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Lothar Bisky gestorben : Ein Linker aus Überzeugung

  • -Aktualisiert am

Lothar Bisky (1941-2013) Bild: Thiel, Christian

Lothar Bisky ist tot. Der frühere Bundesvorsitzende der Linkspartei starb nach kurzer schwerer Krankheit wenige Tage vor seinem 72. Geburtstag.

          Lothar Bisky lebte freiwillig in der DDR: 1958 war er als junger Mann unter dem Grenzzaun in den anderen deutschen Staat buchstäblich hinübergekrochen. 2007 half er maßgeblich mit, aus einer Abspaltung der SPD und der Erbin der untergegangenen SED eine neue Partei zu gründen, die sich Die Linke nannte.

          Bisky machte in dem Staat, mit dem er sich identifizierte, zunächst eine wissenschaftliche Karriere. Als die DDR 1989 unterging, hatte er es zum Rektor der Filmhochschule Babelsberg gebracht. Nach der friedlichen Revolution begann seine politische Karriere. Im Oktober 1990 wurde er Fraktionsvorsitzender der SED-Nachfolgepartei PDS im Potsdamer Landtag. Anfang 1993 übernahm er von Gregor Gysi den Bundesvorsitz der PDS. In den Jahren darauf lief ohne das Spitzenteam Gysi/Bisky in der PDS nichts.

          Kein Leichtgewicht

          Als die beiden im Jahr 2000 den Partei- beziehungsweise den Fraktionsvorsitz aufgaben, erging es der PDS schlecht; von 2002 bis zu der vorgezogenen Bundestagswahl 2005 gehörten nur zwei direkt gewählte Abgeordnete aus Berlin dem Parlament an.

          2003 übernahm Bisky wieder den Parteivorsitz. Gysi hatte als Spitzenkandidat die PDS im Land Berlin im Jahr 2001 in die Regierung mit der SPD geführt. Als Kandidaten die aus Protest gegen die Arbeitsmarktpolitik der rot-grünen Bundesregierung gegründete WASG auf den Listen der PDS auftauchten und diese als Linkspartei auftrat, wurden die SED-Nachfolger auch im Westen wählbar. Im Jahr 2005 zog die Linkspartei mit 8,7 Prozent der Stimmen in den Deutschen Bundestag ein. Im Juni 2007 schlossen sich PDS und WASG unter dem Vorsitz Biskys zusammen.

          Die ehemaligen Sozialdemokraten um Oskar Lafontaine brauchten eine Weile, ehe sie verstanden, dass der ruhig und uneitel agierende Bisky keineswegs ein Leichtgewicht war. Bisky, der am 17. August 1941 in Hinterpommern geboren wurde und als Flüchtlingskind in Schleswig-Holstein aufwuchs, war keine öffentlichkeitswirksame Figur. Seine Reden gehörten zu den langweiligsten Teilen jedes Parteitags. Doch wenn er etwas nicht wollte, dann konnte es auch nicht gegen seinen Willen durchgesetzt werden.

          Der „finale Mülleimer“

          Wer einmal gesehen hat, wie hochfahrend ein Vertreter der SED-Elite wie Hans Modrow die keineswegs auftrumpfende jüngere Parteifreundin Petra Pau behandelte, der kann ahnen, wie wichtig der zurückhaltende Bisky mit seiner Einwanderungsgeschichte in die DDR für eine stetige Entwicklung der PDS vom Staats- und Einheitsparteiwesen zu einer Linkspartei mit gesamtdeutschem Anspruch war. Nur einer wie er, dessen Loyalität weder die Hardliner der SED noch die IG-Metaller der WASG noch die pragmatischen „Regierungslinken“ bezweifeln konnte, war imstande, die auseinanderstrebenden Persönlichkeiten und politischen Absichten zusammenzuhalten.

          Als Rektor der Filmhochschule hatte er von seinen Studenten gelernt. Auch als Politiker lernte er von Jüngeren, beispielsweise von seinen Söhnen. So wies er etwa vor der Verabschiedung des Grundsatzprogramms seiner Partei 2011 vergebens darauf hin, dass das „Prekäre“ vieler Arbeitsverhältnisse durchaus auch ein Element von Freiheit enthält, das von etlichen Arbeitnehmern durchaus bereitwillig durch Verzicht auf Geld und Sicherheit erkauft wird.

          Bisky nannte seine Funktion einmal die des „finalen Mülleimers“. Zu dieser Erfahrung des menschlichen Missbrauchs in der Politik passte, dass er im Herbst 2005 viermal nicht zum Vizepräsidenten des Deutschen Bundestags gewählt wurde. Als diese tiefe Kränkung überwunden war, führte Bisky außer der Linkspartei (gemeinsam mit Lafontaine) von Ende 2007 bis 2010 auch die „Partei der Europäischen Linken“. Er gewann sichtlich Spaß daran, zu reisen und international zu agieren. 2009 wurde er Europaabgeordneter seiner Partei.

          Lothar Bisky starb, wie der Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi auf Wunsch der Familie mitteilte, nach kurzer schwerer Krankheit am Dienstag in Leipzig, wenige Tage vor seinem 72. Geburtstag.

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