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Kramp-Karrenbauer-Kommentar : Verbindliche Distanzierung

Annegret Kramp-Karrenbauer kandidiert für den CDU-Vorsitz. Bild: Matthias Lüdecke

Annegret Kramp-Karrenbauer präsentiert sich als die Kandidatin der Parteimitte. Die Scheu der CDU vor Experimenten könnte der Generalsekretärin in die Karten spielen.

          Wer erwartet hatte, dass Annegret Kramp-Karrenbauer ein Feuerwerk abbrennen würde, um die Senkrechtstarter Friedrich Merz und Jens Spahn zu überstrahlen, dürfte enttäuscht worden sein. Die Generalsekretärin der CDU hat sich in der Zeit, die sie sich ließ, um sich als Kandidatin für den Parteivorsitz zu präsentieren, nicht neu erfunden. Das wäre auch Unfug gewesen. Die Zustimmung, die sie in der Partei erfährt, hat nicht zuletzt mit ihren persönlichen Eigenschaften zu tun: nüchtern, unprätentiös, verbindlich. Auch gibt es für „AKK“ keinen Grund, ihre politische Positionierung in der Mitte der Partei zu verändern. Das Segment rechts von ihr ist schon doppelt besetzt. Nach links will die Partei nach 18 Jahren Merkel aber gewiss nicht rücken.

          Kramp-Karrenbauer bietet sich gleichsam als der Fleisch gewordene innerparteiliche Kompromiss an: als eine Vorsitzende, die nicht alle Zeugnisse der Ära Merkel abreißen würde, die aber gleichwohl „ein neues Kapitel“ aufschlagen wolle. Ausweislich der Themen, um die sie sich besonders kümmern will (Sicherheit, Vertrauen, Zusammenhalt), hat auch sie verstanden, warum so viele Wähler sich von der CDU abwandten. Den „Frust der Partei“ über die „bleierne Zeit“ verband Kramp-Karrenbauer nicht direkt mit dem Namen Merkel. Doch auch aus der Ankündigung, dass die Partei bei wichtigen Entscheidungen künftig wieder ein größeres Mitspracherecht haben solle, lässt sich Kritik an Merkel herauslesen. Selbst bei der Distanzierung von der Kanzlerin bleibt die Kandidatin verbindlich.

          Die CDU hat nun die Qual und den Luxus der Wahl. Will sie den größtmöglichen Bruch mit Stil und Entscheidungen der Merkel-Zeit? Das wäre untypisch für die Partei, weswegen Spahn die geringsten Chancen auf den Sieg hat, auch wenn er nicht der Dunkle Lord ist, als der er jetzt dargestellt wird. Reicht der Mut, um den Zeitreisenden Merz auf den Schild zu heben? Das wäre in verschiedener Hinsicht ein reizvolles Experiment. Doch war die CDU bislang keine große Freundin von Experimenten. Es gibt also auch einen Konservatismus in der Partei, der Kramp-Karrenbauer in die Karten spielt. Die Katholikin aus dem Saarland ist freilich ebenfalls gut für Überraschungen. Man sollte ihre Eigenständigkeit nicht unterschätzen. Die letzte Generalsekretärin, die so unspektakulär auf- und antrat wie sie, drückte der CDU, und nicht nur ihr, 18 Jahre lang ihren Stempel auf.

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