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Linkspartei Retter Lafontaine

09.10.2009 ·  Oskar Lafontaine liebt den effektvollen Auftritt ebenso wie den überraschenden Abgang. Diesmal immerhin ergreift er nicht kopflos die Flucht. Für die CDU im Saarland könnte aus dem vermeintlichen Hauptgegner am Ende sogar ein Retter werden.

Von Stefan Dietrich
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Oskar Lafontaine liebt den effektvollen Auftritt ebenso wie den überraschenden Abgang. Nun also darf wieder einmal darüber gerätselt werden, was den großen Bellheim der Politik dazu veranlasst hat, den Vorsitz einer größer gewordenen Bundestagsfraktion mit einer der kleinsten Landesbühnen zu vertauschen. Diesmal immerhin ergreift er nicht kopflos die Flucht, sondern geht ganz friedlich auf dem Höhepunkt seiner zweiten Karriere.

Gerade erst hat Lafontaine allen noch einmal gezeigt, was ein Kämpfer wie er vermag: Im Bund hat er die Linke auf elf Prozentpunkte an die SPD herangebracht; in seiner saarländischen Heimat liegen gar nur noch drei Punkte zwischen seiner neuen und seiner alten Partei. Dass er diesen Erfolg beim nächsten Mal mit dann mehr als siebzig Jahren wiederholen oder gar überbieten könnte, glaubt er wohl selbst nicht. Hinter der Begründung, er wolle sich ganz auf den Parteivorsitz und die Landespolitik im Saarland konzentrieren, dürfte bei dem Kritiker der Rente mit 67 deshalb auch die Einsicht stehen, dass mit 66 allmählich doch Schluss ist.

Sowohl für die SPD als auch für die Linkspartei, die schon manches Mal unter der Machtfülle ihrer Galionsfigur Lafontaine gestöhnt hat, ergeben sich aus dem Verzicht neue Perspektiven. Neben allen programmatischen Differenzen, die stets als Hindernisse für eine bundespolitische Zusammenarbeit aufgezählt werden und wurden, gab es eine sehr menschliche Klippe: Mit Lafontaine wollte sich kein führender Sozialdemokrat mehr an einen Tisch setzen. Dieses Problem ist nun aus der Welt geschafft. Man darf gespannt sein, wie schnell sich die übrigen Unterschiede in der Opposition überbrücken lassen.

An der Saar dagegen könnte Lafontaines triumphale Heimkehr einiges durcheinanderbringen. An diesem Sonntag wollen die Grünen entscheiden, auf welches Koalitionsangebot sie näher eingehen wollen. Ihre Neigung, es mit Rot-Rot-Grün zu versuchen, hat mit Lafontaines Schritt einen deutlichen Dämpfer erhalten. Jedenfalls hatte ihr Vorsitzender Ullrich den Heimkehrer bisher nicht auf seiner Rechnung – und möchte ihn erst recht nicht als „Neben-Ministerpräsidenten“ haben. Falsch lag Noch-Ministerpräsident Müller, als er im Wahlkampf in Lafontaine den Hauptgegner sah. Mit etwas Glück könnte der jetzt sogar sein Retter werden.

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