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Limburger Bischof Tebartz-van Elst teilt Papst-Audienz mit Meisner

Der Bischof von Limburg, Franz-Peter Tebartz-van Elst, trifft den Papst am Montag nicht alleine. Offenbar kommt der Kölner Kardinal Meisner mit. Heute schon hat Tebartz-van Elst hohen Besuch bekommen.

© dpa Vergrößern Ob der Bischof im Amt bleibt, entscheidet der Papst

Vor dem Treffen des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst hat sich der Präfekt des Päpstlichen Hauses, Kurienerzbischof Georg Gänswein, am Sonntagmittag in Rom mit dem Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst getroffen. Das berichtet die „Bild“-Zeitung.

Kurienerzbischof Gänswein sei kurz nach 11 Uhr vor dem deutschen Priester-Wohnheim „Santa Maria dell` Anima“ vorgefahren, wo sich der Limburger Bischof zurzeit aufhält, schreibt „Bild“. Eine halbe Stunde später sei Gänswein wieder gefahren - ohne den Aktenstapel, den er bei seiner Ankunft dabei gehabt habe.

Die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ hatte berichtet, dass Papst Franziskus Tebartz-van Elst am Montag zu einer Audienz empfangen will. Nach Informationen der „Bild-Zeitung“ soll dabei nicht nur Tebartz-van Elst empfangen werden, sondern auch den Kölner Kardinal Joachim Meisner, zu dessen Kirchenprovinz das Bistum Limburg gehört.

Der Bischof will nicht freiwillig auf sein Amt verzichten

Wie die F.A.S. weiterhin erfuhr, ist der Bischof bisher nicht bereit, sein Amt freiwillig aufzugeben. Vielmehr lebt er in der Vorstellung, eine immer markanter hervortretende Mitschuld der Bistumsgremien werde für seine Entlastung sorgen. Auch die von der Deutschen Bischofskonferenz eingesetzte Untersuchungskommission werde die gemeinsame Verantwortung für die auf 31 Millionen Euro gestiegenen Baukosten der neuen Bischofsresidenz erweisen. Tebartz-van Elst beruft sich, wie die F.A.S. berichtet, auf einen Sinnspruch, der den früheren Bischof von Münster Kardinal von Galen in seinem Kampf gegen die Nationalsozialisten stärkte: „Nicht Menschenlob, nicht Menschenfurcht soll uns bewegen!“

Tebartz-van Elst harrt seit vergangenem Sonntag in Rom aus. Bis auf ein Treffen mit dem Präfekten der Bischofskonkregation, Kardinal Marc Ouellet, zu Anfang der Woche war bislang kein weiterer Termin des Bischofs im Vatikan bekannt geworden. Der Kanadier Ouellet spricht neben dem Papst das gewichtigste Wort, sollte es zu einer Amtsenthebung kommen. Er hatte Tebartz-van Elst Anfang September „volles Vertrauen“ in dessen Amtsführung ausgesprochen, ist jedoch nach F.A.S.-Informationen inzwischen zu einer wesentlich kritischeren Einschätzung gelangt.

„Ein Prozess des Umdenkens“

In der Bischofskongregation habe „ein Prozess des Umdenkens“ eingesetzt, erfuhr die F.A.S. aus Kirchenkreisen. Der Präfekt habe erkannt, dass Tebartz-van Elst sein Amt nicht mehr ausüben könne. Kardinal Ouellet wurde am Samstag von Papst Franziskus empfangen.

- © AFP Vergrößern Franz-Peter Tebartz-van Elst

Wie die F.A.S. weiter berichtet, reagierte Franziskus während seines vertraulichen Gesprächs mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, am vergangenen Donnerstag entsetzt, als Zollitsch ihn darüber informierte, dass die Baukosten in Limburg auf bis zu 40 Millionen Euro steigen könnten. „Wie bitte?“, soll Franziskus daraufhin gestöhnt haben. Ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz bezeichnete das als „reine Spekulation“. Allerdings hatte er selbst nicht an dem Gespräch teilgenommen.

Im Vatikan wird erwartet, dass Franziskus für den Fall eines formellen Amtsenthebungsverfahrens den Bericht der Untersuchungskommission abwarten wird, die Zollitsch am Freitag eingesetzt hat, um Kosten und Entscheidungswege beim Bau der Limburger Bischofsresidenz zu prüfen. Es sei „eine Frage von Wochen, aber nicht von Monaten“ bis der Bericht vorliege, hieß es in Kirchenkreisen.

104.342 Euro für einen Mann mit Hund

Ob Tebartz-van Elst den Vermögensverwaltungsrat seines Bistums in Mithaftung nehmen kann, ist indessen fraglich. Das Protokoll der vertraulichen Ratssitzung vom 28. August belegt einen „offenen Dissens“ zwischen dem Rat und dem Generalvikar. Demnach erfuhren die drei Ratsmitglieder erst in jener Sitzung, dass die Kosten massiv gestiegen waren. Sie hatten bis dahin nach ihrer Auffassung nur einer Zwischenfinanzierung von 13 Millionen Euro zugestimmt. Da inzwischen viel höhere Rechnungen angefallen und beglichen worden waren, genehmigte der Rat im Nachhinein eine Zwischenfinanzierung von 31,5 Millionen Euro.

Aus internen Unterlagen geht hervor, dass der Bischof von Limburg mehr als 100.000 Euro allein für einen Mann mit Hund ausgab, der die Baustelle auf dem Domplatz bewachte, nach eigener Auskunft eine Waffe mit sich führte und unter anderem einen Fotografen der F.A.S. bedrohte und vertrieb. Der Mann hatte behauptet, er werde zum Schutz vor der Presse und gegen Personen, „die den Bischof hassen“, eingesetzt – was das Bistum gegenüber der F.A.S. „groben Unfug“ nannte. Der Mann sei vielmehr „zum ausschließlichen Zweck der Wege- und Bausicherung“ beauftragt worden. Dem Ordnungsamt war vom Bischöflichen Ordinariat mitgeteilt worden, der Mann solle mit seinen Helfern den Baustellenverkehr auf der engen Zufahrt regeln. In der Aufstellung zur „Kostenkontrolle“, die dem Vermögensverwaltungsrat Anfang Oktober übergeben wurde, taucht sein Name auf. Sein Auftrag lautete: „Baustellenbewachung“. Dafür waren 104.342 Euro vorgesehen.

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Quelle: FAZ.NET/F.A.S. mit KNA

 
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