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Mario Monti Der Technokrat wird Politiker

Mario Monti will im Wahlkampf nicht der Regierungschef sein, der sich nicht wehren darf. Nach seinem Rücktritt könnte er mit einem Parteienbündnis selbst antreten - und als Staatspräsident enden.

© dapd Vergrößern Der Gejagte wird zum Jäger: Mario Monti geht in die Offensive

In der vorigen Woche war Silvio Berlusconi der Jäger, der die ganze italienische Politik aufscheuchte. Seit Sonntag wird der frühere Ministerpräsident, der gern auch der künftige wäre, selbst gejagt. Mario Monti ist hinter ihm her. Gemeinhin gilt der amtierende Regierungschef zwar als stiller Technokrat, als kühler Ökonom. Am Freitag bekundete Monti selbst dann noch, er werde „weiterregieren“, als der Generalsekretär der Berlusconi-Partei „Volk der Freiheit“ (PdL), Angelino Alfano, im Abgeordnetenhaus mitgeteilt hatte, die „Erfahrung Monti“ sei zu Ende: Das PdL könne das Kabinett nicht länger mittragen, denn „vor 13 Monaten wurde die Regierung Monti geboren, damit es dem Land bessergeht. Stattdessen geht es ihm schlechter.“

Monti ist ein stolzer Mann. Trotzdem beließ er es zunächst dabei, das Urteil „ungerecht“ zu nennen, habe das PdL doch „alle Entscheidungen der Regierung mitgetragen“. Den Samstag über dachte Monti nach. In Cannes sah er sich am Mittag auf der „World Policy Conference“ wieder einmal den Befürchtungen der Europäer über Italiens Zukunft ausgesetzt. Freunden soll er danach gesagt haben, er könne nicht länger den Populismus anderer in Italien zu verbrämen suchen. Sein Kabinett rief er nicht zusammen, bevor er am Abend Staatspräsident Giorgio Napolitano mitteilte, er werde nach Verabschiedung des Haushalts 2013 und des neuen Stabilitätsgesetzes zurücktreten - also wohl noch vor Weihnachten.

Ex-Ministerpräsident Berlusconi kündigte hingegen an, zum fünften Mal Regierungschef werden zu wollen. Die EU-Kommission warnte Italien angesichts der jüngsten Regierungskrise vor einem Abrücken vom Sparkurs. Artikel.Text Video starten $fazgets_pct
© reuters Vergrößern Italien: Monti zurücktreten

„Ich lasse mich weder durchlöchern noch verschleißen“, soll Monti dem verdutzten Präsidenten gesagt haben, der offenbar gar nicht mehr versuchte, den Ministerpräsidenten umzustimmen. Er habe Verständnis für Montis Entscheidung, ließ der Präsident später mitteilen, und offiziell hieß es im Kommuniqué, „die politischen Kräfte“, die die Regierung nicht mehr unterstützen, trügen „die Verantwortung für die durch den Verlust der Mehrheit provozierten Folgen“. Damit hat der Präsident für die Verhältnisse seines Amtes unverblümt gesagt, dass der 76 Jahre alte Berlusconi alle Schuld trägt und Monti keine. Der „Technokrat“ erhielt die nötigen Weihen, Politiker zu werden.

Der 69 Jahre alte Ökonom und Senator auf Lebenszeit, der an der Regierungsspitze bisher von der Gnade der Parteien abhing, könnte nun mit den Kräften der Mitte um den Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo, mit der christdemokratischen Zentrumsunion UDC, aber auch mit Berlusconis früherem PdL-Außenminister Franco Frattini gegen den PdL-Übervater in den Wahlkampf ziehen. Monti könnte mit einem solchen Bündnis versuchen, jene Wähler zu gewinnen, die 2008 Berlusconi den Sieg brachten und später von ihm enttäuscht waren; all jene, die - nach den Worten Berlusconis - das Land „nicht der Linken überlassen wollen“. Darüber denke Monti nun nach, hieß es am Sonntag in Rom. Nach den aktuellen Umfragen würde Monti die Wahl freilich verlieren. Aber ein Achtungserfolg könnte ihn zum wohl einzigen Kandidaten für das Präsidentenamt machen. Im Spätfrühling endet nämlich die Amtszeit Napolitanos.

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