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Merkel in der Türkei Eine Bildungsreisende

 ·  Bundeskanzlerin Merkel nutzt ihre Reise in die Türkei nicht nur, um mit Politikern zu sprechen. Sie will das Land kennenlernen. Bis hinein in seine alten weiten Höhlen.

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© dpa Vergrößern Städte in Stein gehauen: Bundeskanzlerin Merkel am Montag im Göreme-Nationalpark in der Türkei

Sonne über Kappadokien, jene Sonne, die das Berliner politische Milieu seit Wochen nicht mehr gesehen hatte. Den Südosten der Türkei, gelegen eine halbe Flugstunde südöstlich von Ankara, hat Angela Merkel an diesem Montag besucht, was dem touristischen Programm ihrer zwei Tage langen Türkei-Reise eine politische Dimension geben sollte. Zehn Jahre nach den Agenda-2010- und Hartz-IV-Zeiten ihres Vorgängers Gerhard Schröder könnten sogar Arbeitsbesuche von Bundeskanzlern einen neuen Gehalt bekommen - wieder bekommen. Schröder hatte es, der Bilder und der Schlagzeilen wegen, über Jahre vermieden, seine Auslandsreisen mit einer Art Freizeitprogramm zu versehen. Die Pyramiden von Gizeh waren - anders wiederum als zu Helmut Kohls Zeiten - ein kommunikatives Tabu für den Bundeskanzler.

Angela Merkel beginnt, an alte Traditionen anzuknüpfen. Vor Jahren hatte sie, immerhin, schon einmal die Terrakotta-Armee in China besichtigt. Bei ihren Türkei-Reisen, so ist notiert worden, hatte sie stets zwei Orte besucht. Natürlich Ankara, die Hauptstadt. Dazu aber noch Istanbul, wie erläutert zu werden pflegt - nicht bloß der ökonomischen, sondern auch der historisch-religiösen Bedeutung wegen. Also: die Blaue Moschee, die Stätte des Islams. Und in diesem Jahr nun erstmals Kappadokien, mit seinen uralten christlichen Traditionen. Hunderte von Höhlen, in denen - vor der konstantinischen Anerkennung des Christentums als römische Staatsreligion - Christen lebten und ihren Glauben praktizierten.

Dutzende unterirdische Städte

Dutzende von Städten habe es damals gegeben - alle unterirdisch. Vier Quadratkilometer, hat der Fremdenführer nun erläutert, habe allein eine dieser Städte gehabt. Sämtliche von ihnen seien mit unterirdischen Gängen verbunden gewesen. Keine Chancen hätten die römischen Besatzungslegionen gehabt, Kontrolle über diesen Landstrich zu erlangen. Der weiche Tuffstein - Überbleibsel von Vulkanen - machte es möglich, riesige Höhlen zu errichten. Und selbst die türkische Ausgabe des japanischen Fuji war für die Bundeskanzlerin und die Delegation zu sehen - schneebeckt, in der Sonne gelegen.

Es ist weniger ein Besuch hier in der Zentraltürkei, der an die auch christlichen Wurzeln der Türkei erinnern sollte. Das auch. Aber im Mittelpunkt dieses Abstechers stand dann doch das Historische - der Hinweis auf die uralte Geschichte dieser Region. Bis in die Gegenwart hat sie ihre besondere Bedeutung für das Land - touristische scheinen sich langsam auf internationale Standards und Bräuche hin zu entwickeln. Landwirtschaftliche seien schon da, sagt der Führer. Zitronen werden hier hergebracht, tonnenweise dann gelagert in den Höhlen, in denen sie Feuchtigkeit aufnehmen und zu regionalen Besonderheiten werden. Der Weinanbau hier geht sogar auf die Zeit der Phönizier zurück. Kürbis wird angebaut; die Kerne werden dann nach Österreich gebracht - zur Produktion, wie versichert wurde, von Kernöl.

Besichtigung mit großem Begleittross

Manches spricht dafür, dass Frau Merkel solche Besuche mittlerweile auch unternimmt, um Gefühl und Gespür für die Besonderheiten von Ländern zu gewinnen, mit deren Staatsführern sie regelmäßig zu verhandeln hat. Sie jedenfalls scheint das so zu sehen. Es verstand sich, dass es nicht eine Besichtigungstour gewöhnlichen Ausmaßes war. Eine Schlange von Anzugträgern, Kameraleuten und Sicherheitsbeauftragten wälzte sich durch das Weltkulturerbe. Und müßig war die Frage eines Spezialisten, ob die deutsche Bundeskanzlerin in irgendeiner Form separiert vom Rest der Hunderten zu fotografieren sei. In einer der vielstöckigen Kirchen krachte derweil ein Teleobjektiv vom oberen in den unteren Stock. Nichts passiert.

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