18.03.2008 · Geschichte verdichtet sich manchmal an einem Tag, den wir dann historisch nennen. So wird vielleicht dereinst über die Rede der deutschen Bundeskanzlerin vor der Knesset gesprochen. Die deutsch-israelischen Konsultationen standen im Zeichen der Zukunft.
Von Günther NonnenmacherGeschichte verdichtet sich manchmal an einem Tag, den wir dann historisch nennen. So wird vielleicht dereinst über die Stunde gesprochen werden, in der die deutsche Bundeskanzlerin als erstes Nichtstaatsoberhaupt eine Rede vor dem israelischen Parlament, der Knesset, halten durfte.
Doch historische Tage haben ihre Vorgeschichte. Im Fall der deutschisraelischen Beziehungen begann sie in Zeiten, als Juden aus aller Welt, von denen nicht wenige im damaligen britischen Mandatsgebiet Palästina Zuflucht suchten, Deutschland wegen des Massenmordes an ihren Angehörigen und an ihren Glaubensgenossen verfluchten. Das eigentliche historische Wunder war es, dass es kaum ein Jahrzehnt später wieder erste politische Berührungen zwischen Deutschen und Juden gab, zwischen dem Staat Israel und der Bundesrepublik Deutschland, die beide aus der Katastrophe des Zweiten Weltkrieges hervorgegangen waren.
Im Zeichen der Zukunft
Schritt für Schritt sind aus diesen Berührungen Beziehungen aufgebaut worden: diplomatische im üblichen Sinn und immer enger werdende politische. Von Normalisierung zu sprechen verbietet sich. Es ist noch nicht lange her, da weigerten sich israelische Politiker, deutsche Besucher zu empfangen.
Auch vor dem Besuch der Bundeskanzlerin hat es Diskussionen darüber gegeben, ob Frau Merkel vor der Knesset reden dürfe und in welcher Sprache. Einige Abgeordnete sind ihrem Auftritt ferngeblieben. Solchen Bedenken, auch der Ablehnung, kann man nur mit Respekt begegnen – das Wort kommt von „Zurückblicken“, „Sichumsehen“, und jeder Rückblick auf die gemeinsame Geschichte von Juden und Deutschen bleibt von Grauen eingefärbt.
Ohne dass darüber die Geschichte vergessen wurde, standen die ersten deutsch-israelischen Regierungskonsultationen dennoch im Zeichen der Zukunft. Deutschland will Israel, das auch sechzig Jahre nach seiner Gründung noch im Belagerungszustand lebt und täglich mit Terrorismus konfrontiert ist, dabei helfen, seine Zukunft in Sicherheit zu gestalten.
Zu diesem Zweck sind Abkommen geschlossen und Vorhaben verabredet worden, darunter eine Stiftung mit Namen deutsch-israelisches Zukunftsforum, das junge Menschen zusammenbringen soll. Ihr Sinn ist es, die Zusammenarbeit – auch jenseits politischer Beziehungen – weiter zu vertiefen.
Begrenzte Mittel
Dennoch ist nicht zu übersehen, dass die Mittel, über die Deutschland verfügt, um das alles überragende Ziel, die Sicherheit Israels zu fördern, begrenzt sind. Deutschland hat im Nahen Osten nicht den Einfluss der militärischen Weltmacht Amerika; auch auf dem diplomatischen Feld ist es nur eine Mittelmacht. In der Europäischen Union hat es seinen Einfluss geltend gemacht, um die manchmal harte Kritik an Israels Besatzungs- und Siedlungspolitik zu dämpfen.
Die Palästinenser werden materiell unterstützt, um ihre Autonomiebehörde in die Lage zu versetzen, Staatsfunktionen zu übernehmen. Im Nahost-Quartett versucht Deutschland, den nahöstlichen Friedensprozess wieder in Gang zu bringen. Im Rahmen der Nukleargespräche mit Iran wie in Afghanistan und vor der libanesischen Küste leistet Berlin einen Beitrag zur Stabilisierung des Mittleren Ostens.
All dies sind Bausteine zu einer Friedensordnung, die sich erst schemenhaft am Horizont abzeichnet. Frau Merkels Besuch in Israel sollte die Deutschen daran erinnern, dass diese Beiträge nicht nur aktuellen Interessen entspringen, sondern auch einer historischen Verantwortung.
Nachfahren Holocaustüberlebender wollen die Knesset verlassen,wenn Frau Merkel..
Ulli Zedler (UlliZ)
- 18.03.2008, 22:12 Uhr
Historische Verantwortung?
Jens Matuschek (miyuki2)
- 19.03.2008, 09:20 Uhr
Ketten der Geschichte....
Michael Fichtner (ebaristo)
- 19.03.2008, 10:57 Uhr
Im Namen des Deutschen Volkes?
Gerd Weiler (Chevy59)
- 19.03.2008, 16:08 Uhr
Historische Verantwortung
volker knuth (knuteisbeer)
- 20.03.2008, 01:29 Uhr