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Markus Söder Im Aufwind

03.11.2011 ·  Auf Berlin zielt die Entscheidung Seehofers, Söder zum Finanzminister zu machen: Der gelernte Fernsehjournalist soll dafür sorgen, dass die CSU in Zeiten der Eurokrise in Berlin wahrnehmbar bleibt.

Von Albert Schäffer, München
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Das bayerische Finanzministerium, an dessen Spitze Markus Söder rückt, ist ein selbstbewusstes Haus. In den turbulenten Tagen, in denen der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer nach einem neuen Finanzminister fahndete, hieß es aus dem Palais Leuchtenberg, dem Amtssitz, es gebe keinen Anlass zur Sorge: Man habe noch jeden Minister auf „Reiseflughöhe“ gebracht. Söder, bislang ohne große finanzpolitische Expertise, kann darauf vertrauen, dass ihm die Beamten mit Aktenvermerken und Redemanuskripten genug Auftrieb verleihen werden, damit er am Berliner Firmament Pirouetten drehen kann.

Denn auf die Hauptstadt zielt die Entscheidung Seehofers, Söder aus dem Umweltministerium abzuziehen, in dem er gerade noch die „Versöhnung von Ökologie und Ökonomie“ propagierte. Söder, der nach seiner juristischen Ausbildung das Handwerk des Fernsehjournalisten erlernte, soll dafür sorgen, dass die CSU in Berlin wahrnehmbar bleibt - und da die Eurokrise die Schlagzeilen noch länger bestimmen wird, setzt ihn Seehofer auf das finanzpolitische Schlachtfeld. Söder sei der richtige Mann, um Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) auf Augenhöhe zu begegnen, hat Seehofer dem neuen Hausherren im Palais Leuchtenberg als Navigationshilfe mit auf den Weg gegeben.

Der 44 Jahre alte Söder könnte den Kreis derer, zu denen er nicht aufschauen muss, allerdings weiter ziehen als Seehofer lieb ist. Aus dem Blickwinkel Söders dürfte mit seinem Ressortwechsel feststehen, wer eines fernen - oder nahen - Tages Seehofer nachfolgt. CSU-Generalsekretär an der Seite Edmund Stoibers, Bundes- und Europaminister, Umweltminister, jetzt Finanzminister - schwächere Naturen könnten so viele Marschallstäbe im Tornister in die Knie zwingen. Zu den sympathischen Zügen Söders gehört, dass er nie verhehlt, welcher Ehrgeiz ihn treibt; Seehofer wird es bedacht haben, als seine Wahl auf Söder für das Finanzministerium fiel.

Das Minsisterium birgt Risiken einer Bruchlandung

Das launige Wort des Ministerpräsidenten bei der Benennung Söders, er selbst habe auch schon das Gesundheitsressort geführt, ohne Arzt zu sein, verdeckt jedenfalls mehr als enthüllt. Ein Politiker muss nicht einschlägig vorbelastet sein, um ein Ressort zu prägen; aber gerade beim bayerischen Finanzministerium gibt es spezifische Risiken, eine veritable Bruchlandung zu erleiden. Der Finanzminister ist kraft Amtes Vorsitzender des Verwaltungsrats der Landesbank; dort müssen Entscheidungen gebilligt werden, die später nicht damit erklärt werden können, man sei schließlich kein Fachmann für komplizierte Finanzmarktgeschäfte.

So gesehen dürfte der listenreiche Seehofer seinen ganz persönlichen Grund haben für die Nobilitierung Söders - und es mag erklären, warum andere CSU-Größen alles getan haben, um nicht ins Palais Leuchtenberg umziehen zu müssen. Wenn die EU-Kommission der Landesbank im Beihilfeverfahren ein allzu figurbetonendes Korsett schnürt, wird es nicht Seehofer, sondern Söder sein, der um Luft ringt.

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Jahrgang 1957, politischer Korrespondent in München.

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