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Limburger Bischof : Warten auf Franziskus

Den Petrusstab der Limburger Bischöfe hat Franz-Peter Tebartz-van Elst im Jahr 2008 von seinem Vorgänger Franz Kamphaus übernommen. Wie lange wird er ihn noch behalten? Bild: Foto KNA

Im Vatikan redet kaum noch jemand mit dem Limburger Bischof. Und wer doch mit Tebartz-van Elst spricht, trifft offenbar auf einen zuversichtlichen Kämpfer.

          In Rom interessiert sich kaum jemand für jenes Bistum Limburg jenseits der Alpen mit diesem nach italienischem Geschmack sonderbar weiß-ocker-roten Georgsdom. Gerade einmal drei italienische Zeitungen schrieben in der vergangenen Woche über seinen Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst, der weiter im Priesterhaus der „Anima“ im Herzen der Altstadt lebt, verfolgt von den Vorwürfen, mit Lug und Trug eine 31 Millionen Euro teure Residenz hochgezogen zu haben, und belastet mit einem Strafantrag wegen Falschaussage.

          Thomas Gutschker

          Redakteur im Ressort Politik in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Im verwinkelten Bau des Kollegs sieht man den Bischof selten; aber wer mit ihm spricht, trifft offenbar auf einen zuversichtlichen Kämpfer, der mit jedem Tag im desinteressierten Rom mehr in der Vorstellung lebt, daheim würde die immer markanter hervortretende Mitschuld der Bistumsgremien für seine Entlastung sorgen. Tebartz-van Elst hofft wohl auch, dass jeder ruhige Tag der vergangenen Woche ein Indiz mehr dafür war, dass ihn der Papst nicht der „Hetze“ aus der Heimat opfern werde.

          Traut man freilich den Stimmen in der Kurie, dann spricht nichts dafür. Zwar hatte sich der Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, zuletzt noch hinter den Limburger Bischof gestellt. Doch zuständig und vorentscheidend ist in dieser Sache der Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Marc Ouellet. Und über den heißt es, er hoffe mit jedem Tag dringlicher darauf, dass Tebartz-van Elst von sich aus den Rücktritt einreichen werde.

          Kardinal Ouellet ist bestens informiert

          Am Dienstag sprach Ouellet mit Erzbischof Robert Zollitsch, dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, über die Lage in Limburg. Dem Vernehmen nach hielt sich der kanadische Kardinal in dem Gespräch bedeckt. Er versuchte aber auch nicht, den Limburger Bischof zu verteidigen; denn Ouellet ist gut informiert über die Probleme beim Georgsdom. Dazu mag einerseits der Kölner Kardinal Joachim Meisner beigetragen haben. Meisner ist Mitglied der Bischofskongregation und mit Ouellet aus theologischer Nähe und wegen der Zuneigung des Kanadiers für alles Deutsche vertraut. Als Metropolit der Kölner Kirchenprovinz obliegt Meisner auch die Aufsicht über das Bistum Limburg. Nachdem er von den massiv gestiegenen Kosten des Limburger Bischofssitzes erfahren und die hamburgische Staatsanwaltschaft einen Strafbefehl gegen Tebartz-van Elst beantragt hatte, war für Meisner eine „neue Lage“ eingetreten – keine bessere, sondern eine schlechtere. Meisner hatte darüber auch mit Tebartz-van Elst gesprochen, ihn jedoch nicht zum Einlenken bewegen können.

          Ouellet hat noch weitere Informationsquellen. Dazu gehören der amtierende Nuntius in Berlin Erzbischof Jean-Claude Périsset und in Rom befindliche Geistliche aus der Limburger Diözese. Anfang September hatte Ouellet den früheren Kurienkardinal Giovanni Lajolo zur Erkundung der Lage nach Limburg geschickt. Lajolo kam nicht als Visitator, der kontrollieren und prüfen sollte, sondern als „brüderlicher Besucher“, wie es in dem Brief stand, den der Präfekt Tebartz-van Elst zukommen ließ. Der Heilige Stuhl hege „volles Vertrauen in Ihre Amtsführung“, stand da auch, und das konnte der Limburger Bischof als Vertrauensbeweis werten. Allerdings legte Lajolo Tebartz-van Elst die Verpflichtung auf, sämtliche Baukosten offenzulegen und von der Deutschen Bischofskonferenz prüfen zu lassen. Erst dadurch kam die Bausumme von bislang 31,4 Millionen Euro ans Licht. Als Lajolo zurück in Rom war, um Ouellet Bericht zu erstatten, soll er mehrfach die Stirn gerunzelt und Zweifel am Verhalten von Tebartz geäußert haben. Ouellet kann im Übrigen deutsche Zeitungen lesen und soll es in der „Causa Limburg“ auch tun. Zollitsch ließ ihm vor seinem Besuch „Materialien“ zukommen.

          Krankheit als möglicher Ausweg

          Sowohl im Vatikan als auch in deutschen Kirchenkreisen wird seit dieser Woche die Einschätzung geäußert, in der Bischofskongregation habe „ein Prozess des Umdenkens“ eingesetzt. Der Präfekt habe erkannt, dass Tebartz-van Elst sein Amt nicht mehr ausüben könne. Ob Ouellet den Prüfbericht zu den Baukosten abwarten oder von sich aus die Initiative ergreifen werde, um Tebartz-van Elst zum Rückzug zu bewegen, gilt einstweilen als offen. Es gebe auch in der Bischofskongregation noch Mitarbeiter, „die auf die Bremse treten“, ist zu hören.

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