26.11.2009 · Das Informationsmanagement nach dem Luftangriff nahe Kundus war katastrophal. Aber ist die nun hitzig debattierte Frage, wann Jung Kenntnis über zivile Opfer hatte, wirklich die wichtigste, wenn die deutsche Politik an den Hindukusch denkt?
Von Berthold KohlerDer Beruf des Verteidigungsministers hat gelegentlich Ähnlichkeiten mit dem eines Bombenentschärfers. Dem früheren Chef im Bendlerblock, Jung, und seiner nächsten Umgebung kann das nicht immer klar gewesen sein.
Anders ist das katastrophale Informationsmanagement nach dem Luftangriff vom 4. September in Afghanistan nicht zu erklären – katastrophal, was die Information des Ministers durch sein Haus anging wie auch die Information der Öffentlichkeit durch den Minister.
Dabei musste schon den Ministeriumsboten klar sein, dass jede scharfe Granate und Bombe, die in Afghanistan abgefeuert wird, auch einen politischen Sprengsatz mit Reichweite bis nach Berlin enthält. Zwei dieser unsichtbaren Sprengköpfe haben nun mit Zeitverzögerung gezündet. Zum Opfer fielen ihnen der Generalinspekteur und ein Staatssekretär. Doch auch Jung kann sich noch nicht sicher sein, dass er mit dem Wechsel in ein anderes Ressort den Risiken seines früheren Amtes schon endgültig entkommen ist.
Zu Guttenberg, der mit den Entlassungen eine Brandschneise zwischen sich und seinem Vorgänger zog, geht weit vorsichtiger mit den Blindgängern um, die er im Bendlerblock vorfand: keine Äußerung, bevor er nicht verlässlich die Fakten kennt. So hätte es nicht nur Jung im September halten sollen. Zurückhaltung in der Bewertung muss man jetzt auch den Oppositionspolitikern anraten, die sofort einen Vertuschungsskandal erkannt haben wollen – als ob Jung ein Meister der Vertuschung sei. Gerade der wiedererwachten „Friedenspartei“ SPD ist aber jeder Vorwand willkommen, der es ihr ermöglicht, sich von der früher gemeinsam mit der Union getragenen Afghanistan-Politik abzusetzen.
Ist die nun hitzig debattierte Frage, ob Jung einen Tag früher oder später wusste, dass der Luftangriff auch zivile Opfer forderte, aber wirklich schon die wichtigste, die der deutschen Politik einfällt, wenn sie an den Hindukusch denkt? Die Energie, die in die Skandalisierung eines zweifellos miserablen Krisenmanagements gesteckt wird, würde mehr Nutzen stiften, wenn sie in die Erörterung der Möglichkeiten flösse, wie sich der Einsatz in Afghanistan noch zu einem guten Ende führen lässt. Die dort kämpfende Truppe ist von der unklaren Lage an der Heimatfront ohnehin schon genug verunsichert. Wer aber will sich hierzulande mit der Strategie plagen, wenn der Skandal doch viel leichter zu haben und auszuschlachten ist?
Skandalisierung ?
Hans-Ulrich Bruhn (HUlrich)
- 26.11.2009, 22:18 Uhr
Brandschneise.......
wolf haupricht (emilgilels)
- 26.11.2009, 22:47 Uhr
Heuchlerische Debatte
Marco Zeino (Zeini)
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