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OECD : Mediationsverfahren mit WWF gescheitert

Bekannter Pandabär: WWF-Aktion zum Schutz des Kalifornischen Schweinswals in Mexiko-Stadt Bild: AP

Eine britische NGO erhebt schwere Vorwürfe gegen die Umweltstiftung WWF. Doch nun lässt Survival International das Mediationsverfahren vor der OECD platzen.

          Das Mediationsverfahren der OECD zwischen der Organisation Survival International und der Umweltstiftung WWF ist geplatzt. Survival ist eine britische Nichtregierungsorganisation, die für die Rechte indigener Völker kämpft, und wirft dem WWF vor, für Menschenrechtsverletzungen an den Baka in Kamerun mitverantwortlich zu sein. In Zusammenarbeit mit dem WWF habe die Regierung drei Nationalparks im Süden des Landes ausgewiesen und die im Wald lebenden Baka-„Pygmäen“ von ihrem Land vertrieben, ohne deren Einverständnis einzuholen, wie es sowohl UN-Konventionen als auch die WWF-Prinzipien vorsehen.

          Stefan Tomik

          Redakteur in der Politik.

          Obwohl Survival die Eröffnung des Verfahrens als „Meilenstein“ preist, weil zum ersten Mal eine gemeinnützige Organisation an den Richtlinien der OECD für multinationale Unternehmen gemessen werde, brach die Organisation den in der Schweiz geführten Vermittlungsprozess nun selbst ab. In einem zähen Ringen sei erkennbar geworden, dass der WWF kein Interesse daran habe, sein Engagement in Kamerun wirklich von der Zustimmung der Baka abhängig zu machen, schreibt Direktor Stephen Corry in einer Stellungnahme. Der WWF wiederum wirft seinerseits Survival vor, „nicht an Lösungen interessiert“ zu sein und zeigte sich gegenüber FAZ.NET „enttäuscht, dass Survival das Mediationsverfahren einseitig aufgekündigt hat“.

          Survival International hatte mehrere Fälle von Menschenrechtsverletzungen angeprangert, über die auch in der kamerunischen Presse berichtet wurde. Demnach haben staatliche Wildhüter mehrmals Baka vertrieben, bedroht, geschlagen oder sogar gefoltert – weil diese in den Nationalparks gejagt hatten. Der WWF finanzierte die Gehälter staatlicher Wildhüter bis zum Jahr 2009 mit. Seitdem unterstützt er deren Arbeit nur noch indirekt, etwa mit Ausrüstung wie Ferngläsern oder Zelten sowie durch Schulungen. Die weltweit arbeitende Stiftung betont, nicht Vorgesetzter der Wildhüter zu sein. „Daher ist die Forderung von Surival, der WWF solle die Einhaltung dieser Rechte vonseiten der kamerunischen Regierung garantieren, unseriös.“ Man habe aber beim zuständigen Ministerium Druck ausgeübt und so unter anderem Menschenrechtstrainings für die Wildhüter organisieren können.

          In Aussagen gegenüber Survival International beklagen Baka, die in Kamerun von der Mehrheitsbevölkerung diskriminiert werden und auf die Jagd angewiesen sind, um ihre Familien zu ernähren, dass sie sich durch die Verbote in den Nationalparks eines Großteils ihrer Jagdgründe beraubt sähen. Der WWF betont hingegen, vor der Einrichtung der Parks seien auch Baka-Organisationen kontaktiert worden. Ein formales Einverständnis von Baka-Vertretern zur Umwandlung ihres Landes liegt anscheinend aber nicht vor. Ein solches fordert jedoch auch die Grundsatzerklärung des WWF mit dem Titel „Indigene Völker und Naturschutz“. Dort heißt es unter anderem: „Der WWF wird keine Maßnahmen fördern oder unterstützen (...), die nicht die vorherige freie und informierte Zustimmung der betroffenen indigenen Gemeinschaften erhalten haben.“ Fehler hat der WWF bislang öffentlich nicht eingestanden.

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