23.03.2008 · Die ausländische Berichterstattung über die Unruhen in Tibet ist in Chinas staatlich kontrollierten Medien in die Kritik geraten. Auch deutschen Medien wirft man Manipulation vor.
Die ausländische Berichterstattung über die schweren Unruhen in Tibet ist in Chinas staatlich kontrollierten Medien und Onlineforen in die Kritik geraten. Einigen Medien wurde Verdrehung von Tatsachen vorgeworfen. Außer dem amerikanischen Nachrichtensender CNN und anderen wurden in einem Bericht der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua vom Sonntag auch deutsche Medien genannt. Empörung habe vor allem ein Foto auf der CNN-Website ausgelöst, das Menschen zeige, die vor einem Militärlastwagen wegliefen, berichtete Xinhua. Das Originalbild zeige im Hintergrund aber Randalierer, die Steine auf den Lastwagen geworfen hätten, schrieb Xinhua. Dieser Teil sei herausgeschnitten worden.
Der deutschen Zeitung „Berliner Morgenpost“ wurde eine falsche Bildunterschrift vorgeworfen. Unter einem Bild, auf dem die Polizei einen Chinesen vor einem Angriff von Randalierern rette, stehe, dass ein „Aufständischer“ von der Polizei mitgenommen werde, schrieb Xinhua. Die „Berliner Morgenpost“ hatte Fotos von der Szene in der tibetischen Hauptstadt Lhasa sowohl in ihrer Online-Ausgabe als auch in der Zeitung vom 17. März veröffentlicht. Im Internet lautete die Bildunterschrift: „Ein Aufständischer wird während der Proteste in Tibets Hauptstadt Lhasa von Sicherheitsbehörden abgeführt.“ In der Zeitungsausgabe hieß es: „Aufnahmen des chinesischen Fernsehens zeigen einen Jungen, der von bewaffneten Streitkräften in Kampfanzügen durch die Straßen von Lhasa gejagt und verhaftet wird.“ Was das Foto wirklich zeigt, war zunächst nicht aufzuklären.
„Eine freie Berichterstattung aus Tibet ist nicht möglich“
In der Online- Ausgabe des Blatts hieß es, die beanstandeten Bilder stammten ursprünglich von dem staatlichen chinesischen Fernsehsender CCTV. Die Fotoagenturen Reuters und AFP hätten Standbilder aus TV-Berichten von CCTV am 16. März verbreitet. Die Redaktion von Reuters habe zu dem Foto vom 16. März im begleitenden Text geschrieben, hier werde ein Mann „eskortiert“. Bei AFP heiße es zu einem Foto der gleichen Szene, ein Junge werde „gewaltsam“ in Lhasa durch eine Straße geführt.
Chefredakteur Erdmann stellte dazu am Montag fest: „Eine freie Berichterstattung aus Tibet ist nicht möglich, es herrscht Zensur.“ Westliche Fotoagenturen und Medien seien „darauf angewiesen, ihren Zuträgern zu glauben. Das eröffnet natürlich die Gefahr von Ungenauigkeiten in den Reportagen aus Tibet. Die Alternative wäre, die Berichterstattung aus diesem oder anderen Krisengebieten, die unter Diktaturen leiden, einzustellen. Hier eine Absicht oder Manipulation zu unterstellen, ist grotesk.“
N-TV-Bericht beanstandet
Xinhua berichtete außerdem, der deutsche Sender N-TV habe in einem Bericht über die Unruhen in Tibet gezeigt, wie Demonstranten von der Polizei weggebracht worden seien. In Wirklichkeit seien es aber Aufnahmen aus Nepal mit der nepalesischen Polizei gewesen.
N-TV bestätigte am Montag, am 20. März in einem Beitrag über den Tibet-Konflikt ein Bild und einen Filmausschnitt aus dem benachbarten Nepal gezeigt zu haben. Der Fehler sei bemerkt und das Bildmaterial sofort ausgetauscht worden. „Wir bedauern dies unendlich“, sagte ein N-TV-Sprecher am Montag in Köln. Es habe sich um Bilder von internationalen Agenturen gehandelt. Der Sprecher betonte, es habe sich um ein Versehen gehandelt. „Wir wollten keine Stimmung machen“, fügte er hinzu.
Auch RTL bedauerte Fehler
Auch der Fernsehsender RTL teilte mit, auf seiner Internetseite „in einem Fall ein Bild in einem falschen Kontext verwendet“ zu haben. Ein Tibet zugeordnetes Foto habe in Wirklichkeit Sicherheitskräfte in der nepalesischen Hauptstadt Kathmandu gezeigt, die mit Knüppeln gegen Demonstranten vorgingen. RTL stellt auf seiner Webseite klar: „Wir haben versehentlich den Eindruck erweckt, bei der Szene handele es sich um
die Unruhen in Tibet und chinesische Sicherheitskräfte. Diesen Fehler bedauern wir und stellen gleichzeitig fest: RTLaktuell.de berichtet unabhängig.“
Dem amerikanischen Sender Fox TV warf Xinhua Ähnliches vor: Er habe auf seiner Website ein Bild der indischen Polizei gezeigt, wie sie Demonstranten in einen Wagen geschleppt habe. Im Text zu dem Bild sei aber das chinesische Militär genannt worden. Die Staatsagentur Xinhua berichtete, zehntausende Internetnutzer seien - nicht näher beschriebenen - „Aufrufen“ gefolgt, um gegen die Verdrehung von Tatsachen zu protestieren. Es sei eine „häufig angewandte Taktik einiger ausländischer Medien, mit unzutreffendem Material das Ansehen der chinesischen Regierung zu zerstören“, fasste die Staatsagentur die Meinung in einem Onlineforum zusammen.