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Manöver im Nahen Osten Säbelrasseln in Iran und Israel

12.07.2008 ·  Erleben wir gerade das Vorspiel zu einem neuen Waffengang im Mittleren Osten? Dass Teheran alle Mittel unterhalb der Schwelle zu einem großen Konflikt einsetzen würde, um Amerika und Israel zu schaden, ist so gut wie sicher.

Von Günther Nonnenmacher
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Erleben wir gerade das Vorspiel zu einem neuen Waffengang im Mittleren Osten? Die Fakten sind beunruhigend. Anfang Juni hat Israel ein Manöver im östlichen Mittelmeer abgehalten, mit mehr als hundert Kampfflugzeugen, Tankflugzeugen und Hubschraubern, bei dem ein Einsatz über eine Reichweite von 1500 Kilometern geprobt wurde. Das ist ungefähr die Entfernung von Israel nach Natans, wo Iran seine Anlagen zur Urananreichung verbunkert hat, mit deren Hilfe auch waffenfähiges Nuklearmaterial hergestellt werden kann. Im Gegenzug hat Iran vor wenigen Tagen Manöver am Persischen Golf veranstaltet, bei denen Kurz- und Mittelstreckenraketen eingesetzt wurden, darunter ein Typ („Schahab-3“), der mit einer Reichweite von 2000 Kilometern Israel erreichen könnte.

Dieses Säbelrasseln erscheint deshalb bedrohlich, weil die Verhandlungen über das iranische Nuklearprogramm an einem toten Punkt sind: Auf ein neues Angebot der EU-3 (Großbritannien, Frankreich, Deutschland), das mit Amerika, Russland und China abgestimmt war, haben die Iraner offenbar - wie schon in der Vergangenheit - nur hinhaltend reagiert. Moskau und Peking sind aber im UN-Sicherheitsrat bisher nicht bereit, die Sanktionsschrauben so stark anzuziehen, dass das Teheraner Regime wirklich unter Druck gerät.

Israel hat allen Grund, sich bedroht zu fühlen

Für Israel ist die Lage prekär. Wegen der wiederholten Ausfälle des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadineschad gegen die „zionistische Entität“ hat das Land von der Größe Hessens mit seinen sieben Millionen Einwohnern allen Grund, sich bedroht zu fühlen: Nach einem nuklearen Angriff wäre es vollständig verwüstet. Dass die Israelis bereit und fähig sind, den Aufbau nuklearer Potentiale in ihrer Nachbarschaft militärisch zu verhindern, haben sie schon gezeigt: 1981 zerstörte die israelische Luftwaffe den irakischen Kernreaktor Osirak; im September 2007 bombardierte sie einen nach koreanischem Modell gebauten mutmaßlichen Reaktor in Syrien. Beide Male war die Bedrohung erheblich geringer als im Fall Irans. Doch beide Male war auch der militärische Aufwand zur Zerstörung der Anlagen erheblich geringer.

Ein erfolgreicher israelischer Angriff gegen die über das Land verstreuten, teilweise unterirdischen Nuklearanlagen Irans wäre ohne amerikanische Unterstützung nicht möglich. Israelische Kampfflugzeuge müssten den irakischen Luftraum durchqueren, den die amerikanische Armee kontrolliert; außerdem müsste die iranische Luftabwehr ausgeschaltet werden, wiederum mit amerikanischer Hilfe. Ein Schlag gegen ein Einzelziel - beispielsweise gegen die Anlage in Natans - würde das iranische Nuklearprogramm zwar um einige Jahre verzögern, könnte es aber nicht stoppen. Die kalifornische „Denkfabrik“ Rand Corporation ist sich sicher, dass Iran über genügend technische und finanzielle Ressourcen verfügt, um auch danach die Herstellung von Nuklearwaffen zu betreiben.

Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft wären verheerend

Welche Wirkung ein militärischer Schlag auf die politische Haltung der iranischen Führung hätte, ob das Regime sich radikalisieren würde oder - wenigstens mittelfristig - zu Verhandlungen bereit wäre, ist schwer einzuschätzen. Vermutlich ist auch den Mullahs klar, dass ein versuchter Gegenschlag zur direkten Konfrontation mit der geballten amerikanischen Militärmacht führen würde. Das kann Iran nicht riskieren. Aber so gut wie sicher ist, dass Teheran alle Mittel unterhalb der Schwelle zu einem großen Konflikt einsetzen würde, um Amerika und Israel zu schaden. Dazu gehört die Destabilisierung des gerade ruhiger gewordenen Iraks mit Hilfe dortiger Verbündeter und deren Milizen; die von Iran finanzierten und ausgerüsteten Terrortruppen der Hizbullah im Libanon und der Hamas im Gazastreifen würden mobilisiert, Israel würde mit einer neuen Welle des Terrors überschwemmt. Das können Amerika und Israel nicht wollen.

Hinzu kommt, dass ein Angriff auf Iran die gesamte islamische Welt gegen Amerika, Israel und den Westen aufbringen würde. Die Kämpfe in Afghanistan würden sich noch einmal verschärfen, Pakistan - eine islamische Atommacht - würde radikalisiert, Friedensgespräche zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn wären für lange Zeit nicht mehr möglich, die islamistischen Terrorgruppen in der Welt mitsamt ihrer Ableger in Europa würden neuen Zulauf bekommen. Die Auswirkungen auf die Weltwirtschaft infolge explodierender Energiepreise wären verheerend.

Niemand kann an einer solchen Entwicklung interessiert sein. Um sie zu verhindern, ist ein neuer Anlauf in den Nuklearverhandlungen mit Iran nötig. Das israelische Säbelrasseln ist in dieser Hinsicht auch ein Signal an Peking und Moskau, die Option verschärfter Sanktionen noch einmal zu überdenken. Schließlich wird sich Washington früher oder später zu direkten Verhandlungen mit Teheran bereitfinden müssen: Eine Ausweitung kriegerischer Verwicklungen kann sich auch Amerika nicht leisten, ohne seine militärischen Kapazitäten endgültig zu überdehnen.

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Jahrgang 1948, Herausgeber.

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