http://www.faz.net/-gpf-8gcti

Wegen Schmähgedichts : Staatsanwalt plant Anhörung von Jan Böhmermann

  • Aktualisiert am

Jan Böhmermann beim Vortrag des Schmähgedichts im „Neo Magazin Royale“ am 31. März 2016 Bild: Screenshot

Der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann wird wegen seines Schmähgedichts auf den türkischen Präsidenten von der Mainzer Staatsanwaltschaft angehört werden. Die Behörde will danach entscheiden, ob hinreichender Tatverdacht gegen ihn besteht.

          Die Mainzer Staatsanwaltschaft plant angesichts der Ermittlungen wegen des Verdachts auf Beleidigung des türkischen Präsidenten eine Anhörung des ZDF-Satirikers Jan Böhmermann. „Dem Beschuldigten, für den sich bislang kein Verteidiger bestellt hat, ist rechtliches Gehör zu gewähren“, teilte die Leitende Oberstaatsanwältin Andrea Keller am Dienstag mit. Danach werde voraussichtlich eine Entscheidung getroffen, ob hinreichender Tatverdacht bestehe.

          Die Ermächtigung der Bundesregierung und das Strafverlangen der türkischen Regierung nach Strafverfolgung von Böhmermann sind am Dienstagvormittag bei der Staatsanwaltschaft eingegangen. Der Moderator hatte vor knapp vier Wochen ein Schmähgedicht in seiner Sendung „Neo Magazin Royale“ über den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan vorgetragen. Damit wollte er nach eigenen Angaben den Unterschied zwischen erlaubter Satire und verbotener Schmähkritik darstellen.

          Der türkische Präsident reagierte äußerst erbost; er zeigte Böhmermann wegen Beleidigung an und verlangte von der Bundesregierung zusätzlich, dass sie ein Verfahren nach dem Majestätsbeleidigungsparagrafen erlaubt. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) gestattete  es nach einigen Tagen Bedenkzeit – gegen den Willen der SPD.

          Böhmermann mied die Öffentlichkeit, seit sein Schmähgedicht quasi zur Staatsaffäre wurde. Außerdem ließ er sowohl seine Radiosendung als auch seine Fernsehshow ruhen. Am Montag allerdings ließ er wissen, dass er und sein Kollege Olli Schulz ihre vom Sender RBB produzierte Radiosendung „sanft & sorgfältig“ beenden – als Radiosendung. Wie der Branchendienst „Horizont“ meldet, wird die Show, ähnlich wie die Fernsehsendung „Neo Magazin Royale“, Mitte Mai fortgesetzt, allerdings beim Streamingdienst Spotify.

          Quelle: DPA

          Weitere Themen

          Erdogan: „Jerusalem ist Hauptstadt Palästinas“ Video-Seite öffnen

          Reaktion auf Trump : Erdogan: „Jerusalem ist Hauptstadt Palästinas“

          Auf einem islamischen Gipfel hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan zur Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Palästinas aufgerufen. Die islamischen Staaten sind sich in dieser Frage allerdings uneinig. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprach Amerika jede Vermittlerrolle im Nahostkonflikt ab.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Kryptowährung : Bulgarien ist Bitcoin-Großbesitzer

          Bulgarien besitzt Bitcoin im Wert von fast drei Milliarden Euro. Damit könnte das Land fast 20 Prozent seiner Staatsschulden bezahlen. Es gibt nur einen Haken.

          Trotz geplatztem Deal : Lufthansa greift nach der Lufthoheit

          Auch nach der gescheiterten Übernahme des Air-Berlin-Ablegers Niki baut die Lufthansa ihre Stellung aus. Der Bund steht dagegen heftig in der Kritik.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.