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Maueropfer Peter Fechter : Verblutet vor den Augen der Welt

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Als schon alles zu spät war: Abtransport des Opfers durch DDR-Grenzer Bild: dpa

Heute vor fünfzig Jahren starb nicht das erste, aber das bekannteste Opfer des brutalen DDR-Grenzregimes. Peter Fechters Tod löste Empörung gegen die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten aus.

          Am liebsten hätte Bundespräsident Lübke am ersten Jahrestag des Mauerbaus auf einer Großkundgebung in Berlin gesprochen. Doch auf Drängen der Vereinigten Staaten, die „östliche Demarchen“ befürchteten, musste er seine Absicht aufgeben. Statt dessen war er wenigstens im Berliner Amtssitz Schloss Bellevue und forderte in einer Ansprache über Funk und Fernsehen am 13. August 1962 jeden Einzelnen auf, in sich den „eisernen Willen zum Widerstand gegen jeden Angriff auf unsere Rechte und unsere Freiheit“ lebendig zu halten. Die Deutschen dürften zuversichtlich sein, weil sie die westlichen Verbündeten an ihrer Seite wüssten.

          An diesem Tag zogen Demonstranten entlang der Sektorengrenze mit einem Holzkreuz, das die Aufschrift „Wir klagen an“ trug. In den Abendstunden sammelten sich einige Hundert Menschen in der Bernauer Straße und skandierten: „Es hat kein Zweck, die Mauer muss weg!“ Kurz vor Mitternacht kam es zu Tumulten. Daran waren, so berichtete diese Zeitung, „etwa 10 000 Menschen beteiligt, darunter viele Jugendliche. Nur mit Mühe konnte die West-Berliner Polizei die Menge von der Mauer zurückhalten.“ Am alliierten Sektoren-Übergang „Checkpoint Charlie“ wurde ein Bus mit der Wachablösung für das sowjetische Ehrenmal auf der westlichen Seite des Brandenburger Tores mit einem Stein beworfen und die Windschutzscheibe beschädigt.

          Fechters Freund gelang der Sprung in die Freiheit

          Am 17. August trafen sich Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) und der Regierende Bürgermeister von Berlin (West), Willy Brandt (SPD), in Bonn zu einem Gedankenaustausch über die „augenblickliche Lage der Deutschland- und Berlin-Frage“. Diese verschärfte sich gerade in der alten Reichshauptstadt, wo das 50 Minuten andauernde öffentliche Sterben eines 18 Jahre alten Maurergesellen stattfand, das den Namen Peter Fechter zu einem Symbol für die Brutalität des DDR-Grenzregimes machen sollte. Unweit vom „Checkpoint Charlie“ scheiterte Fechters Fluchtversuch. 34 Schüsse feuerten DDR-Grenzer auf ihn ab, eine Kugel traf und verletzte ihn so schwer, dass er auf östlicher Seite unmittelbar unterhalb der Mauer liegenblieb. Er schrie um Hilfe, aber niemand kam, weder vom Osten noch vom Westen. Schließlich wurde er in ein Krankenhaus abtransportiert, wo man seinen Tod feststellte.

          Ein Bild Peter Fechters (mittlere Reihe, ganz links) hängt an der Gedenkstätte Berliner Mauer an einer Wand mit Porträts von Mauertoten Bilderstrecke

          In der Ost-Berliner „Chronik der IV. Grenzabteilung“ hieß es, zwei männliche Personen hätten gegen 14.15 Uhr „in der Zimmerstraße zwischen Markgrafenstraße und Charlottenstraße die Staatsgrenze in Richtung Westberlin zu durchbrechen“ versucht: „Durch vorbildliches Verhalten und gute Feuerdisziplin konnte ein Bandit daran gehindert werden, indem er durch Anwendung der Schusswaffe tödlich verletzt wurde. Der zweite Verbrecher entkam nach Westberlin.“ Dieser zweite hieß Helmut Kulbeik, ein 1944 geborener Freund Fechters. Er heckte den Fluchtplan aus, ihm gelang der Sprung in die Freiheit. Bis heute hat er die tragischen Erlebnisse nicht verarbeitet.

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