23.09.2005 · Der unerwartete Wahlausgang läßt die Umfragen boomen. Darin spricht sich fast die Hälfte der Bundesbürger für eine große Koalition aus - und die nicht unbedingt unter Merkels oder Schröders Führung.
Fast die Hälfte der Bundesbürger befürwortet Umfragen zufolge eine große Koalition, hält jedoch keines der derzeit diskutierten Bündnismodelle für ideal. Nach dem am Freitag veröffentlichten ZDF-Politbarometer sehen derzeit 45 Prozent der Befragten eine große Koalition von Union und SPD als beste Möglichkeit an, 43 Prozent finden dieses Modell aber schlecht.
Für eine „Jamaika-Koalition“ aus CDU/CSU, FDP und Grünen, die nach den Sondierungsgesprächen vom Freitag als unwahrscheinlich eingestuft werden kann, sprachen sich 36 Prozent aus, 50 Prozent lehnten sie ab. Eine Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP würden 30 Prozent favorisieren, während diese Variante bei 54 Prozent der Bürger auf Ablehnung stößt.
Keine Mehrheit für die Bündnisse
In einer Infratest-dimap-Umfrage der ARD vertraten 36 Prozent die Ansicht, eine große Koalition könne am besten Arbeitsplätze schaffen und sichern. 27 Prozent trauen dies einem Jamaika-Bündnis zu, 13 Prozent einer Ampel-Koalition. Auch mit Kenntnis des Ergebnisses der Bundestagswahl würden die Deutschen keinem der unter den Parteien favorisierten Bündnisse eine Mehrheit verschaffen.
Laut der ARD-Umfrage würden 35 Prozent der Bürger die Union wählen, 34 Prozent würden sich für die SPD entscheiden, acht Prozent für die Grünen, zehn Prozent für die FDP und neun Prozent für die Linkspartei. Dies entspricht mit geringen Unterschieden dem Wahlergebnis vom Sonntag (CDU/CSU: 35,2; SPD: 34,3; FDP: 9,8; Grüne 8,1; Linkspartei: 8,7).
Stärke Differenzen zum Ausgang der Bundestagswahl ergab die Umfrage des ZDF-Politbarometers. Demnach würde die Union bei einer Wahl am kommenden Sonntag mit 37 Prozent deutlich besser abschneiden. Die SPD käme auf 35 Prozent. FDP und Linkspartei erhielten hingegen jeweils nur noch acht Prozent der Stimmen. Die Grünen wären stabil ebenfalls bei acht Prozent.
Wulff ist der beliebteste Politiker
Wenn es zu einer Regierung unter Führung der Union kommt, wünschen sich dem ZDF-Politbarometer zufolge 58 Prozent die CDU-Vorsitzende Angela Merkel als Kanzlerin. In der eigenen Anhängerschaft seien es 75 Prozent. Für den Fall einer von der SPD geführten Regierung sprechen sich 62 Prozent aller Befragten für Amtsinhaber Gerhard Schröder aus, 33 Prozent wollen dann lieber einen anderen Politiker. Dabei verfüge Schröder über einen größeren Rückhalt in seiner Parteianhängerschaft als Merkel bei den Anhängern der Union.
An der Spitze der beliebtesten Politiker steht beim Politbarometer der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff von der CDU, gefolgt vom CDU-Finanzexperten Friedrich Merz und Außenminister Joschka Fischer. Merkel liegt auf dem vierten Platz jetzt vor Bundeskanzler Gerhard Schröder, der damit klar an Ansehen verlor. Auch in der Infratest-dimap-Umfrage der ARD schnitt Wulff am besten ab. Allerdings lautete hier die Frage, welcher Politiker von Union oder SPD am ehesten als Kanzler geeignet wäre, wenn Merkel und Schröder nicht mehr zur Verfügung stünden. Beide beanspruchen die Kanzlerschaft, was die Gespräche zwischen Union und SPD über Möglichkeiten einer großen Koalition belastet. 23 Prozent sprachen sich in einem solchen Fall für Wulff aus, neun Prozent für SPD-Chef Franz Müntefering