Home
http://www.faz.net/-gpf-7h1ac
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Mandat gegen Rebellen Ein neuer Wind im wilden Osten Kongos

Nach langem Zögern sind UN-Blauhelmsoldaten mit robustem Mandat gegen die Rebellen vorgegangen. Die beteiligten Staaten verfolgen dabei auch eigene Interessen.

© AP Vergrößern Mit Stöcken gegen Raketen: Anwohner Gomas demonstrieren gegen die Gewalt, nachdem ihre Stadt unter Beschuss geraten war

Lange Zeit ist der UN-Mission in Kongo Untätigkeit im Umgang mit den Rebellengruppen insbesondere im Osten des Landes vorgeworfen worden. Das war zuletzt bei der Einnahme der Regionalstadt Goma durch die Rebellen der „Bewegung 23. März“ (M23) im November vergangenen Jahres so. Doch mittlerweile hat sich dieser Zustand geändert. Anlass dafür war die Katastrophe von Goma, als UN-Soldaten tatenlos zusahen, wie sich die Rebellen einer ganzen Stadt bemächtigten. Inzwischen verfügt Monusco, wie die UN-Mission in Kongo heißt, über eine schnelle Eingreiftruppe mit einem ungewöhnlich robusten Mandat - und sie macht Gebrauch davon.

Thomas Scheen Folgen:

Zusammen mit den regulären kongolesischen Streitkräften sind die Blauhelmsoldaten am Mittwoch massiv gegen Stellungen der M23-Rebellen rund zehn Kilometer nördlich von Goma vorgegangen. Dabei kamen Kampfhubschrauber und Artillerie zum Einsatz. Ein Blauhelmsoldat aus Tansania fiel bei dem Einsatz. Fünf andere, darunter auch Südafrikaner, wurden verletzt. Über die Verluste bei den Rebellen liegen keine verlässlichen Zahlen vor, dem Vernehmen nach aber sollen sie erheblich sein. Der Anlass der Offensive waren Mörserangriffe der M23-Rebellen auf die Außenbezirke von Goma, bei denen unterschiedlichen Quellen zufolge zwischen zwei und vier Zivilisten ums Leben gekommen waren. Früher hätten sich die Blauhelme darauf beschränkt, die Stellung der Granatwerfer zu ermitteln und anschließend einen Bericht zu schreiben. Heute geht die schnelle Eingreiftruppe, die von Tansania und Südafrika gestellt wird, gezielt gegen solche Stellungen vor, weil ihr Mandat ausdrücklich vorsieht, Rebellengruppen wie M23 „auszuschalten“.

Karte / Kongo / Grenzregion © F.A.Z. Vergrößern

Neuer Widerstand gegen Kagame

Es weht offenbar ein neuer Wind im wilden Osten Kongos, und der erste, der den politisch zu spüren bekommt, ist der ruandische Präsident Paul Kagame. Die M23-Rebellen, allesamt desertierte kongolesische Soldaten der Ethnie der kongolesischen Tutsi, gelten als seine fünfte Kolonne. Sie erhalten nach Informationen der Vereinten Nationen Geld, Waffen und selbst Rekruten aus Ruanda. Auf dem Höhepunkt ihrer Offensive gegen Goma im vergangenen November wurden sie nach Aussagen kongolesischer Augenzeugen von Offizieren der regulären ruandischen Armee befehligt. Ruanda bestreitet dies. Doch das Land bedient sich seit langer Zeit kongolesischer Söldner, um seinen Einfluss in Ostkongo aufrechtzuerhalten. Neu allerdings ist, dass sich inzwischen auch einige afrikanische Regierungen dem Ruander Kagame und seiner schleichenden Landnahme in Ostkongo widersetzen, allen voran Tansania und Südafrika, die Truppensteller der schnellen Eingreiftruppe.

Beide Länder haben gute Gründe dafür. Schließlich wird etwa Tansania immer dann von Flüchtlingsströmen heimgesucht, wenn im Osten Kongos wieder einmal Banden versuchen, sich die Coltan-, Gold- und Kassiterit-Vorkommen im Auftrag der ruandischen Regierung zu sichern. Diese Flüchtlinge sind der Grund, warum Tansania sich umgehend bereit erklärte, mehr als tausend Soldaten für die schnelle Eingreiftruppe der UN in Ostkongo bereitzustellen, womit sich die ohnehin nicht allzu guten Beziehungen zwischen den beiden Regierungen noch einmal verschlechterten.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Militärputsch? Verwirrung um Situation in Burundi

Seit Wochen gibt es in Burundi gewalttätige Proteste gegen eine abermalige Kandidatur von Präsident Pierre Nkurunziza. Nun hat ein General die Absetzung des Staatschefs verkündet. Das Präsidialamt spricht von einem Scherz. Mehr

13.05.2015, 18:43 Uhr | Politik
IS Türkei und Amerika wollen tausende syrische Rebellen ausbilden

Die Vereinigten Staaten wollen im Kampf gegen die Terrormiliz IS Soldaten als Ausbilder in die Region schicken. Sie sollen dort Kämpfer gemäßigter Rebellengruppen trainieren. Mehr

21.02.2015, 09:55 Uhr | Politik
Ostafrika Heftige Kämpfe nach Putschversuch in Burundi

Putschisten und regierungstreue Soldaten kämpfen in Burundi um die Kontrolle über die Hauptstadt Bujumbura. Ein Armeegeneral hatte Präsident Nkurunziza für abgesetzt erklärt - und ihn an der Rückkehr in das Land gehindert. Mehr Von Thomas Scheen, Johannesburg

14.05.2015, 13:40 Uhr | Politik
EU droht mit neuen Sanktionen Ukrainische Regierung gibt Debalzewe auf

Nach der weitgehenden Einnahme der strategisch wichtigen Stadt Debalzewe durch Aufständische zogen sich ukrainische Soldaten und Milizionäre aus der Stadt zurück. In der EU-Spitze wird über neue Sanktionen gegen Russland und die Rebellen diskutiert. Mehr

18.02.2015, 17:07 Uhr | Politik
Militäroffensive Kolumbien zerstört illegale Bergwerke der Farc

Seit zweieinhalb Jahren verhandelt die kolumbianische Regierung mit den Rebellen der Farc. Die Zustimmung der Bevölkerung für den Friedensprozess nimmt ab. Präsident Sanots versucht, mit einer Militäroffensive Stärke zu zeigen. Mehr Von Matthias Rüb

12.05.2015, 16:57 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 30.08.2013, 12:59 Uhr

Welche Alternative?

Von Jasper von Altenbockum

Muss man von der Form, in der die Machtkämpfe in der AfD ausgetragen werden, auf den Inhalt schließen? Der Hang zur Destruktivität ist unverkennbar. Mehr 39 28