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Massenvernichtungswaffen Bush: Wir suchen noch

Ob es im Irak Massenvernichtungswaffen gibt oder gab, ist nach den Worten des Chefs der UN-Waffeninspektoren, Hans Blix, weiter ungeklärt. Präsident Bush ist zuversichtlich, daß amerikanische Truppen Beweise finden.

© AP Vergrößern Zum Abschluß ein Bad in der Menge jubelnder Soldaten in Qatar

Die Frage der Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen ist nach den Worten des Chefs der UN-Waffeninspektoren, Hans Blix, weiter ungeklärt. Der Irak habe viele Fragen bezüglich seines Waffenarsenals unbeantwortet gelassen, sagte Blix in seinem Abschlußbericht an den Sicherheitsrat der Vereinten Nationen (UN). Es sei jedoch „nicht gerechtfertigt, daraus den Schluß zu ziehen, daß etwas (Waffen) existiert", fügte Blix hinzu. Er sprach sich für die Rückkehr von internationalen Inspektoren in den Irak aus. Sie sollten als Abschreckung dagegen dienen, daß Waffenprogramme reaktiviert würden, sagte Blix, der in diesem Monat seinen Posten abgibt.

Die Vereinigten Staaten und Großbritannien hatten ihren Krieg gegen Irak unter anderem damit begründet, der Golfstaat verfüge über Massenvernichtungswaffen. Bewiesen werden konnte dies bislang jedoch nicht. Die UN-Waffeninspektoren hatten vor Beginn des Kriegs am 20. März im Irak nach verbotenen Waffen gesucht, jedoch keine gefunden. Auch die von Amerika geführten Streitkräfte haben noch keine Massenvernichtungswaffen in dem Land entdeckt.

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Bush: Wir suchen noch

Präsident George W. Bush hat bei einer Rede vor amerikanische Truppen in Qatar Erkenntnisse über die Existenz irakischer Massenvernichtungswaffen versprochen. „Wir suchen noch“, sagte Bush am Donnerstag. „Und die Wahrheit wird ans Licht kommen.“

Sicher sei zumindest, daß das Land terroristischen Gruppen nicht mehr als Waffenarsenal dienen werde. Zwei mobile Labors, mit denen biologische Waffen hätten hergestellt werden können, seien gefunden worden. Saddam Hussein „hat Jahrzehnte damit verbracht, mörderische Waffen zu verbergen“, betonte Bush.

UN-Chefinspekteur Hans Blix sagte in einem Zeitungsinterview, je mehr Zeit vergehe, „desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß es dort keine Massenvernichtungswaffen gibt“. Auch der deutsche UN-Waffeninspekteur Bernd Birkicht meldete massive Zweifel an: „Wenn jetzt etwas gefunden werden sollte, dann wäre ich der Meinung, daß es vorher nicht da gewesen ist“, sagte Birkicht in einem Rundfunkinterview.

Soldaten jubelten minutenlang

Rund 3000 Soldaten jubelten minutenlang, als Bush zu den Klängen eines Militärmarsches bei sengender Hitze auf dem Luftwaffenstützpunkt in der Nähe der Hauptstadt Doha eintraf. „Amerika hat euch auf eine wichtige Mission geschickt, um eine große Gefahr auszuräumen und ein Volk zu retten. Diese Mission ist erfüllt“, rief Bush unter dem Jubel der Soldaten, die im Irak-Krieg im Einsatz waren.

Das Golfemirat war die letzte Station auf Bushs Nahostreise, die ihn zuvor zu einem Dreiergipfel mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon und dem palästinensischen Regierungschef Mahmud Abbas nach Jordanien geführt hatte. Der jüngste Fund mutmaßlicher mobiler Waffenlabore in Irak beweise, daß der gestürzte irakische Staatschef Saddam Hussein über verbotenes Gerät verfügt habe, sagte Bush. Vor seiner Abreise aus Jordanien hatte der Präsident erklärt: „In Irak ist ein Diktator entmachtet worden, der den Terror unterstützt und Konflikt gesät hat. Jetzt entsteht dort eine gerechtere und demokratischere Gesellschaft.“

Treffen mit Franks, Bremer und dem Emir

Bush traf in Qatar zunächst mit dem Oberbefehlshaber der amerikanischen Truppen in der Golfregion, General Tommy Franks, und dem amerikanischen Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, zusammen. Im Mittelpunkt der Gespräche stand der Wiederaufbau Iraks, wie aus Delegationskreisen verlautete. Im Anschluß traf der Präsident auch mit dem Emir von Qatar, Scheich Hamad Bin Chalifa El Thani, zusammen, dem er für langjährige Verbundenheit dankte. „Sie sind ein zuverlässiger Freund der Vereinigten Staaten gewesen, und dafür sind wir sehr dankbar“, sagte Bush.

Auf seinem Flug vom jordanischen Akaba nach Doha äußerte sich Bush zufrieden über den Verlauf seiner Nahost-Mission. „Dem Nahen Osten steht ein großartiger und hoffnungsvoller Wandel bevor“, sagte er vor Journalisten. „Es ist ein Fortschritt. Die ersten Zeichen des Friedens sind zu sehen, sobald sich die Menschen für den Frieden entscheiden.“ In Akaba waren Israel und die Palästinenser jeweils auf wesentliche Forderungen der Gegenseite eingegangen: Abbas versprach ein entschlossenes Vorgehen gegen Gewalt, und Scharon kündigte die Auflösung jüdischer Siedlungen an.

Quelle: AFP, AP, dpa

 
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