Home
http://www.faz.net/-gpf-75qe0
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Mali-Einsatz Berlin prüft

Ohne das Eingreifen Frankreichs hätten in kürzester Zeit Gotteskrieger die Macht in Mali übernommen - mit allen Risiken für die Sicherheitslage Europas. Immerhin hieß Berlin die Intervention gut.

Es gehört zu den Eigenheiten der deutschen Außenpolitik, dass sie, wenn es um Militärisches geht, ihren Verbündeten erst einmal sagt, was „ausgeschlossen“ ist: im Falle Malis ein Kampfeinsatz der Bundeswehr. Den hatte allerdings niemand gefordert. Die französischen Truppen waren offenbar Manns genug, den in zwei Keilen vorgetragenen Angriff der Islamisten und Dschihadisten auf den Süden des Landes und seine Hauptstadt Bamako vorerst zu stoppen.

Dennoch ist es bezeichnend, dass London ohne Umschweife Lufttransportkapazitäten angeboten hat, Washington Aufklärungsdrohnen. In Berlin heißt es, man werde prüfen, wie man helfen könne. Wenigstens hat die Bundesregierung die französische Intervention ohne Wenn und Aber gut geheißen. Was daraus folgt, wird man hoffentlich bald sehen.

Ob die ursprüngliche Absicht noch realistisch ist, zusammen mit anderen europäischen Verbündeten die Ausbildung der malischen Armee zu unterstützen, wird ebenfalls zu prüfen sein. Die Regierung Malis ist seit einem Militärputsch vor einem Jahr gelähmt. Die Armee selbst befindet sich jedoch gleichfalls in einem miserablen Zustand: Weder konnte sie die politische Macht in Bamako wirklich ergreifen, noch war sie in der Lage zu verhindern, dass sich der Norden des Landes, in dem Tuareg-Rebellen, Islamisten und Terroristen ihr Unwesen treiben - dazu gehören Rauschgiftgeschäfte und Menschenhandel -, faktisch abspaltete.

Militärischer Feuerwehreinsatz

Dem Angriff dieser Kräfte hat die Armee kaum einen Tag lang standhalten können. Mali ist das, was man heutzutage einen „gescheiterten Staat“ nennt. Ohne das Eingreifen Frankreichs hätten in Bamako vermutlich in kürzester Zeit „Gotteskrieger“ die Macht übernommen - mit allen Unwägbarkeiten und Risiken für die Sicherheitslage Europas.

Die französische Armee hat einen Angriff relativ massierter Kräfte mit ihrer Luftwaffe zurückgeschlagen. Eine ganz andere Aufgabe ist es, die Islamisten und Dschihadisten im Norden zu besiegen und das Land zu befrieden. Da stellt sich den Nachbarn Malis in Afrika und im Maghreb eine Aufgabe, die angesichts ihrer Rivalitäten nicht einfach zu bewältigen sein wird. Präsident Hollande hat einen militärischen Feuerwehreinsatz befohlen. Wenn das ausreicht, um einen großen Brand in Mali zu verhindern, wird ihn das auch innenpolitisch stärken.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Aus der Geschichte lernen

Von Reinhard Müller

Der Westen dachte, der Krieg wäre kein Mittel der Politik mehr. Aus dieser Überzeugung resultiert auch die Unentschlossenheit, wenn es um Sanktionen gegen Russland geht. Mehr 6 1

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden