02.02.2008 · Angela Merkel und führende Regierungspolitiker lehnen einen Kampfeinsatz deutscher Soldaten im Süden Afghanistans strikt ab. Der Druck auf Deutschland aber wird stärker. Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer lobt jetzt die „vorbildliche Arbeit“ der Bundeswehr, die nicht nur im Norden des Landes gebraucht würde.
Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer hat den Druck auf Deutschland verstärkt, den Bundeswehreinsatz in Afghanistan auszuweiten. Deutschland leiste als Führungsnation im Norden vorbildliche Arbeit, sagte de Hoop Scheffer der „Bild am Sonntag“ laut einer Vorabmeldung. „Aus meiner Sicht könnte die internationale Schutztruppe natürlich auch anderswo in Afghanistan mehr davon gebrauchen.“
Der Generalsekretär wies Befürchtungen zurück, nach denen die Bundeswehr nicht ausreichend auf einen Kampfeinsatz im Norden des Landes vorbereitet ist. „Ich habe keinen Zweifel, dass eine deutsche schnelle Eingreiftruppe für ihren Auftrag optimal ausgerüstet und ausgebildet sein wird.“ Zugleich sagte er, dass Streitkräfte benötigt würden, die das Spektrum von der Friedenserhaltung bis zum Kampfeinsatz abdeckten. „Und wir brauchen Streitkräftestrukturen, die so beschaffen sind, dass insgesamt mehr Soldaten für Auslandsmissionen bereitgestellt werden können“, wurde der Generalsekretär zitiert.
Kritik an Brief des amerikanischen Verteidigungsministers
De Hoop Scheffer hatte bereits am Freitag die Hoffnung geäußert, dass Deutschland das Engagement in Afghanistan ausweitet. „Ich hoffe, dass Deutschland positiv auf die Forderung Kanadas nach einer Verstärkung der Präsenz antwortet“, sagte er am Freitagabend nach einem Treffen mit dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy in Paris. Allerdings sei er Realist und betonte, dass die Bundeswehr viel leiste.
Als wenig hilfreich bezeichnete de Hoop Scheffer den eindringlichen Brief von amerikanische Verteidigungsminister Robert Gates, in dem dieser von Berlin die Ausdehnung des Bundeswehreinsatzes auf den umkämpften Süden des Landes verlangt. „Wir müssen mehr tun, aber es hilft nicht, dies öffentlich zu tun. Dadurch wird der Erfolg, den wir in Afghanistan haben, nur verdeckt.“
Das Mandat für die Bundeswehr erlaubt 3.500 Soldaten und begrenzt den Einsatz auf den Norden des Landes, der weniger riskant ist als der Süden. Derzeit sind 3.200 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan.