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Micheil Saakaschwili Der neue starke Mann Georgiens

23.11.2003 ·  Einst war er der Ziehsohn Eduard Schewardnadses, dann sein erbittertster Gegner. Jetzt hat Micheil Saakaschwili den alten Mann von Tiflis von der Macht vertrieben.

Von Markus Wehner
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Einst war er der Ziehsohn Eduard Schewardnadses, dann sein erbittertster Gegner. Jetzt hat Micheil Saakaschwili den alten Mann von Tiflis von der Macht vertrieben. Er hat den Machtkampf in Georgien gegen den vierzig Jahre älteren Langzeitherrscher gewonnen.

Mit markigen Worten, Demagogie, Populismus und einem Schuß Nationalismus hatte Saakaschwili ein Viertel der georgischen Wähler bei der Parlamentswahl hinter sich gebracht. Doch Schewardnadse hatte ihm den Sieg gestohlen. Das wollte sich der Jurist, der für eine junge, westlich orientierte Generation steht, nicht gefallen lassen. Denn er ist ehrgeizig, machtbewußt und begabt wie sein ehemaliger Mentor.

Studien- und Wanderjahre im Westen

Der Oppositionsführer kommt daher wie ein amerikanischer Anwalt oder Geschäftsmann - das hat er in New York Mitte der neunziger Jahre gelernt. Die besondere Begabung Saakaschwilis, der am 21. Dezember 1967 in Tiflis geboren wurde, fiel indes schon in der Schulzeit auf. Das Abitur an der 51. Schule in Tiflis machte er mit Auszeichnung. Nachdem der Eiserne Vorhang gefallen war, begann er 1992 seine Studien- und Wanderjahre im Westen. Nirgendwo hielt es ihn lange. Von Kiew, wo er internationales Recht belegte, zog er nach Straßburg, wo er am Internationalen Institut für Menschenrechte ein Diplom erwarb. Von dort ging er nach New York, wo er 1994 an der Rechtsfakultät der Columbia-Universität studierte; zugleich war er in einer großen Anwaltskanzlei tätig.

Ein Jahr später wurde er in der Heimat Abgeordneter des georgischen Parlaments und Vorsitzender des Rechtsausschusses. Im August 1998 wurde Saakaschwili Fraktionsvorsitzender der "Bürgerunion", wie die Schewardnadse-Partei im Parlament hieß. Der damals erst dreißig Jahre alte Politiker organisierte bei Abstimmungen die Mehrheit für seinen politischen Ziehvater. Der ernannte ihn im Oktober 2000 zu seinem Justizminister - und handelte sich eine Menge Ärger ein.

„Problem Schewardnadse“

Denn als "Robin Hood" des Establishments klagte Saakaschwili die georgischen "Oligarchen" an, die ihren Reichtum illegal erworben hatten. Er präsentierte ein Gesetz zum Kampf gegen die Korruption, das Bürgern das Recht geben sollte, bestechliche Beamte durch Gerichte aus dem Amt zu klagen. Schewardnadse lehnte ab. Saakaschwili verließ nach weniger als einem Jahr Amtszeit aus Protest die Regierung.

"Schewardnadse ist unser größtes Problem", sagte Saakaschwili damals und nahm den Kampf gegen den Präsidenten auf. Sein Rücktritt als Minister machte Saakaschwili noch populärer. Er gewann die Wahl in einem prestigereichen Viertel der Hauptstadt, wurde Vorsitzender des Stadtparlaments und gründete die "Nationale Bewegung", die nun stärkste Oppositionspartei.

Im nächsten Monat wird er fünfunddreißig. Dann kann er der Verfassung nach Präsident werden. Ob der ungestüme Rebell das Zeug zum Staatsmann hat, ist ungewiß. Seine Bildung spricht für ihn, sein Temperament vielleicht gegen ihn. Saakaschwili spricht fließend Russisch und Englisch, zudem Französisch und Spanisch. Er ist mit einer Niederländerin verheiratet. Sein acht Jahre alter Sohn wurde in einer Zeit geboren, als die Beziehung zu Schewardnadse noch herzlich war. Er heißt denn auch Eduard.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.2003, Nr. 273 / Seite 12
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Jahrgang 1963, politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

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