11.01.2010 · Die Linke ist drauf und dran, sich in ihre Einzelteile zu zerlegen. Oskar Lafontaine hat seine Schuldigkeit getan, das Fehlen des großen Volkstribun an der Parteispitze offenbart die Zerrissenheit und ideologische Grabenkämpfe.
Von Stefan DietrichOskar Lafontaine hat seine Schuldigkeit für die PDS getan. Er hat ihr einen gesamtdeutschen Auftritt und ungeahnte Wahlerfolge verschafft. Die spannende Frage war immer, was davon bliebe, wenn der große Volkstribun einmal nicht mehr an der Spitze stünde. Einen Vorgeschmack liefert nun seine gesundheitlich bedingte Auszeit: Die Linke ist drauf und dran, sich in ihre Einzelteile zu zerlegen.
Fraktionschef Gysi spricht von einem „unerträglichen Klima der Denunziation“ und lässt zugleich den Bundesgeschäftsführer Bartsch über die Klinge springen, dessen Kopf die westdeutschen Landesverbände fordern.
Der scheidende Parteichef Bisky versucht, die Genossen mit Appellen zur Geschlossenheit gegen das „ideologische Schweinegrippevirus“ zu impfen, das die Partei befallen habe. Doch was der Linken fehlt, sind nicht die heilenden Hände Lafontaines. Vielmehr deckt sein Fehlen nur auf, was seine Anwesenheit verhüllte: Die gesamtdeutsche Linke ist ein Produkt seiner gnadenlosen Demagogie, die keinen politischen Praxistest besteht. Auch Lafontaine selbst hat ihn nie bestanden.