die Bundesrepublik Jugoslawien, allerdings mit stark rückläufiger Tendenz. Die Zahl sank gegenüber dem Vorjahr um mehr als 60 Prozent auf 42.250. Es folgen Asylsuchende aus dem Irak (34.680) und Afghanistan (28.790). Die Zahl der Asylsuchenden aus Iran hat sich 2000 im Vergleich zum Vorjahr mit 27.060 mehr als verdoppelt.