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Mary Ann Glendon Umtriebige Botschafterin beim Papst

16.04.2008 ·  Sie ist die Botschafterin der Vereinigten Staaten beim Heiligen Stuhl und damit in den nächsten Tagen eine der Schlüsselfiguren für die Visite des Papsts in Washington. Ihre unerschrockenen Reden für die Rechte der Frau, gegen Abtreibung und gegen Kondome haben für Aufsehen gesorgt.

Von Heinz-Joachim Fischer
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Mary Ann Glendon ist in der katholischen Kirche das, was in der Politik ein Drehtür-Typ genannt werden kann. Gerade war sie noch Präsidentin der „Päpstlichen Akademie der Sozialwissenschaften“, eines erlauchten Gremiums angesehener Gesellschafts-Forscher aus aller Welt im Vatikan, jetzt ist sie - seit der Ernennung durch Präsident Bush im November 2007, der Bestätigung durch den amerikanischen Senat und dem beglaubigenden Empfang durch Papst Benedikt XVI. Ende Februar in Rom - Botschafterin der Vereinigten Staaten beim Heiligen Stuhl und damit in den nächsten Tagen eine der Schlüsselfiguren für die Visite des Papsts in Washington und New York.

Im Jahr 1993 wurde die am 7. Oktober 1938 im Bundesstaat Massachusetts geborene scharfsinnige, durch beachtete Publikationen hervorgetretene Juristin zur Rechtsprofessorin an der renommierten Harvard Law School in ihrer Heimat ernannt, da berief sie Johannes Paul II. 1994 schon an die Päpstliche Sozial-Akademie und schickte sie im Sommer 1995 als Leiterin der Delegation des Heiligen Stuhls zur 4. Weltfrauenkonferenz nach Peking.

Unerschrockenen Reden

Dort erregten ihre unerschrockenen Reden für die Rechte der Frau, gegen Abtreibung und gegen Kondome Aufsehen; meist Ablehnung unter den „westlichen“ Delegierten, doch auch Zustimmung unter den Vertretern anderer Staaten. Ihre geschliffen formulierten Argumente forderten Respekt selbst bei Andersdenkenden und begründeten ihren Ruf, sie könne päpstliche Positionen eindrücklich, zum Nachdenken anregend vortragen.

Gerade erst Mitglied im klerikal geführten „Päpstlichen Rat für die Laien“ in Rom geworden, war sie auch schon Mitglied im Ethik-Rat des amerikanischen Präsidenten. Die „ranghöchste Frau in der katholischen Hierarchie“ nannte sie der amerikanische Kurienkardinal Foley, und hatte recht damit, wenn es so etwas in der römischen Männerkirche gibt.

Intelligent und charmant

„Außergewöhnlich als Katholikin und Amerikanerin“, schwärmten Gleichgesinnte von ihr, während andere in den Vereinigten Staaten das Kirchenkritische an ihr vermissen. Dazu konnte die politisch seit eh und je Umtriebige es bringen, weil sie zu ihrer katholischen Überzeugung auch gegen Widerstände steht und als päpstliche Aktivistin intelligent und charmant auftritt.

Dabei geht man im Vatikan darüber hinweg, dass sie, wie man erzählt, nach dem Studium als junges Mädchen während ihres Kampfes für die Bürgerrechte der schwarzen Amerikaner einen von ihnen heiratete, sich trennte und später einen jüdischen Rechtsanwalt ehelichte.

Den Prälaten im Vatikan gefällt, dass die Engagierte eine Post-Feministin ist, die ihnen hilft, die Feminismus-Probleme in Gesellschaft und Kirche zu erkennen, zu entdämonisieren und zu ihrer Lösung beizutragen. Denn dass Frauen in der größten, weltweit in fast allen Ländern operierenden Institution für Bildung, Gesundheit und Soziales - was die katholische Kirche nämlich ist - mehr Verantwortung übernehmen müssen, steht für Papst und Kardinäle außer Frage. Ebenso, dass die Kirche bessere Vermittler ihrer traditionellen Werte braucht. Ob auf dieser oder jener Seite der Drehtür.

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