15.09.2007 · Zu Beginn der Kampagne von Barack Obama stand seine Frau Michelle auf allen Bühnen hinten, zusammen mit den Töchtern Malia, 9, und Sasha, 6. Seit dem Frühjahr aber absolviert sie immer mehr Soloauftritte.
Als Barack Obama seine spätere Frau Michelle zum ersten Mal küsste, schmeckte sie, so hielt er in „The Audacity of Hope“ fest, nach Schokolade: Die beiden waren beim Eis-Essen. Lange hatte Michelle Robinson, damals 24, gezögert, bevor sie mit ihm ausging; sie war 1988 schon Anwältin in Chicago und als Mentorin eingeteilt für diesen drei Jahre älteren Jura-Studenten, der ihr wegen seines „komischen Namens“ aufgefallen war.
Manch einer erinnert sich an die Rede, die Obama beim Nominierungsparteitag der Demokraten 2004 hielt. Aber sonst? Dass viele in dem 46 Jahre alten Obama jetzt ein Versprechen für Amerika sehen, nicht unähnlich dem, das viele in Kennedy sahen, liegt an seiner Lebensgeschichte: Sohn eines Kenianers und einer Weißen aus Kansas, der seinen Vater kaum kannte; ein Schwarzer, der von weißen Verwandten erzogen wurde; politischer Aktivist, Jura-Student, Anwalt, schließlich Politiker, der kurz nach der Ankunft auf der nationalen Bühne schon nach der Hauptrolle greift.
Sie absolviert immer mehr Soloauftritte
Zu Beginn seiner Kampagne stand seine Frau auf allen Bühnen hinten, zusammen mit den Töchtern Malia, 9, und Sasha, 6. Seit dem Frühjahr aber absolviert Michelle Obama immer mehr Soloauftritte. Eine ihrer wichtigsten Aufgaben besteht darin, ihren Mann ein Stück kleiner zu machen. Er werfe die Socken nicht in die Schmutzwäsche, klagt sie, stelle die Butter nicht zurück in den Kühlschrank. „Er ist ein begabter Mann“, sagt sie. „Aber letztlich ist er auch nur ein Mensch.“ Eine Kolumnistin wetterte: „Ich zucke zusammen, wenn Michelle Obama ihren Mann rügt, er sei ja ein ganz normaler Sterblicher - ein Scherz, der auf der Annahme beruht, dass wir anderen ihn als Gott sehen.“
Michelle Obama ist in Chicago in einfachen, aber behüteten Verhältnissen aufgewachsen. Hätte das Obama-Team sich eine Gattin für den Kandidaten erfinden können, um Frauen zu ködern, die mit ihrer Stimme Hillary Clinton zur ersten Präsidentin machen wollen: So wie Michelle müsste sie aussehen. Bei öffentlichen Auftritten zeigt sie mehr Leidenschaft als ihr Mann, der ein Publikum in seinen Bann ziehen kann, aber oft zu nachdenklich wirkt.
Obama ist für die Politik, was Elvis für die Musik war
Als Michelle sagte: „Wer sein eigenes Haus nicht in Ordnung halten kann, kann das auch nicht mit dem Weißen Haus“, hielten alle das für einen Seitenhieb auf die Clintons. Auch dass Michelle als berufstätige Mutter die Ballett- und Klaviertermine ihrer Kinder koordiniert und sich öffentlich fragen kann: „Bin ich eine gute Mutter?“ - für das Obama-Lager pures Wahlkampfgold.
Was Elvis für die Musik war, könnte Obama für die Politik sein. Elvis war ein Weißer, der wie ein Schwarzer sang; Obama ist der erste schwarze Kandidat, der nicht klingt wie Jesse Jackson. In dem Magazin „Ebony“ wurden Michelle und Barack recht traditionell als künftiger Präsident und First Lady abgebildet. Während des Fototermins hatten die Stylisten für Michelle eine Perlenkette vorbereitet, die elegant genug für den West Wing war. Das war unnötig: Die Kandidatengattin hatte sich das Accessoire selbst mitgebracht.